Filmkritik

“Die Schadenfreundinnen” von Nick Cassavetes

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Leslie Mann (links), Cameron Diaz (mitte) und Kate Upton (rechts) sind Nick Cassavetes "Die Schadenfreundinnen"

Leslie Mann (links), Cameron Diaz (mitte) und Kate Upton (rechts) sind Nick Cassavetes “Die Schadenfreundinnen”

Irgendwann inmitten von Regisseur John Cassavetes Komödie Die Schadenfreundinnen erklärt Leslie Mann, eine von drei Darstellerinnen, die in ihren Rollen nach weiblicher Rache sinnen, dass sie es niemals mit einer Frau wie Carly, die zweite Frau im Bunde (gespielt von Cameron Diaz), wird aufnehmen können. Mann spielt die Hausdame, die von ihrem Ehemann betrogen wird, Diaz das perfekte Modell, als Anwältin sogar noch im Beruf erfolgreich. Hier sieht man, wie sehr die Vorstellungen von Frauen über sich selbst oftmals in vergleichende Konkurrenz treten, ob nun mit einer Feindin oder Freundin, es scheint ein Stufenmodel zu geben, dass nur in Frauenwelten zu finden ist. Ganz gleich ob männlicher oder weiblicher Zuschauer, hier wird man Schauspielerin Leslie Mann unweigerlich widersprechen müssen. Denn so breit und charmant auch das Lächeln von Diaz immer noch ist, Leslie Mann spielt sie an die Wand. Nicht nur das. Mann wertet jede Szene auf, holt aus Cameron Diaz überhaupt erst die Komik heraus, die sich hier immer nur mit Mann, niemals ohne sie entfaltet.

Die Schadenfreundinnen, Model Kate Upton komplettiert erst später im Film das weibliche Dreigestirn im Kampf gegen männliches Macho-Verhalten, entwickelt sich zu einer emanzipierten Liebeskomödie. Am Ende mag es zwar unweigerlich auf die eine oder andere Mann/Frau-Pärchenkonstellation hinaus laufen, aber im Grunde geht es doch darum, wie Leslie Mann in der Rolle von Hausfrau Kate ihren betrügerischen Ehemann loswerden, sich emotional von diesem Arschloch lossagen und darüber hinaus auch noch eine selbstbestimmte Karriere beginnen kann. Um dieses Ziel zu erreichen benötigt es dieser dreier Frauen, die sich selbst als „die Ehefrau“ (Leslie Mann), „die Anwältin“ (Cameron Diaz) und „die Möpse“ (Kate Upton) bezeichnen. Den Ehemann, der seine Frau zuerst mit der Anwältin, beide dann mit den Möpsen betrügt, wird von Game of Thrones-Darsteller Nikolaj Coster-Waldau comichaft böse verkörpert.

Kate (Leslie Mann) erträgt den Verlust ihres Ehemannes nur mit Hochzeitserinnerungen und eine Sprühdose Schlagsahne

Kate (Leslie Mann) erträgt den Verlust ihres Ehemannes nur mit Hochzeitserinnerungen und eine Sprühdose Schlagsahne

Der Film, der im englischen Original den weitaus weniger peinlichen Namen The Other Woman trägt, nimmt sich ausreichend Zeit um anfangs die Freundschaftsbildung zwischen Leslie Mann und Cameron Diaz zu erzählen. Die beiden Frauen dürfen wie in einer Buddy-Komödie ihr wunderbares Miteinander unter Beweis stellen, bei dem man sich zuerst Spinnefeind ist, dann auftaut und anfreundet, bevor sich die eigentliche Handlung des Films in Gang setzt. Dabei verfällt Diaz immer wieder in das Verhaltensmuster ihrer reserviert-harten Anwältin, die der aufgedreht-quirlig spielenden Leslie Mann immer wieder rät, in sich hinein zu weinen um damit Stärke nach Außen zu beweisen. Dass Leslie Manns Kate am Ende diese Stärke beweisen wird und Cameron Diaz ihre Carly etwas auftauen lässt, ist reine Formsache. Das Drumherum allerdings ist erfrischend, weil wenig brachial gestaltet, so dass man allenfalls in einer ausgefeilten Racheaktion der drei Damen Nikolaj Coster-Waldau mit einem wahren Scheißproblem konfrontiert sieht.

Zugegeben hat Kate Upton bei einem Zweiergespann wie Leslie Mann und Cameron Diaz nicht viel zu melden. Jedoch scheint sich auch Cassavetes nicht auf ihr schauspielerisches Talent, sondern viel mehr auf ihr Aussehen konzentriert zu haben. Er nutzt Vorstellungen über Upton als  auch die Reduzierung auf ihr Äußeres um daraus humoristisches Kapital zu schlagen und ergänzt die Vollblut-Schauspielerinnen damit um eine wertvolle Komponente.

Mark (Nikolaj Coster-Waldau) trifft sich mit Carly (Cameron Diaz)

Mark (Nikolaj Coster-Waldau) trifft sich mit Carly (Cameron Diaz)

Der Film hält einige ruhige und nachdenkliche Momente parat. Dann sitzen die drei Frauen am Strand, eingängige Popmusik ist im Hintergrund zu hören – die etwas zu oft zum Einsatz kommt – und es wird einfach nur zum Meer hinaus geblickt. Es mag zugleich irgendwie auch ein romantischer Moment sein, nur diese drei Freundinnen, die ihre Köpfe auf die Schultern der anderen legen können. Man hat eine ganz neue Form von Familie erschlossen, der sich die emanzipierte Frau hingeben kann.

Dann aber steht natürlich der Humor im Vordergrund. Die drei Frauen entwickeln in einem genauen Arbeitsplan, wie sie den Untergang des Betrüger-Ehemanns herbeiführen wollen. Als Zuschauer erreicht Regisseur Cassavetes, dass man sich als Konspirator sieht. Voller Vorfreude wird der Moment aufgebaut, in dem die drei Frauen den Mann konfrontieren werden. Zuvor jedoch verbringen sie einige Zeit mit ihrem aufgestellten Arbeitsplan, der Nikolaj Coster-Waldau einige Qualen erleben lässt. Die Genugtuung am Ende ist dann auch Coster-Waldau zu verdanken, der all den Aktionen einen schönen männlichen Nervenzusammenbruch folgen lässt. Die Note des Abgangs passt sich hervorragend dem zuvor angerichteten Schaden an.


Die Schadenfreundinnen”Die Schadenfreundinnen„

Originaltitel: The Other Woman
Altersfreigabe: ab 6 Jahren
Produktionsland, Jahr: USA, 2014
Länge: ca. 109 Minuten
Regie: Nick Cassavetes
Darsteller: Cameron Diaz, Leslie Mann, Kate Upton, Nikolaj Coster-Waldau, Taylor Kinney, Nicki Minaj, Don Johnson

Kinostart: 1. Mai 2014
Im Netz: fox.de/the_other_woman

Bilder © Twentieth Century Fox of Germany GmbH  


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