Muffi, Beauty und Papa Schlumpf sorgen sich um Schlumpfine.
Muffi, Beauty und Papa Schlumpf sorgen sich um Schlumpfine.

Dieses elendige Geträller. Hat man es einmal verinnerlicht, kann man sich dessen nicht mehr entledigen. Es ist zum verschlumpfen! La La Lalalala…und 2011 auch noch zum ersten Mal auf der großen Leinwand. Der Mix aus Real- und computeranimierten Film, basierend auf den 1958 von dem Belgier Pierre Culliford – Künstlername Peyo – gezeichneten Comicfiguren, spielte etwas mehr als das Fünffache seiner Produktionskosten in Höhe von 110 Millionen US Dollar wieder ein. Die Fortsetzung war Formsache, die Trilogie mit einem dritten Teil für 2015 sowieso schon bestätigt. Nachdem die Schlümpfe von Regisseur Raja Gosnell im ersten Teil in das New York City der Realwelt geschickt wurden, um dort die teuflischen Pläne des Zauberers Gargamel zu vereiteln, verschlägt es sie nun, erneut unter der Obhut Gosnells (der bereits zweimal die dänische Cartoondogge Scooby Doo im Realfilm inszenierte), nach Paris, wo sie es erneut mit dem diabolischen Gargamel (Hank Azaria) und seinem vorlauten Kater Azrael zu tun bekommen. Ebenso erfreuen sie sich aber auch wieder der Hilfe des How I Met Your Mother-Darstellers Neil Patrick Harris, Jayma Mays (Glee) und dem neu zum Cast hinzu stoßenden Brendan Gleeson.

Diese Hilfe haben die Schlümpfe auch dringend nötig. Der im ersten Teil in der Welt der Menschen gestrandete Gargamel hat sich dort dank seiner durchaus realen Zauberkräfte zum garstigen Publikumsmagneten seiner eigenen Magiershows entwickelt. Im stillen Hinterzimmer hat er derweil zwei unartige, schlumpfähnliche Lümmel erschaffen, durch die er an die wertvolle, ihm aber unzugängliche Schlumpfessenz gelangen möchte. Aber er muss einsehen, dass die Lümmel, in ihrer Natur grauhäutig, ihm nicht geben können, was die blauen Schlümpfe, mit ihren rein-weißen Mützchen in sich haben. Aber ebenso wie einst Schlumpfine, von Gargamel erschaffen, von Papa Schlumpf mit Hilfe eines Zauberspruchs blauhäutig gemacht wurde, wäre dies auch mit den Lümmeln möglich. Dann könnte Gargamel unendlich viele Schlümpfe selbst erschaffen und ihnen die Schlumpfessenz entziehen, sich dadurch zum Herrscher der Menschheit erheben. Doch hierfür muss er den Spruch kennen, der aus Lümmeln Schlümpfe werden lässt. In seinem Auftrag entführen die Lümmel Schlumpfine, die ebenfalls über das Geheimnis des Zauberspruchs Bescheid weiß. Aus Schlumpfhausen folgen Papa, Muffi, Clumsy und Beauty zur Rettungsmission, um Schlumpfine dem schlechten Einfluss der Lümmel Zicki und Hauie zu entziehen.

Die Schlümpfe landen zuerst wieder in New York bei ihren menschlichen Freunden.
Die Schlümpfe landen zuerst wieder in New York bei ihren menschlichen Freunden.

Gargamel wird, wie bereits in den Comicbuchvorlagen, dieses Mal als Schöpfer Schlumpfines enttarnt, die Lümmel sind ebensolche Zöglinge des Hexenmeisters, während Papa Schlumpf sich um sein Blondchen sorgt und auch Neil Patrick Harris in der menschlichen Rolle des Patrick Winslow mit dessen Stiefvater Victor Doyle, von Brendan Gleeson verkörpert, konfrontiert wird. Hier wird schnell klar, dass es im zweiten Teil der Realschlumpfverfilmungen um Vaterbeziehungen geht, bei denen sich die Stiefväter (Papa Schlumpf und Victor Doyle) als die netteren Varianten herausstellen. Denn Gargamel, möchte man ihn als Frankenstein’schen Schöpfer Schlumpfines als ihren echten Vater ansehen, strebt nach Weltherrschaft und ist auch seinen eigenen Lümmeln gegenüber nicht sonderlich freundlich gestimmt, will sie letztendlich nur zu seinem eigenen Vorteil benutzen. Patricks leiblicher Vater wiederum glänzt durch Abwesenheit, nicht nur in dessen Leben, sondern auch im Film selbst. Von ihm wird nur gesprochen, früh hat er sich aus der Verantwortung seinem Sohn gegenüber heraus gezogen.

