Mit dem Sci-Fi Thriller ‘Cube’ hat man einen Genrefilm erschaffen, der bei den Fans dieses Werkes als Kult gilt. Regisseur Vincenzo Natali hatte mit ‘Cypher’ versucht diesen Erfolg zu wiederholen, blieb aber weit zurück hinter seinem Erstlingswerk. Mit der Unterstützung von Guillermo Del Toro, erschuf Natali jetzt die kanadisch/französische Co-Produktion ‘Splice’ und begibt sich mit diesem Film in die Wissenschaft der Gentechnologie. Ab dem 3. Dezember gibt es den Film mit Adrien Brody und Sarah Polley in den Hauptrollen auch auf DVD.

Die beiden agieren als geniale Biochemiker Clive und Elsa, denen in der Genforschung das Undenkbare gelingt. Sie erschaffen eine geklontes, menschenähnliches Hybrid-Wesen. Eigentlich wäre das ein Grund zum Feiern, aber ihre Arbeitgeber haben moralische Bedenken und das Projekt droht zu scheitern. Illegal arbeiten die beiden Wissenschaftler weiter an ihren Forschungen, doch ihr Schützling entwickelt sich schneller und ganz anders als erwartet. Irgendwo verlieren sie sich zwischen ‘Richtig’ und ‘Falsch’ und sie selbst geraten außer Kontrolle.

Adrien Brody & Sarah Polley

Die Nachricht die uns dieser Film übermitteln möchte ist natürlich ‘Vorsicht vor Genmanipulationen’. Das schafft ‘Splice’ auf gute Art und Weise, man möchte sich wirklich Gedanken machen über die wissenschaftlichen Errungenschaften die es nicht nur im Film immer wieder zu bestaunen gibt. Die Thematik ist schön aufbereitet und der Film driftet erst am Ende in ein eher unnötiges Horrorszenario ab. Der Zuschauer bekommt aber keinen Horrorfilm geliefert, sondern einen gut funktionierenden Thriller, mit wenigen aber hervorstechenden Horror-Momenten, bei dem die Hauptfiguren mindestens genauso sehr zu hinterfragen sind wie die Kreatur die sie erschaffen haben.

Mit Adrien Brody und Sarah Polley bekommt man keine typischen Wissenschaftler geboten, sondern ‘Rock Wissenschaftler’. Die beiden sind auf dem Cover des ‘Wired’ Magazins – eine Technologiezeitschrift für Geeks und Technik-Freaks – sind auf Coolness aus und kümmern sich mehr darum in der Öffentlichkeit zu stehen als typischen Laborratten zu sein. Es ist die Wissenschaft des 21.Jahrhunderts die uns dort vermittelt wird. Sie sind die jungen Wilden, die wirklich etwas neues erforschen können und sich nicht an moralische Grundgedanken halten wollen.

Und ihre Kreatur? Ein merkwürdiges Mischwesen, dargestellt von Delphine Chanéac, deren kompletten Lebenszyklus wir gemeinsam mit den beiden Wissenschaftlern durchleben dürfen. Dieses Wesen dient Clive und Elsa als Ersatzkind. Hält Elsa ein echtes Kind für zu Zeitaufwendig und kann sich auch mit dem Gedanken der Geburt nicht anfreunden – zumindest nicht so lange sie als Frau das Kind bekommen muss – wird die Erschaffung von Dren, der Name den sie ihrem künstlichen Sprössling geben, wie eine technische Frühgeburt inszeniert. Dem Zuschauer wird hier zwar die erste Geburt dieser Art vorgeführt, aber man hat bewusst in jeder Szene Parallelen zur natürlichen Form gesucht um die Bilder nicht zu sehr zu entfremden. Und am Ende weiß man dann gar nicht mehr, auf wessen Seite man eigentlich stehen sollte. Die Figuren haben alle ihre eigene Motivationen und driften immer weiter auseinander um sich in anderen Momenten wieder näher zu kommen. Man ‘beschnüffelt’ sich, man studiert sich. Dabei steht immer die Frage im Raum, ob all das nicht doch ein Schritt zu weit war.

Delphine Chanéac

Um diese Frage dreht sich auch das Making Of. In der Doku die ebenfalls auf der DVD enthalten ist wird eine halbe Stunde lang auf die Problematiken innerhalb von ‘Splice’ eingegangen. Die Filmemacher und Schauspieler versuchen ihre eigene Sicht auf den Film darzustellen. Neben dem Inhalt des Filmes stehen aber auch die Hauptdarsteller selbst im Fokus der Dokumentation. Hier wird geschildert wie die beiden Figuren im Film, aber auch Brody und Polley, miteinander harmonieren. Neben dem Making Of gibt es leider nur noch einige Trailer in den Special Features anzusehen. Aber hier gilt Qualität vor Quantität, bekommt man mit diesem einen DVD Extra doch bereits alle nötigen Informationen vermittelt.

Mit ‘Splice’ fügt Regisseur Natali ein weiteres gutes Werk seiner Filmografie hinzu. Er reiht sich in die Liste von Filmemachern ein, die auch ohne ein großes Produktionsbudget überzeugende Filme erschaffen können. Auf diese Männer und Frauen sollte man ein Auge haben, werden sie auch in den noch kommenden Jahren hoffentlich mehr Dinge auf die Leinwand bannen, die ohne Explosionen und 3-D Technologie zu unterhalten wissen.


‘Splice’

 

Originaltitel: Splice
Altersfreigabe: ab 16 Jahren
Produktionsland, Jahr: Frankreich, 2009
Länge: ca. 104 Minuten
Regie: Vincenzo Natali
Darsteller: Adrien Brody, Sarah Polley, Delphine Chanéac, David Hewlett

‘Splice’ ist ab dem 3. Dezember 2010 im Handel erhältlich.