Filmkritik

Die N.W.A. erzählt in STRAIGHT OUTTA COMPTON von der N.W.A.

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STRAIGHT OUTTA COMPTON ist ein beschönigter Biopic über die Entstehung, das Wirken und den Einfluss der Gangster-Rapper Gruppierung N.W.A., entstanden unter dem Regisseur F. Gary Gray, der bereits in 1995 mit N.W.A.-Gründungsmitglied Ice Cube den Film FRIDAY drehte.

Eine der größten Stärken von STRAIGHT OUTTA COMPTON ist die perfekte Cast: Corey Hawkings als Dr. Dre, Jason Mitchell als Eazy-E und Ice Cubes eigener Sohn O’Shea Jackson Jr. als der Papa höchstpersönlich. Perfekt, weil die drei nicht allzu bekannt sind, zumindest nicht in der Welt des Films. Auch wenn wir uns natürlich damit abfinden müssen – und es ist sicherlich keine schlechte Bedingung für diesen Film – dass Jackson Jr. 1:1 wie sein Vater ausschaut und die Illusion eines jungen Ice Cubes ganz ohne moderner Technologien zu Stande gekommen ist.

Straight Outta Compton

Zuerst ist man eventuell noch skeptisch, vor allem bei jemanden wie mir selbst, der grundsätzlich abgeneigt gegenüber diesen 2 1/2 Stunden, 150 Minuten Filmen ist, zu allem Überfluss auch noch überhaupt nicht vertraut ist mit der Welt des Gangster-Raps, wo er herkommt, was er bewirken wollte, wer die wichtigsten Vertreter sind. Ein zu langer Film mit einer zu fernen Thematik?

Und dann sitzt man dort im Kino und denkt schon während des Films darüber nach, ob die Academy im kommenden Jahr vielleicht ein Auge auf STRAIGHT OUTTA COMPTON werfen wird, weil hier Oscar-Material geschaffen wurde. Der Film ist großartig und dass nicht nur für Gangster-Rap Liebhaber, sondern für die Allgemeinheit.

STRAIGHT OUTTA COMPTON schafft es so viele relevante Thematiken anzusprechen, womit man der N.W.A. mehr oder minder gerecht wird, dabei verliert der Film niemals seinen roten Faden und weiß genau was er wie zu erzählen hat um als ordentlicher Kino-Spielfilm zu funktionieren.

Straight Outta Compton

Erst erleben wir, wie sich die unterschiedlichen Spieler der N.W.A. treffen, ihre Charaktere zusammen würfeln, ihre Fähigkeiten kombinieren um ein von Beginn an revolutionäres Projekt zu starten. Dann erleben wir aber auch, wie diese Charaktere aufeinander prallen, sich langsam zerwerfen und getrennte Wege gehen.

An dieser Stelle hätte STRAIGHT OUTTA COMPTON Gefahr laufen können, sich zu sehr auf eine der Hauptfiguren zu konzentrieren. Aber man schafft eine ausgeglichene Erzählung. Ganz gleich ob Dr. Dre, Eazy-E oder Ice Cube, hier wird nicht bevorzugt oder benachteiligt. Jeder der Akteure wäre einen eigenen Film Wert gewesen, aber hier wird eine 3-Strang-Erzählung geschafft, die ebenso gut unterhält.

Lediglich am Ende bewegt sich STRAIGHT OUTTA COMPTON dann ein wenig zu sehr auf der Hollywood-Dramatik-Schiene, möchte ordentlich auf die Tränendrüse drücken. Aber wir bekommen hier auch nicht – und darüber muss man sich definitiv im Klaren sein – eine objektive Dokumentation über die N.W.A., sondern eben einen subjektiv erzählten Spielfilm, bei dem sich gar die N.W.A.-Mitglieder Ice Cube und Dr. Dre unter den Produzenten wiederfinden lassen. Damit ist STRAIGHT OUTTA COMPTON quasi ein Film von der N.W.A. über die N.W.A.

Straight Outta Compton

Und hier ist das größte Manko verborgen. Der Film stellt die Gangster Rapper schon überaus positiv da. Sie revolutionieren die Branche, sie stellen sich gegen Polizeigewalt und Rassismus, sie klären über AIDS auf. Aber die bösartigen Dinge, die die N.W.A. ebenso umschwirrt haben, werden eher als Comedy abgetan.

Wenn sich Ice Cube gegenüber einem Reporter über seine vermeintlich antisemitischen Texte äußern soll, ist das aufgrund seiner One Liner-direkten Art und dem amüsanten Wortangriff auf den Journalisten eher komisch und sorgt für Lacher im Publikum, als dass man sich wirklich mit diesen Vorwürfen auseinander setzen würde. Die Behandlung von Frauen als Objekten, die Gewalt, der Drogenhandel – das alles ist nur eine kleine Randnotiz im STRAIGHT OUTTA COMPTON, die die eigentliche Glorifizierung der Band nicht überschatten soll.

Und so schwach es ist, dass dieser Film an dieser Stelle unfassbar einseitig geraten ist, so sehr muss man einfach anerkennen, dass es dennoch ein verdammt guter Film geworden ist. STRAIGHT OUTTA COMPTON spielt sich in die höchsten Gefilde des Musikfilms/Biopics, irgendwo da oben bei WALK THE LINE und 8 MILE.

Straight Outta Compton PlakatSTRAIGHT OUTTA COMPTON
Darsteller: O’Shea Jackson Jr., Corey Hawkins, Jason Mitchell, Neil Brown Jr., Aldis Hodge, Marlon Yates Jr., R. Marcos Taylor, Paul Giamatti
Regie: F. Gary Gray
Länge: 147 Min
Kinostart: 27. August 2015
Bilder © Universal Pictures

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