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In „Die Spur des Falken“ versammelt Regisseur John Huston seine Riege von Film Noir-Figuren – den Privatdetektiv, die Femme Fatale und ein paar weitere zwielichtige Gestalten – um sie nach einer mit Juwelen bestückten Statue eines Falken jagen zu lassen: ein klassisches MacGuffin-Objekt, wie Alfred Hitchcock sie nur allzu häufig eingesetzt hat, das keinerlei Bedeutung hat, außer die Handlung am Laufen zu halten.

Und so ist es hier der Privatdetektiv Sam Spade, wunderbar verkörpert von Humphrey Bogart, der im San Francisco des Jahres 1941 von der wunderschönen und verführerischen Ruth Wonderly aufgesucht wird, die vorgibt, dass ihre Schwester verschwunden sei. Wie es sich für einen Film Noir gehört, steckt hier natürlich weitaus mehr hinter dem scheinbar simpel zu lösendem Auftrag. Spade nimmt den Fall an, wird dann aber recht schnell in größere Dinge verstrickt, die allesamt mit seiner Auftraggeberin zusammenhängen.

In „Die Spur des Falken“ dürfen wir uns einer Identität einer Person niemals sicher sein, so scheinheilig kommen alle Figuren daher. Dann tauchen auch noch überaus gefährlich dreinblickende Schurken auf, darunter Darsteller Peter Lorre, der schon in „M – Eine Stadt sucht einen Mörder“ wusste, wie er ein unbehagliches Magengefühl provozieren konnte, der aber ebenso überzeugende Rollen in Klassikern wie „Casablanca“ und „Arsen und Spitzenhäubchen“ absolvierte.

Es ist ein beeindruckendes Regiedebüt für John Huston, der später noch die Regie- und Drehbuch Oscar-Auszeichnungen für „Der Schatz der Sierra Madre“ gewinnen konnte und immerhin ganze dreizehn weitere Nominierungen für den Academy Award erhielt. Unter ihm entstanden wahre Filmklassiker wie „The African Queen“ mit Humphrey Bogart und Katharine Hepburn, „Moulin Rouge“ mit Zsa Zsa Gabor oder auch „Moby Dick“ mit Gregory Peck.

Sein Erstlingswerk basiert dabei erst einmal auf dem Roman „The Maltese Falcon“ von Dashiell Hammett aus dem Jahr 1929, dessen Verfilmung „Die Spur des Falken“ für manche Filmhistoriker gar als der erste Film Noir gilt, womit John Huston durch sein Debüt auch sogleich ein ganzes Genre begründet hätte. Und tatsächlich haben sich durch diesen Film viele weitere inspirieren lassen: überall findet man die Elemente wieder, der hartgesottene Privatdetektiv und die Femme Fatale sind dabei vermutlich die beiden berühmtesten Erkennungsmerkmale für das Genre, dessen Filmhandlungen sich derweil oftmals in den Schatten abspielen, wo Morde durch Unbekannte begangen werden, die den Film Noir darüber hinaus zu einem Whodunnit-Murder Mystery werden lassen.

Privatdetektiv Sam Spade, die Erfindung Hammetts und in vielen seiner Romane wiederzufinden, ist dabei gleichzusetzen mit Philip Marlowe, eine ähnliche Figur von Autor Raymond Chandler, die zum Beispiel in „Tote schlafen fest“ dann auch ebenso ähnlich von Humphrey Bogart verkörpert wird. Er ist schlicht die perfekte Inkarnation eines erbarmungslosen Ermittlers, der keine Miene verzieht, komme was wolle. Ein wenig Arschloch, prügelt er sich mit jedem, kümmert sich nur um sich selbst und hat wenig Mitgefühl für sein Umfeld übrig. Darin liegt das schauspielerische Können Bogarts, uns diesen unsympathischen Dreckskerl als Helden der Geschichte zu etablieren, mit dem wir dieses Krimi-Abenteuer bereitwillig durchleben möchten.

„Die Spur des Falken“ gelingt es dabei durchgängig die Spannung aufrecht zu erhalten, um uns mitzureißen und uns gemeinsam mit Sam Spade in ein undurchdringliches Netz aus Intrigen und Lügen zu verstricken. Hierzu trägt auch Kameramann Arthur Edeson bei, dem es gelingt die Dramatik in Bilder zu fassen und beieinander zu halten, unter anderem auch in einer etwa sieben Minuten langen Kamerafahrt, die allein schon für einen eigenen Schauwert sorgt.