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Duell (1971)

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Wenn wir von Steven Spielbergs filmischen Regiedebüt sprechen, ist das eigentlich eine durchaus tricky Story. Denn “Duell”, wie sein 1971er Film heißt, wurde für das amerikanische Fernsehen produziert, war dort dann aber so erfolgreich – ein wahrer Kritikerliebling – dass er für andere Länder mit einigen zusätzlichen Szenen ausgestattet wurde, um ihn im Kino in etwas längerer Fassung spielen zu lassen.

In der Hauptrolle spielt Dennis Weaver, der noch von 1955 bis 1964 in der Western-Serie “Rauchende Colts” zu sehen war. Er ist David Mann, via Landstraße in seinem kleinen Stadtwagen auf dem Weg zu einem Geschäftstermin. Auf seiner Reise wird er von einem gigantisch anmutenden Truck bedrängt, der dreckig und finster wie ein Ungetüm ausschaut. Die Auseinandersetzung zwischen dem kleinen Mann und dem großen Monster entwickelt sich zum schweißtreibenden Duell der Straße.

Es ist sichtlich angelehnt an das biblische Aufeinandertreffen von David und Goliath. Nicht umsonst haben wir es hier mit David Mann zu tun, der kleine Städter, der sich gegen den rauen Giganten zur Wehr setzen muss. David muss sich als Mann beweisen. Nicht einmal Zuhause hat der Anzugträger die sprichwörtlichen Hosen an, wie wir ganz nebenbei erfahren. Und hier nun ein Trucker mit Cowboy-Stiefeln als sein Gegner. Es ist das Sinnbild des klassischen Western-Helden (oder eben Schurken) gegen den David Mann hier sein persönliches High Noon-Duell erlebt.

“Duell” benötigt gerade einmal fünf Minuten um uns mit Hochspannung in Dauerschleife zu versorgen. Denn nachdem David Mann seine heimische Garage verlassen hat und einige wenige Minuten durch die Stadt fährt, findet er sich ebenso schnell auf der Landstraße wieder und da ist der Truck dann schon. Spielberg lässt sich keine halbe Stunde Zeit um die Handlung in Gang zu bringen, sondern schmeißt seine Hauptfigur und uns sogleich ins kalte Wasser. Die Spannung setzt hoch an, steigert sich aber immer noch weiter, wird in äußerst anspannende Höhen gesteigert: Von simplen Überholaktionen, über Ausbremsattacken und Rammangriffen, bis hin zu gefährlichen Manövern, bei denen David Mann von der Straße gedrängt oder vor einen Zug geschoben werden soll.

Dennis Weaver in "Duell" von Steven Spielberg

Dennis Weaver in “Duell”

Da ist es nur wenig verwunderlich, dass Mann irgendwann an purer Paranoia leidet. Ein Highlight in “Duell”! An einer Raststätte sieht David Mann zum ersten Mal die Cowboy-Stiefel des Truckfahrers. Wenig später findet er sich in der Raststätte wieder, wo alle dieselben Stiefel zu tragen scheinen. Mann schaut sich in Panik um, ein innerer Monolog findet statt, bei dem er wilde Vermutungen über den möglichen Täter mit sich selbst verhandelt, bevor er tatsächlich aufsteht und wilde Beschuldigungen von sich gibt. Der Wahn des Mannes wird mit Schweißausbrüchen und umherschweifenden Blicken gepaart. Hier ist nicht nur die Spannung an einem Höhepunkt, sondern auch das Schauspiel von Dennis Weaver.

Der Einfluss von “Duell” ist unverkennbar. Nicht nur hat der Film Steven Spielberg den Weg ins Kino geebnet, auch hat er andere Filmemacher inspiriert. Als Beispiel sei der 2001er “Joy Ride” mit Paul Walker, Steve Zahn und Leelee Sobieski genannt, der viele direkte Filmzitate aus “Duell” enthält – oder aber “Wrecker” aus 2015 (kein guter Film!) mit Drea Whitburn und Anna Hutchison, eine fast Bild-für-Bild nachgedrehte Hommage an Steven Spielbergs “Duell”.

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