Filmkritik

“Dieb der Worte” von Brian Klugman & Lee Sternthal

0
© Wild Bunch/Central / Bradley Cooper und Jeremy Irons in "Dieb der Worte".

© Wild Bunch/Central / Bradley Cooper und Jeremy Irons in “Dieb der Worte”.

Nimmt man die französische Übersetzung des Wortes ‘Plagiat’ landet man bei ‘plagiaire’, was wiederum ins Deutsche übersetzt soviel heißt wie ‘Dieb geistigen Eigentums’. Gerade wo die heißen Debatten um Plagiate in der Landschaft wissenschaftlichen Arbeitens so hitzig geführt werden, kommt nun „Dieb der Worte“ vom Regisseurenduo Brian Klugman und Lee Sternthal daher. Fernab einer Hochschullandschaft um Doktorarbeiten wird hier ein autobiographisches Werk der Literatur zum Diebesgut gemacht. Dabei verschachteln die Regiedebütanten – zugleich auch für das Drehbuch verantwortlich – ihren ‘Krimi der Worte’ in zahlreichen Erzählungen und zeitlichen Ebenen, die aus Ben Barnes („Das Bildnis des Dorian Gray“) Jeremy Irons („Nachtzug nach Lissabon“) werden lassen, und Dennis Quaid („Movie 43“) als gealterten Bradley Cooper („Silver Linings“) präsentieren.

„Dieb der Worte“ beginnt mit Dennis Quaid als erfolgreicher Schriftsteller Clay Hammond, der auf einer Lesung sein neuestes Werk präsentiert. In seinem Buch geht es um einen jungen, von Ernest Hemingway schwärmenden, erfolglosen Autoren (Bradley Cooper), der in einer antiquierten Tasche ein Manuskript findet. Der Druck seines Vaters (J. K. Simmons), der seinen Sohn endlich als im Leben stehenden und Geld verdienenden Mann sehen will, und das Lob seiner Ehefrau (Zoe Saldana), die von den gelesenen Worten gerührt ist und im Irrglauben bleibt, ihr Mann habe sie verfasst, treiben ihn zu einer unrechtmäßigen Aneignung dieser Worte. Er veröffentlicht das nochmals abgetippte Manuskript unter seinem Namen, nur um wenig später auf einen alten Mann (Jeremy Irons) zu treffen, der ihm von der Entstehungsgeschichte dieses Manuskripts erzählt und damit belegt, dass eigentlich er der Urheber ist.

Bradley Cooper

Bradley Cooper

„Life and fiction never touches“ heißt es noch aus dem Munde von Jeremy Irons, der damit sicherlich nicht das Konzept zu „Dieb der Worte“ gemeint haben kann. Hier wird in der Schachtelerzählung um die Herkunft und die Verbreitung eines Manuskriptes in vielerlei Ebenen geblendet, die aus Bradley Cooper und Jeremy Irons zuerst Romanfiguren machen, die von Dennis Quaid erdacht, innerhalb ihrer Geschichte noch einmal einen Rückgriff in die Vergangenheit vornehmen um somit eine dritte Erzählebene offen zu legen. Wären es Träume statt Worte, würde der Vergleich zu Christopher Nolans „Inception“ geradezu leicht fallen, hier aber wird nicht die ‘Macht der Träume’, sondern eben die ‘Macht der Worte’ thematisiert. Im Fokus steht dabei nicht unbedingt der Diebstahl der Worte, sondern wie Worte im Stande sind Schmerzen zuzufügen und Leben zu beeinflussen.

Der junge Mann der von Ben Barnes verkörpert wird, treibt seine Frau von sich fort, da sie es ist, die das wertvolle, von ihm geschriebene Manuskript verliert, dass Jahrzehnte später von Bradley Cooper gefunden wird. Dieser sieht sich selbst als den Leidtragenden seines eigenen Diebstahls, macht die Ermutigungen seiner Frau zum Kern seines ganz eigenen Ehezwists. Worte können verletzen, wenn auch zumindest der alte Mann – Jeremy Irons – die Einsicht zeigt, dass er seine Worte mehr geliebt habe als die Frau die ihm als Inspiration diente sie zu schreiben. Ganz gleich ob Ben Barnes oder Bradley Cooper, ob Jeremy Irons oder Dennis Quaid, sie alle lassen sich in „Dieb der Worte“ als gescheiterte Existenzen inszenieren, die sich von den ihnen gegebenen Worten durch das Leben treiben lassen. Mit den Worten des Films erzählen Brian Klugman und Lee Sternthal zwei Lebens-, Liebes- und Leidensgeschichten, die ineinander verstrickt zu einem Schicksal zusammen schmelzen. Selten hat das so gut funktioniert, so dicht erzählt einen Einblick in die menschlichen Unergründlichkeiten um das Streben nach literarischen Erfolg gegeben.

Jeremy Irons

Jeremy Irons

Eine Kuriosität bildet die immense Ähnlichkeit zu dem deutschen Roman „Lila Lila“ von Martin Suter, von dem Klugman und Sternthal laut eigener Aussage nichts wussten, als sie 1999 mit dem Drehbuch zu „Dieb der Worte“ begannen. Suters 2004 veröffentlichter Roman handelt ebenfalls von einem jungen Schriftsteller, der ein altes Manuskript entdeckt und dieses auf Drängen seiner Freundin veröffentlicht. Mit diesem Buch hat der Schriftsteller daraufhin enormen Erfolg, zieht aber ebenso die Aufmerksamkeit eines alten Mannes auf sich, der in diesem Fall nur den Urheber des Manuskripts persönlich kennt, nicht selbst als eigentlicher Autor der Geschichte auftritt. Auch hier wird dann ein zweites Buch veröffentlicht, dass von der Geschichte dieses Diebstahls erzählt.

Ganz gleich ob „Dieb der Worte“ nun gestohlen ist, zeigt er doch mit Handlungsraffinesse, wenn auch vorhersehbaren Wendungen, wie schön das Thema Literatur im Film behandelt werden kann.

 


Dieb der Worte_Hauptplakat

“Dieb der Worte“

Originaltitel: The Words
Altersfreigabe: ab 6 Jahren
Produktionsland, Jahr: USA, 2012
Länge: ca. 106 Minuten
Regie: Brian Klugman & Lee Sternthal
Darsteller: Bradley Cooper, Dennis Quaid, Ben Barnes, Jeremy Irons, Zoe Saldana, J. K. Simmons, Olivia Wilde, Ron Rifkin, Nora Arnezeder

Deutschlandstart: 23. Mai 2013
Im Netz: der-dieb-der-worte.de


Denis Sasse
Ich schreibe seit 2009 über Filme und habe viele Jahre Hörfunk-Beiträge zu unterschiedlichsten Medieninhalten produziert. Beim Radio durfte ich meine eigene Kino-Sendung planen und moderieren. Irgendwie habe ich ein Studium der Literaturwissenschaft und der Medienwissenschaften dazwischen gequetscht. Jetzt lehre ich an einer Hochschule über Thematiken in den Bereichen Film, Fernsehen, Social Media und Medienpädagogik.

“Fast & Furious 6” von Justin Lin

Previous article

“Erdbeben” von Mark Robson

Next article

You may also like

Comments

Leave a reply

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.

More in Filmkritik