Ein dunkler, verstaubter Hinterhof einer kleinen Kneipe. Es ist Nacht. Es ist ungemütlich. Wir sind im modernen London. Hier stolpert dann auf einmal Tom Cruise ins Bild, der sich von merkwürdigen Erscheinungen geplagt, verwirrt umschaut. Er weiß nicht mehr so recht wo er sich befindet. Dann kommen die Ratten. Ganze Horden von Ratten. Während sie über ihn klettern, ihn am Boden festhalten, hat Cruise hat zum ersten Mal Sichtkontakt mit der auferstandenen Prinzessin Ahmanet, die allerdings so überhaupt nicht nach einer Prinzessin des alten Ägypten ausschaut. Sie ist Die Mumie.

Der Film dient Universal Pictures als Beginn ihres Dark Universe, in dem das Studio ihre klassischen Movie Monster vereinen will. Johnny Depp als der Unsichtbare Mann und Javier Bardem als Frankensteins Monster sind bereits bestätigt, während uns Die Mumie – gespielt von der wunderbaren Sofia Boutella – auch gleich noch Dr. Jekyll und Mr. Hyde (Russell Crowe) liefert, der sich als eine Art Nick Fury im Marvel Cinematic Universe für die Götter und Monster interessiert, die auf Erden wandeln.

Dann wäre da noch Tom Cruise, der unter der Regie von Alex Kurtzman (Zeit zu leben) den Grabräuber Nick Morton spielt. Er entdeckt gemeinsam mit seinem Kumpel Chris (Jake Johnson) und der Archäologin Jenny Halsey (Annabelle Wallis) das Grabmal der Ahmanet. Sie bergen den Sarkophag, bringen ihn an Bord eines Flugzeugs und schon bald finden sie sich mit übernatürlichen Ereignissen konfrontiert. Ahmanet erwacht, saugt Menschen ihre Lebenskraft aus und ernennt Nick zu ihrem Auserwählten, der sterben soll um als menschliche Hülle für den ägyptischen Gott Set zu dienen.

Die Mumie
Tom Cruise ist Nick Morton in DIE MUMIE

Sofia Boutella macht sich halb menschlich, halb verfallene Mumie, aber immer noch ziemlich gut aussehend und äußerst beweglich, auf die Jagd nach Tom Cruise. Es ist schön Cruise mal in einer Rolle zu erleben, in der er eigentlich gar nicht so sehr der Actionheld ist (Mission: Impossible, Jack Reacher), sondern sich äußerst defensiv immer auf der Flucht befindet.

Die wenigen Momente, in denen er sich face-to-face der Mumie stellt, sind für ihn eher niederschmetternd. Ein Schlag und er fliegt durch die Lüfte und landet hart auf dem Boden. Wunderschön kommt ein Kampf daher, bei dem Cruise immer wieder Anlauf nimmt um Prinzessin Ahmanet einen Zeremoniendolch aus den Händen zu entreißen, sie ihn aber immer und immer wieder mit einer lässigen Handbewegung abwehrt.

Überhaupt ist Sofia Boutella ein roher Diamant, der jetzt schon strahlt, aber noch ein wenig geschliffen werden kann. Bisher nimmt sie Rollen an, die wenig Dialog erfordern, sie aber mit maximalem Körpereinsatz zum heimlichen Showstealer jedes Films machen, in dem sie ihre Kombination von Tanz- und Kampfeinlagen präsentieren darf. Ob sie in Kingsman mit scharfen Klingen anstelle von Beinen hantiert oder als Kriegerin die Crew der Enterprise in Star Trek Beyond unterstützt (oder bald in Atomic Blonde mit Charlize Theron knutschen darf) – sie ist eine Bereicherung für jeden Film.

Das kann man hier dann auch zur Hälfte über Russell Crowe sagen, der einen großartigen Dr. Jekyll abgibt. Leider verspielt Die Mumie es, seinen Mr. Hyde ebenso gelungen in Szene zu setzen. Während Jekyll als skrupelloser, aber charmant-genialer und wissbegieriger Wissenschaftler gespielt ist, bekommen wir Mr. Hyde als wenig spektakuläre Mutation dessen zu sehen. Lediglich einige aufgedunsene Venen und eingefärbte Augen – vielleicht noch eine etwas schlichtere Ausdrucksweise – unterscheiden Mr. Hyde von Dr. Jekyll. Nun erwartet man natürlich keinen Hulk-out, aber irgendwie hinterlässt dieses Monster dann einen eher enttäuschenden Eindruck.

Die Mumie
Tom Cruise mit Russell Crowe, der die Doppelrolle von Dr. Jekyll und Mr. Hyde spielt.

So gruselig die Mumie und ihre Lakaien auch daherkommen, auch hier kann man leicht enttäuscht sein – je nachdem welche Erwartungen man an einen Mumien-Horrorfilm hat. Denn hätte der Film “Die Hexe und ihre Zombiearmee” geheißen, hätte sich auch niemand beschweren können. Mumien sehen im Film – auch nicht in der 90er Jahre Brendan Fraser Abenteuerkomödie – selten wie die klassisch-bandagierten Mumien aus, sondern eher nach Untoten im Zombie-Sinne, die ihre volle menschliche Gestalt zurück erlangen wollen.

Warum nicht einmal eine Mumie präsentieren, wie man sie sich oftmals auch vorstellt? Warum lässt man sie nicht dann ihre Stofffetzen wie Tentakel kontrollieren, diese als Waffen benutzen? Aber mit solchen Bandagen kämpft eine Mumie im Film nur äußerst selten.

Dafür gibt es andere Action-Momente, die wirklich atemberaubend sein können. Man nehme allein die Flugzeugabsturz-Szene, in der Tom Cruise und Annabelle Wallis herrlich durch einen sich drehenden, abstürzenden Flugzeug-Korpus geschleudert werden. Hinzu kommen Horror-Sequenzen, die für einen Hollywood-Blockbuster so düster und unheimlich daherkommen, dass sie mit manchen Genrefilm mithalten können.

Neben Action und Horror versucht Die Mumie dann auch noch die Komödie zu bedienen. Hier ist es ein wenig Hit-and-Miss. Manchmal fühlt man sich amüsiert – Annabelle Wallis bekommt die “Ich sehe die Mumie zum ersten mal, obwohl ich nicht an sie geglaubt habe und stehe erst einmal kurz sprachlos vor ihr”-Szene. Tom Cruise und Jake Johnson haben gar eine so gute, humorvolle Chemie miteinander, dass man gerne einen gesonderten Abenteuerfilm mit diesen beiden Herren sehen wollen würde. Andere Male verpufft ein Witz aber auch geradezu in der Luft.

Die Mumie ist dennoch ein unterhaltsamer Film geworden, in dem sich alle Darsteller äußerst gut präsentieren und zeigen, dass sie nicht nur einen Gehaltsscheck einlösen wollen, sondern wirklich von diesem Dark Universe überzeugt sind. Dementsprechend dürfen wir gespannt sein, wann wir wieder eine Mumie zu Gesicht bekommen, wo Dr. Jekyll oder Mr. Hyde als nächstes auftauchen werden und welchen Ton Regisseur Bill Condons Frankensteins Braut im Februar 2019 anschlagen wird. To be continued.