Filmkritik

“Edge of Tomorrow” von Doug Liman

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Tom Cruise als Major Bill Cage (rechts) und Emily Blunt als "The Full Metal Bitch" Rita Vrataski in Doug Limans "Edge of Tomorrow"

Tom Cruise als Major Bill Cage (rechts) und Emily Blunt als “The Full Metal Bitch” Rita Vrataski in Doug Limans “Edge of Tomorrow”

Zugegeben, es macht schon ordentlich Spaß dabei zuzusehen, wie Tom Cruise immer und immer wieder auf der Leinwand sterben muss um sein Ziel zu erreichen. Edge of Tomorrow von Regisseur Doug Liman (Die Bourne Identität) nimmt sich dabei die Prämisse der japanischen Anime-Romanvorlage All You Need Is Kill von Hiroshi Sakurazaka zum Vorbild und erzählt von einem Mann (Cruise), der immer und immer wieder in dieselbe Schlacht gegen eine Alien-Invasion geschickt wird und dabei Stück für Stück der möglichen Lösung des Problems näher kommt.

Cruise spielt Major Bill Cage als eine Videospielfigur mit unendlich vielen Leben. Anfangs darf er sich dabei noch in amüsanten Versuchen seiner Einsatzeinheit zu entkommen ungeschickt unter einem Auto herrollen oder wird schlicht aus Unachtsamkeit von einem Gefährt erfasst, nur um am Anfang desselben Tages wieder hellwach vor dem Befehlshabenden Offizier aufzuwachen. Später wiederum schraubt Regisseur Liman die Action natürlich nach oben. Er belässt es nicht dabei seinen Hauptakteur durchs bloße Überfahren aus dem Gefecht zu ziehen. Irgendwann brettert Cruise mit einem rasend schnellen Vehikel durch das zerstörte Paris und wird durch die Glasfront des Louvre geschleudert, nimmt dabei nur ein paar Kratzer, rafft sich wieder auf und verfolgt weiter seine Mission. Das Überfahren-werden als Alltagsschikane und durchaus gefährlich gegen den unzerstörbaren Helden. Aber man möchte sich in einem guten Sci-Fi Actionfilm ja nicht über Relationen beschweren.

Bill Cage ist gar nicht davon begeistert sich auf dem Schlachtfeld wiederzufinden

Bill Cage ist gar nicht davon begeistert sich auf dem Schlachtfeld wiederzufinden

Denn Edge of Tomorrow ist ein solcher guter Vertreter seiner Gattung. Man mag mit Vorab-Bauchschmerzen über den immer etwas selbstgefälligen Tom Cruise an den Film herangehen, nur um eines besseren belehrt zu werden. Schon in Oblivion zeigte Cruise, dass er immer noch mit Leidenschaft bei der Sache ist, durchaus dazu in der Lage gute Leistungen zu zeigen. Das größte Problem was er inzwischen haben dürfte, ist es, Rollen wirklich mit anderen Charakterzügen zu füllen und eben nicht das Gefühl zu vermitteln, immer nur als Tom Cruise auf der Leinwand wahrgenommen zu werden.

Aber gerade in Edge of Tomorrow funktioniert das recht gut, nimmt der Film ihn doch mit auf eine charakterliche Reise vom weinerlichen Angsthasen, der eigentlich nur für die Vermarktung des Krieges verantwortlich ist, hin zum Kriegshelden, der aber von der Öffentlichkeit gar nicht wahrgenommen wird. Angsthase und unsichtbarer Held. Zwei Rollen die Cruise bisher nicht in seinem Repertoire hatte.

Die Heldenrolle überlässt er derweil Emily Blunt, die als Kämpfernatur Rita Vrataski an seine Seite tritt. Blunt hat ihre Leidenschaft für das Genre bereits an der Seite von Matt Damon (Der Plan) sowie Bruce Willis und Joseph Gordon-Levitt (Looper) gezeigt und ist in Edge of Tomorrow eine wertvolle Ergänzung zu Tom Cruise. Neben Cruise könnte man schnell an Aufmerksamkeit verlieren, aber Blunt schafft es Vrataski – oder einfacher: “The Full Metal Bitch” – sowohl herrschsüchtig, bestimmend, einschüchternd, aber eben auch nett und charmant genug zu zeigen, dass sie zu einer wahren Leinwandheldin taugt. Ihre besten Momente hat sie als Ausbilderin von Cage. Sie treibt ihn oftmals an den Rand seiner körperlichen Leistungsfähigkeiten, nur um ihn mit einer Kugel in den Kopf alles noch einmal von vorne durchleben zu lassen.

Mit der "Full Metal Bitch" ist nicht zu scherzen. Sie bildet Bill Cage zum ordentlichen Soldaten aus und verteilt dabei reichlich Kopfschüsse

Mit der “Full Metal Bitch” ist nicht zu scherzen. Sie bildet Bill Cage zum ordentlichen Soldaten aus und verteilt dabei reichlich Kopfschüsse

Irgendwann lernen die beiden gemeinsam genauestens die Bewegungen, Schritte und Blickrichtungen, die sie machen müssen, um sicher durch das Schlachtfeld zu kommen, auf dem die Alienkreaturen die Menschen geradezu abmetzeln. Immer wieder fühlt man sich stark an ein Computerspiel erinnert, dass leider viel zu schwer geraten ist und man mindestens zehn Versuche benötigt um durch den puren Erfahrungswert, nicht durch das bloße Können, ein Level hinter sich zu bringen.

Edge of Tomorrow ist nicht so schwer geraten, es ist leichte Kost, in sämtlichen Belangen gut verpackt. Gerade bei einer Story die gerade einmal dreißig Minuten lang ist, sich aber immer wieder wiederholt, hätten reichlich Patzer eingebaut werden können. Aber das Drehbuch von Christopher McQuarrie sowie Jez und John-Henry Butterworth entfaltet einen starken Time-Loop Film, der nur zu Recht Erinnerungen an Und täglich grüßt das Murmeltier hervorruft.

Edge of Tomorrow
Regie: Doug Liman, Drehbuch: Christopher McQuarrie, Jez & John-Henry Butterworth
Länge: 113 Min, freigegeben ab 12, Kinostart: 29. Mai 2014
im Netz: Edge of Tomorrow bei Warner Bros.
alle Bilder © Warner Bros. Pictures Germany

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