Filmkritik

“Die Pute von Panem” von Jason Friedberg & Aaron Seltzer

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Die Pute von PanemVon dem Spotttölpel ist nichts mehr zu sehen. Das Wahrzeichen von Katniss Everdeen, Heldin in Suzanne Collins‘ Die Tribute von Panem-Reihe wurde in der Spoof-Verfilmung Die Pute von Panem ungleich des deutschen Filmtitels gegen ein gebratenes Hähnchen ausgetauscht, welches im Logo des Films an einem Spieß in Flammen steht und lecker vor sich hin brutzelt. Die Verhungerspiele, die hier mit zahlreichen filmischen Querverweisen von The Expendables bis The Avengers angereichert wurden, sind unter der Regie des Duos Jason Friedberg und Aaron Seltzer entstanden. Die zwei Filmemacher sollten ihr Handwerk verstehen: Date Movie, Fantastic Movie, Disaster Movie, Meine Frau die Spartaner und ich sowie Beileight – Biss zum Abendbrot gehen alle auf ihre Kappe.

So belanglos ihr neuer Film wirkt, so überraschend ist es, dass größtenteils auf Fäkalhumor verzichtet wurde und stattdessen der Flachwitz Einzug in diese Filmverarsche findet. Kantmiss Evershot ist hier die Heldin, die zu Beginn bei der Jagd von Schönling Dale abgelenkt wird, woraufhin der Pfeil geradewegs gen Himmel saust, wo ein Ballonfahrer in die Brust getroffen zum Absturz in die Tiefe verdammt ist. Wenig später folgt schon eine Dame, die sich versucht selbst eine Verletzung zuzufügen, nur um den Verhungerspielen zu entgehen. So etwas findet man hier ohne Unterbrechung aneinander gereiht. Selbst die Beziehungskiste wird von Kantmiss recht flapsig als „krass romantisch“ kommentiert.

Kantmiss Evershot wird von Maiara Walsh gespielt, die völlig zu Unrecht noch keine relevanten Einträge auf ihrer Vita zu verzeichnen hat. Sie ist der kleine Lichtschein in diesem Film. Sie verkauft sich bestmöglich, geht gestärkt aus einem unnötigen Film heraus. Sie zeigt wie sie schauspielerisch banale Dinge in überzeugende Darstellungen umwandeln kann. Ein gewisses Aussehen bringt die 1988 in Washington geborene Dame aber natürlich auch mit.

Leider leben wir in einer Zeit, in der es Spoof-Filme, also Verarschungen von bereits vorhandenen, zumeist eher im Blockbusterkino angesiedelten Filmen und Genres, zu Hauf gibt. Es kommt fast einem Fließbandprodukt gleich, der durch die immer selben Witze zu funktionieren versucht. Die Mühen, die das Schreiben eines Drehbuchs machen sollten, sind hier überhaupt nicht mehr zu spüren. Dabei können doch auch Spoof-Filme ihre Anhängerschaft generieren: Leslie Nielsen hat das beeindruckend mit Die nackte Kanone bewiesen, Charlie Sheen mit zwei Hot Shots-Filmen und zumindest der erste Scary Movie war ebenso unterhaltsam wie der ohnehin schon selbstreferentielle Scream.

Die Pute von Panem wirkt dagegen nur halb gegrillt und noch ein wenig roh. Vielleicht sollte so manche Idee ein wenig länger auf dem Grill verbringen um zu etwas mehr heran zu garen, als nur eine weitere schnell produzierte Blödelei.

Die Pute von Panem
83 Minuten, freigegeben ab 12 Jahren, Heimmedienstart: 6. Juni 2014
im Netz: Die Pute von Panem bei Facebook
alle Bilder © Universum Film

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