In seiner vierten Regiearbeit widmet sich David Sieveking der Transzendentalen Meditation, auf die er während einer Informationsveranstaltung mit dem amerikanischen Regisseur David Lynch Aufmerksam wurde. In ‚David wants to fly‘ geht es um eine 1957 gegründete Organisation, die unter dem Inder Maharishi Mahesh Yogi gegründet wurde. Es ist ein Film über die Gründung, die Idee, die Befürworter aber auch den Gegnern und Zweiflern dieser spirituellen Form des Lebens. Die DVD zum Film steht seit dem 26. November 2010 im Handel.

Die Erfolgsgeschichte des Gründers der TM-Organisation, Maharishi Mahesh Yogi, begann im Himalaya. Um seine Meditationslehre zu verbreiten und den Weltfrieden zu erreichen, kam der indische Guru Ende der 50er Jahre nach Hollywood und gewann zahlreiche prominente Anhänger, wie die Beatles, Mia Farrow oder Clint Eastwood. Fast sechs Millionen Menschen weltweit praktizieren heute die Transzendentale Meditation. Auch David, ein junger Filmemacher auf der Suche nach Inspiration, will es mit der Meditation probieren. Denn sein großes Vorbild, der Regisseur David Lynch, versichert ihm höchstpersönlich, dass TM eine Quelle der Kreativität und der Schlüssel zum Erfolg sei. David beschließt sein Idol beim Wort zu nehmen. Er unterzieht sich dem teuren Meditationstraining, erhält sein persönliches Mantra und versucht sich im yogischen Fliegen. Doch bald mehren sich die Ungereimtheiten. Denn die Organisation des indischen Gurus ist zu einer milliardenschweren Industrie geworden.

Anhänger der TM-Organisation

Mit ‚David wants to fly‘ liefert Sieveking eine Dokumentation ab die inszeniert wurde wie ein Spielfilm. Da hat sich jemand eine Scheibe von dem großen amerikanischen Dokumentarfilmer Vorbild Michael Moore abgeschnitten, wenn nicht sachlich über eine Sache berichtet wird, sondern eine gewisse Dramaturgie zu tragen kommt. Das ist aber keinesfalls als negativ anzusehen. Kleine Nebenhandlungen, wie die Beziehung zu seiner Freundin, wirken zwar etwas fehl am Platz, aber immerhin ist es seine Freundin die es David ermöglicht ein Interview mit seinem großen Vorbild David Lynch zu führen und durch ihn mehr über die Transzendentale Meditation zu erfahren.

Lynch darf hier nicht nur als ausschlaggebende Person für die Entdeckungsreise von David herhalten, sondern auch als Promotion-Figur für die TM-Organisation. Die Kamera fängt immer wieder den Regisseur ein, egal in welchem Teil der Welt die Doku sich gerade bewegt. Für Sieveking beginnen die Erfahrungen mit der Transzendentalen Meditation in Hannover, wo er im Friedenspalast an einem Einführungskurs teilnimmt. Hier noch über die neuen Möglichkeiten die sich ihm eröffnen sollen begeistert, beginnt er seine Reise die ihn in die Vereinigten Staaten, Indien oder die Niederlande führen.

David Lynch

Diese Begeisterung die er anfangs für die TM-Organisation und deren Lehre empfindet, macht ungefähr in der Hälfte der Dokumentation eine Kehrtwende. Der Tod des Gurus Maharishi Mahesh Yogi führt innerhalb der Gruppierung zu Machtstreitigkeiten. Es ist vorbei mit Friede und Harmonie, die Kamera wird aus den Räumlichkeiten verbannt, auf einmal möchte man das gefilmte Material absegnen bevor die Dokumentation veröffentlicht wird, unbequemen Fragen begegnet man mit Abweisung. Sieveking enthüllt immer mehr, dass es sich bei der TM-Organisation vielmehr um ein Geschäftsmodell handelt und nicht um eine spirituelle Bewegung. Hierzu holt er dann Aussteiger und Sektenspezialisten vor die Kamera, die einen eher skeptischen Blick auf die Transzendentale Meditation werfen.

‚David wants to fly‘ ist eine niemals langweilige Dokumentation die es mit einigen Spielfilm-typischen Elementen schafft einen dramaturgischen Bogen um die TM-Organisation, David Sieveking als Protagonisten, seine Freundin und David Lynch zu spannen. Dieser kommt in der Doku am schlechtesten weg. Jeder Lynch Fan wird sich nach ‚David wants to fly‘ sicherlich ein kleines Stück von dem Regisseur entfernen.

Nach dem Ansehen der Doku braucht man die DVD wiederum noch lange nicht aus dem Player entfernen. Eine breite Masse an interessanten Extras unterstützt die Recherchen von Regisseur David Sieveking. So wurden hier zusätzliche Interviews mit einem Zauberkünstler, Sektenexperten, einem Journalisten, Psychiater, Mediziner und einem weiteren Dokumentarfilmer veröffentlicht. Knapp über 30 Minuten wird hier die TM-Organisation noch einmal aus den unterschiedlichsten Blickwinkeln beleuchtet. Im Making-Of kommt derweil noch einmal der Regisseur selbst als auch sein Kameramann zu Wort, die fernab vom Bildmaterial das für ‚David wants to fly‘ verwendet wurde noch einmal persönlich die Situationen schildern, in denen sie sich teilweise befunden haben.

Weitere Extras umfassen einige Szenen die nicht im Endprodukt enthalten sind sowie ein Musikclip und diverse Filmtrailer.


‚David wants to fly‘

Originaltitel: David wants to fly
Altersfreigabe: ohne Altersbeschränkung
Produktionsland, Jahr: Deutschland, 2010
Länge: ca. 96 Minuten
Regie: David Sieveking
Darsteller: David Sieveking, Marie Pohl, David Lynch

‚David wants to fly‘ ist seit dem 26. November 2010 im Handel erhältlich.