Filmkritik

“Die Wahrheit über Männer” von Nikolaj Arcel

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© Camino/Neue Visionen / Mads (Thure Lindhardt) weiß nicht so recht was er eigentlich vom Leben erwartet.

Von der diesjährigen Berlinale konnte der dänische Filmemacher Nikolaj Arcel voller Stolz nach Hause zurück kehren: Sein Film „Die Königin und der Leibarzt“ – eine Literaturverfilmung nach einem Roman des Schriftstellers Bodil Steensen-Leth – brachte Darsteller Mikkel Boe Følsgaard den Silbernen Bären als bester Schauspieler, Nikolaj Arcel selbst und Rasmus Heisterberg den Silbernen Bären für das beste Drehbuch ein – auch in der Hauptkategorie im Rennen um den Goldenen Bären war der Film nominiert, hier musste er sich dann aber den Regiebrüdern Paolo und Vittorio Taviani und deren Werk „Caesar Must Die“ ergeben. Aber gelungen war es, Aufmerksamkeit zu erlangen, Nikolaj Arcel darf sich über internationale Berühmtheit erfreuen, so dass nun auch sein Film „Die Wahrheit über Männer“ in den deutschen Kinos startet, der bereits 2010, vor seinem Berlinale-Auftritt, fertig produziert und in seinem Heimatland gelaufen ist.

Dort kennt man nun also bereits die Geschichte, die in deutschen Landen noch erzählt werden will: Die Geschichte von Mads, der schon lange auf dieser Welt ist, sich gut eingerichtet hat, Drehbücher für Film und Fernsehen schreibt und mit einer tollen Frau zusammen ist. Dennoch ist Mads nicht glücklich, hat die beste und wildeste Zeit längst hinter sich, seine Schreibe wird immer uninteressanter, er ist uninspiriert, gelangweilt. Hinzu kommt die Erkenntnis, dass seine Freundin sowieso noch nie wirklich sein Typ war. Er begreift, dass er nicht das Leben führt, welches er immer für sich vorherbestimmt hatte. Er macht mit allem Schluss und begibt sich noch einmal auf die Suche nach der großen Liebe, nach dem Sinn seines Lebens, durchquert dabei diverse Affären, entwickelt und verwirft verrückte Drehbuchideen und überfordert sich schon bald selbst mit einer Überdosis Leben.

In einem Club geht Mads auf Frauenjagd

Dieses Leben hält für Mads die unterschiedlichsten Stationen bereit, als Drehbuchautor ist er verantwortlich für einen der erfolgreichsten Animationsfilme der letzten Jahre, ganz gleich wem er auf seinem Weg begegnet, alle kennen die Abenteuer, die seinem Kopf entsprungen sind. Es folgen ein nur mittelmäßig erfolgreicher Krimi, ein Genrewechsel der nicht gelingen mag, eine erfolglose Heimatschnulze, bevor er dann im Fernsehen landet, keine Drehbücher mehr schreibt, sondern nur Storys entwickelt. Dieses Umhertreiben spiegelt Mads‘ eigenes Leben wieder. Nachdem er den Ausbruch sucht, den er sich so herbeiwünscht, gelangweilt von seinem Leben, welches er in dieser Form nie führen wollte, schwankt er selbst durch die Genres seines Lebens: Von der festen Beziehung mit Zukunftsperspektive bis hin zum aufregenden Miteinander mit einer jüngeren Dame, die ihn in ganz neue Welten entführt, die es für ihn zu entdecken gilt. Aber so richtig funktionieren mag das alles nicht. Am Ende weiß Mads dann was er will, was Männer eigentlich wollen, aber zufriedenstellend ist seine Selbsterkenntnis für ihn nicht.

Regisseur Arcel überträgt seine eigenen Erfahrungen als Drehbuchautor geschickt auf den Film, spielt mit den Konventionen, die ein jeder Schreiberling zu lernen hat. Das Drehbuch besteht aus fünf Stationen, dass erklärt auch Mads den Zuschauern: Es gibt den Anstoß zur Handlung, den ersten Wendepunkt, den Midpoint, den zweiten Wendepunkt und die abschließende Auflösung – so erklärt der Film sich selbst, für diejenigen, die die Momente nicht entdecken, rekapituliert Mads sie am Ende des Films. Er erklärt auch, dass einfach alle Drehbücher, so auch bei „Die Wahrheit über Männer“, nach diesem Stile funktionieren, die dramatischen Tricks, die Klischees, alles wird nach demselben Muster mit denselben Bausteinen erzählt – es wirkt wie eine metaphysische Kritik an der schreibenden Filmzunft, geschickt eingepackt in diese Dramödie.

Man(n) scheint glücklich zu sein – aber für wie lange?

Hauptdarsteller Thure Lindhardt kennt diese stereotypen Drehbücher, die zumeist das Siegel Hollywoods auf sich haben: „Illuminati“ gehört zu seiner Filmografie, den nächsten Ausflug in die Staaten wird er in Neal Jordans Vampirfilm „Byzantium“ machen, neben Gemma Arterton und Saoirse Ronan zu sehen sein. Hier hält er seine Welt noch klein, hier fügt er sich in die unbeschreibliche Lebensödnis ein, die ihn umgibt – taumelt von Frau zu Frau, spielt überzeugenden gleich mehrere Ebenen, den unzufriedenen Mann, den genervten Drehbuchautoren, den Protagonisten, der sein eigenes Handwerk auf sein Leben angewendet sieht: „Stell dir vor dein Leben wäre ein Film, würdest du ihn dir ansehen“, fragt Mads sich selbst und die Zuschauer. Zugegeben, wahrscheinlich würde ein jeder lieber das Leben eines anderen betrachten, so wie auch hier das Leben von Mads im Mittelpunkt steht. Er wird es nicht sehen wollen, die Zuschauer wiederum brauchen keine Angst zu haben, es ist das interessante Leben eines anderen – angucken, amüsieren, mitleiden, nach Hause gehen. So einfach kann es sein, wenn man nicht in diesem Leben gefangen ist.

Denis Sasse

“Die Wahrheit über Männer“

Originaltitel: Sandheden Om Maenden
Altersfreigabe: ab 12 Jahren
Produktionsland, Jahr: DK, 2010
Länge: ca. 95 Minuten
Regie: Nikoaj Arcel
Darsteller: Thure Lindhardt, Tuva Novotny, Signe Egholm Olsen, Henning Valin Jakobsen

Deutschlandstart: 18. Oktober 2012
Offizielle Homepage: diewahrheitübermänner-film.de

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