© Concorde Filmverleih GmbH / Jesse Eisenberg, Woody Harrelson, Dave Franco und Isla Fisher in "Die Unfassbaren"
© Concorde Filmverleih GmbH / Jesse Eisenberg, Woody Harrelson, Dave Franco und Isla Fisher in “Die Unfassbaren”

Es muss einfach etwas mit Magie zu tun haben, diese neu gefundene Faszination des Zauberers im Kino. Christopher Nolan bewies mit unerhörter Eindringlichkeit, mit welch gewieften Tricks seine Magier hantierten. „The Prestige“ führte zurück in die Anfänge des Magiertums, stellte den Nolan-Batman Christian Bale und Hugh Jackman auf rivalisierende Zauberbühnen. Zugleich machte er keinen Halt vor David Bowie als Wissenschaftler Nikola Tesla, der die Magie in ganz andere Richtungen lenkte. In „Red Lights“, ein etwas untergegangener Kinotrick, entfesselt Cillian Murphy die Wut des Scharlatans Robert De Niro, nur um am Ende zu beweisen, dass wahrhaftige Zauberei existiert. Und in „Der unglaubliche Burt Wonderstone“ muss Steve Carell auf ganz komödiantische Art und Weise lernen, dass mehr zum Leben gehört als die eigene Karriere als umjubelter Zauberkünstler. Jetzt folgt „Now You See Me“, bei dem der Franzose Louis Letterier nach Marvels „Der unglaubliche Hulk“ sowie dem Antikremake „Kampf der Titanen“ auch einmal etwas Magisches aus seinem Hut zaubern möchte. Mit dem Schein des Gelingens mag er zumindest das anspruchslose Blockbusterkino täuschen, doch wer hinter den Trick schaut, erkennt die Simplizität der Herangehensweise. Es gilt: Die Magie ist nur so lange gut, wie sie nicht enttarnt wird.

Obwohl sich der Film wirklich Mühe gibt, zu verschleiern, was verschleiert werden soll. Hierzu bedient sich Regisseur Letterier seiner wahrlich zauberhaften Darstellerriege. Woody Harrelson, Jesse Eisenberg, Isla Fisher und Dave Franco (der kleine Bruder von James) mimen die vier Magier, die im Mittelpunkt der Geschichte durch ganz unterschiedliche Fähigkeiten zu verzaubern wissen. Sie werden von einem mysteriösen Magier zusammengeführt, treten fortan für einen zahlungskräftigen Geldgeber (Michael Caine) in aufwendigen Spektakelshows auf. Dabei werden sie von einem Zaubertrick-Enttarnungsprofi (Morgan Freeman) verfolgt und nach einem Bankraub in Paris, mitten in ihrer laufenden Show, haben es dann auch die Cops (Mark Ruffalo und Mélanie Laurent) auf die Trickser abgesehen.

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Die vielen Gesichter sind dringend nötig um den großen filmischen Trick zu vollführen, der manch einen Kinobesucher lange Zeit im Dunkeln tappen lässt und zur großen Enthüllung am Ende ausholt. Denn über die vier Reiter hinaus, wird der schwarze Peter, wer denn nun der mysteriöse fünfte Mann und Auftraggeber ist, geschickt hin und her geschoben. Mal meint man Mélanie Laurent sei die Verräterin in den eigenen Reihen, dann könnte es aber auch wieder jemand ganz anderes sein. Und zum Schluss möchte der Film uns erzählen, dass er eine Person gefunden hat, mit der der Zuschauer sicherlich niemals gerechnet hätte. Denn der Zuschauer, im Film wie vor der Leinwand, so lautet die trickreiche Technik eines Magiers, wird immer viel zu genau hinsehen, immer viel zu sehr versuchen einen Trick zu entschlüsseln, als dass er wirklich hinter die Fassade blicken könne. Ablenkung ist alles, das beweist auch „Now You See Me“.

Doch wer in diesem Film eine Figur mimt, die nur zur Ablenkung dient, muss sich sogleich auch damit konfrontiert sehen, eine Rolle übernommen zu haben, die wenig Charaktertiefe besitzt. Schnell wird klar, wer hier der Showstealer ist, wer wirklich auf die Bühne gehört. Die vier Reiter – im Original ‘4 Horsemen’, die Reiter der Apokalypse, Botschafter etwas weitaus Größeren – verblassen geradezu neben Michael Caine, neben Morgan Freeman, Mélanie Laurent und Mark Ruffalo. Während den Nebenfiguren hier die Hauptaufmerksamkeit geschenkt wird, müssen sich die Reiter, nicht schlecht gespielt, nur vom Drehbuch schlecht behandelt, mit allerlei Oberflächlichkeit abspeisen lassen.

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Dagegen zeigt Mark Ruffalo eine einmalige Show, als etwas infantil agierender Cop, der sich damit abfinden muss, dass die Magier-Gauner ihm immer einen Schritt voraus sind. Sein Inspektor Rhodes sieht sich immer wieder, den Tathergang rekonstruierend, den Zauberern auf die Schliche kommen wollend, durch die Raffinesse der Reiter an den Rand der Verzweiflung getrieben. Fast schon cartoonesk erinnert er an dusselig-brillante Figuren wie den rosaroten Panther Inspector Clouseau oder die rot anlaufende Wutmaschine Louis de Funès in der „Fantômas“-Reihe.

Man darf also Ruffalo als den Retter in der Not betrachten, der allein durch seine Auftritte dem Film seinen Schauwert verleiht. Wer jedoch von Beginn an die eingestreuten Hinweise beachtet, die Magier-Weisheiten verinnerlicht und immer an den größtmöglichen Trick denkt, der wird auch das Ende der Geschichte vorausahnen können. Doch all diese Verschleierungen können auch ebenso schnell übersehen werden, wenn man, wie die Zauberer es vorhersagen, zu genau hinsieht. Dann wird man am Ende doch noch recht überrascht dreinblicken, wenn sich das Gesamtkonstrukt entfaltet. Ganz gleich zu welcher Art der Zuschauerschaft man sich selbst hinzuzählen mag, überzeugt „Now You See Me“ zumindest durch seine Originalität. Eine erfrischende Idee, die im gar nicht mehr so originellen Hollywood Fließbandfilmewahn, überzeugend aufblüht. Am besten gar nicht erst versuchen die Tricks zu hinterfragen, dann hält die Magie tatsächlich bis zum Ende an.

 


Now You See Me_Hauptplakat

“Die Unfassbaren: Now You See Me“

Originaltitel: Now You See Me
Altersfreigabe: ab 12 Jahren
Produktionsland, Jahr: USA / F, 2013
Länge: ca. 116 Minuten
Regie: Louis Letterier
Darsteller: Jesse Eisenberg, Mark Ruffalo, Woody Harrelson, Isla Fisher, Dave Franco, Mélanie Laurent, Morgan Freeman, Michael Caine

Deutschlandstart: 11. Juli 2013
Im Netz: dieunfassbaren-derfilm.de