Hier wird jedoch nicht propagiert, dass Stiefväter grundsätzlich die besseren Menschen sind. Vielmehr soll es um Zuneigung und Liebe gehen, kindgerecht und in 3D verpackt. Solcherlei Beziehungen zwischen Sohn/Tochter und Vater können nicht nur leiblicher Natur entspringen, dass macht Brendan Gleeson in einer anrührenden Szene klar, in der er seinem Sohnemann zu verstehen gibt, dass er ihm sein ganzes Leben lang unerbittliche Liebe entgegen gebracht hat, alles für ihn getan hätte, so wie es ein richtiger Vater eben hätte tun sollen. Das hier das erlösende Happy End am Ende steht, sollte für einen Film wie Die Schlümpfe obligatorisch sein. Natürlich finden Stiefvater und Sohn zueinander. Und auch Gargamel bleibt am Ende wieder mit dem Kater Azrael allein, während Papa Schlumpf selbst den Lümmeln ein Fleckchen in seinem Herzen zukommen lässt. Mit seinem übergroßen Herz und einem ganzen Dorf voller Kinder wirkt er wie der ultimative Stiefvater inmitten eines Waisendorfes.

Schlumpfine im Kreise der Lümmel.
Schlumpfine im Kreise der Lümmel.

In der englischsprachigen Originalversion wird dieser Papa Schlumpf von Jonathan Winters gesprochen, einem Darsteller der zahlreiche kleinere Rollen in Film und Fernsehen prägte, darunter Eine total, total verrückte Welt oder die Robin Williams-Comedyshow Mork vom Ork. Winters starb im April 2013, womit dieser herzensgute Papa Schlumpf zu seiner letzten Hinterlassenschaft wurde. Auch Katy Perry wurde erneut als Schlumpfine verpflichtet, ihr Gegenüber agiert Christina Ricci als böse Zicki. Bereits wie im ersten Film gilt auch für Die Schlümpfe 2, dass leider viel zu wenig Zeit im Schlumpfdorf verbracht wird, der Zauberwald wird gar nicht weiter erkundet. Die kleinen Realschlümpfe in die Realwelt zu verfrachtet ist die einfachste Lösung, damit sich zahlreiche Kinder – Zielpublikum – in ihrer Welt mit den Schlümpfen beschäftigen können: zuerst die Amis, nun die Franzosen. Da werden auch dieses Mal die Kinderaugen gen Boden starren, immer mit der Hoffnung auf offener Straße auch mal einen Blick auf einen Schlumpf zu erhaschen.

Die frohe Kunde ist, dass in diesem zweiten Teil alle Beteiligten, ob Schlumpf oder Hexenmeister mit Kater, in den Zauberwald zurückkehren, so dass man sich hoffentlich im dritten Teil darauf besinnt, die Welt der Schlümpfe zu erkunden, von der es noch so viel zu sehen gibt, inklusiver zahlreicher Schlumpfauftritte. Die Schlümpfe 2 bleibt dennoch ein schlumpfig-niedliches Vergnügen, zumindest für das anvisierte Jungpublikum. Der Rest wird zumindest das La La Lalalala in Erinnerung behalten.

 


Die Schlümpfe 2_Filmplakat

“Die Schlümpfe 2“

Originaltitel: The Smurfs 2
Altersfreigabe: ohne Altersbeschränkung
Produktionsland, Jahr: USA, 2013
Länge: ca. 105 Minuten
Regie: Raja Gosnell
Darsteller: Hank Azaria, Neil Patrick Harris, Jayma Mays, Brendon Gleeson, Jacob Tremblay

Deutschlandstart: 1. August 2013
Im Netz: dieschlümpfe2.de