In der Welt des Films ist es nichts Neues, dass sich Menschen auf Miniaturgröße schrumpfen lassen. Schon 1957 erlebte Darsteller Grant Williams Die unglaubliche Geschichte des Mr. C und ließ sich durch eine mysteriöse Wolke schrumpfen. Rick Moranis verkündete Liebling, ich habe die Kinder geschrumpft und Dennis Quaid trat Die Reise ins Ich an. Nun ist Matt Damon an der Reihe, der unter der Regie von Alexander Payne sein persönliches Downsizing unternimmt.

Er spielt Paul Safranek, der sich gemeinsam mit seiner Frau Audrey (Kristen Wiig) dem Downsizing unterziehen lassen will, einer Technologie, die in der nahen Zukunft Menschen auf etwa 12 Zentimeter herunter schrumpfen lassen kann. Das Downsizing gilt durch die Reduzierung der Müllproduktion einer einzelnen Person als überaus umweltfreundlich und Pauls bereits geschrumpfter Kumpel Dave (Jason Sudeikis) versichert, dass auch das Lebensgefühl angehoben wird.

In der Miniaturstadt Leisureland will Paul es sich gut gehen lassen, aber nachdem Audrey den Schrumpfprozess spontan ablehnt und sich von ihrem Mann trennt, fristet er ein eher trauriges Leben. Bis ihm nach einer wilden Party seines Nachbarn Dusan (Christoph Waltz) dessen Hausmädchen Ngoc Lan Tran (Hong Chau) auffällt, die er aus dem Fernsehen als politische Aktivistin kennt, die ohne ihre Einwilligung geschrumpft wurde.

Downsizing
Matt Damon mit Hong Chau.

Matt Damon spielt sich im Schlaf durch Downsizing. Paul hat keine sonderlichen Charakterzüge und wird viel eher durch die Handlung getrieben, weil er sich alleine einer Situation gegenüber sieht, die er eigentlich mit seiner Frau erleben wollte. Er muss Entscheidung nach Entscheidung für sich treffen, ohne dass uns je großartige Konsequenzen seines Handelns bewusst gemacht werden. Das mag auch daran liegen, dass Regisseur Alexander Payne eine Figur erschaffen hat, die sich nie mit längerfristigen Lösungen beschäftigt und nur auf den Moment konzentriert scheint.

Das macht Damons Figur zu einem nicht sonderlich gut entwickelten Protagonisten, der sich nur allzu leicht von Christoph Waltz und Hong Chau an die Wand spielen lässt. Leider dürfen beide erst nach der ersten Stunde in Downsizing mitmischen. Dann aber wünschen wir uns, dass Matt Damon verschwindet und wir uns auf diese beiden amüsanten Figuren konzentrieren könnten.

Chau bereichert den Film mit ihren verschrobenen Gesichtsausdrücken, einem herum kommandierenden Befehlston und perfekten Comedy-Timing. Und während Matt Damon sich bemüht (kein guter Begriff in einem Arbeitszeugnis), muss Christoph Waltz nur einmal spitzbübisch Grinsen um eine Szene an sich zu reißen.

Das mag daran liegen, dass sich Chau und Waltz nicht großartig mit der Handlung auseinandersetzen müssen. Beide haben ihr Standing in der Miniatur-Gesellschaft, während sich Matt Damon als Hauptdarsteller von Downsizing mit all den Ideen herumschlagen muss, die Alexander Payne in seinen Film hinein gestopft hat, ohne dass er sich auf einen Aspekt fokussieren würde.

Die Trennung von Paul und Audrey ist irgendwann vergessen und wir fragen uns, ob die instabile Ehe ein kurzer Themeneinschub gewesen sein soll, ob Payne einfach mit Kristen Wiig zusammen arbeiten wollte oder ob es sonstige Erklärungen für die erste halbe Stunde des Films gibt, in der zwar höchst amüsant das Downsizing-Prinzip vorgeführt, die Handlung dabei aber arg belanglos gehalten wird.

Es zeichnet sich Zwischendurch immer wieder ab, dass die Welt der Kleinen gar nicht so viel besser ist. Sie ist eine unterdrückte Minderheit, da die noch große Welt mit hochgezogener Nase auf sie blickt. Sie ist aber auch eine privilegierte Elite, die ihr Leben im Überfluss leben kann. Deswegen geht es eigentlich nicht darum, weniger zu konsumieren und dadurch die Müllprobleme der Welt zu verringern, sondern die Gelüste nach mehr von allem zu befriedigen.

Dann wäre da der politische Aktivismus, Schmuggel mit Waren aus der Welt der Großgebliebenen sowie ein Kult, der einen drohenden Untergang der Welt beschwört. Das Gefühl will einfach nicht abreißen, dass Payne etwa im zehn-Minuten-Takt ein neues Thema anbringt um das Vorherige zu vergessen.

Downsizing
Matt Damon und Christoph Waltz haben Spaß mit einer herkömmlichen Blume.

Er versucht einmal mehr die gegenwärtige Mentalität Amerikas auf satirische Art vorführen. Er schickt ebenso einen weiteren seiner Filmhelden auf eine Charakter-verändernde Reise. Vielleicht hapert es auch genau daran, dass Matt Damons Paul eben so wenig Charakter vorzuweisen hat, das Downsizing mehr durch das bunte Treiben seiner Nebenfiguren lebt, als durch die eigentliche Handlung mit ihrem Protagonisten.

So kann sich der Film nie richtig entschließen, in welche Richtung er uns führen möchte. Am Ende wird keine der vielen Fragen beantwortet, die im Verlauf aufgeworfen werden: Umwelt, Rassismus, Klassen-Gesellschaften, Beziehungen, Freundschaften, politischen Engagement, Geflüchtetenkrise.

Alles spielt in Downsizing hinein, am Ende steht aber nur der weiße Mann, dessen Probleme durch die Hinwendung zu einer exotisch aussehenden Frau gelöst werden. Statt uns als sozialisierter Gulliver durch ein utopisch-dystopisches Liliput zu führen, bekommen wir nur noch mal die heilende Wirkung der Menschlichkeit vorgeführt. Das tröpfelt nicht nur, das trieft geradezu vor schmalziger Einfallslosigkeit.