© Walt Disney Studios Motion Pictures Germany GmbH / Die Monster Universität von Pixar
© Walt Disney Studios Motion Pictures Germany GmbH / Die Monster Universität von Pixar

Als die Pixar Animation Studios 2001 ihre „Monster AG“ in die Kinos brachte, war es neben den Abenteuern von Cowboy Woody und Weltraumheld Buzz Lightyear, den Protagonisten der dreiteiligen „Toy Story“, sowie den Kleintieren aus „Das große Krabbeln“ noch ein Frühwerk des Studios. Seither hat man auf unterschiedlichste Weise bewiesen, dass man zu Land („Die Unglaublichen“, „Merida“), zu Wasser („Findet Nemo“) oder in den Lüften („Wall-E“, „Oben“) Traumwelten erschaffen kann, die modernen Märchen gleichkommen. Dass Pixar sich dem Fortsetzungswahn ergeben hat, wurde schon bei „Cars 2“ bemängelt, wo ausgerechnet die schwächste Produktion aus Emeryville, Kalifornien einen weiteren Kinoauftritt spendiert bekommen hat – mit Ausnahme der „Toy Story“-Reihe, die aber auch so etwas wie das Aushänge-Franchise der Pixar Animation Studios darstellt und in Kurzepisoden immer noch fortgesetzt wird. Neben den Sequels hat man mit „Die Monster Universität“ nun auch das Prequel in die eigenen Reihen geholt, die Vorgeschichte zu dem 2001er Film. Vom Frühwerk zur unfassbar real wirkenden Moderne.

Wenn wir die Helden von einst, Mike Glotzkowski und James P. ‚Sulley‘ Sullivan, noch überhaupt nicht befreundet, über den Campus der Monster University begleiten, wirkt alles wie aus einem fotorealistischen Umfeld entsprungen. Der Bus, in dem Mike sitzt, wenn er auf das Campus Gelände eingefahren wird, aber auch die unterschiedlichen Gebäude, Lehrkomplexe und Verbindungshäuser, scheinen aus der Realität in den Animationsfilm hineinversetzt worden zu sein. Schon in ihrem letzten Werk „Merida“ musste man sich unweigerlich wundern, woher die Computeranimationen stammten, die für das visuelle Großaufgebot verantwortlich waren, das den Rotschopf unter einem Wasserfall stehend zeigt, jedes Haar im Wind wehend, jeder Wassertropfen erkennbar. Allein durch ihre Animationen hebt sich Pixar von allen irgendwo in der Welt ansässigen Animationsstudios ab, als haben sie eine geheime Zutat in ihren Rechnern versteckt – ob es Liebe ist? – die sie vorsorglich hüten, nicht einmal ihrem großen Bruder Disney zur Verfügung stellen. Ganz gleich ob abgedroschene Story, ob langweiliges Vehikel oder einfallsloses Sequel/Prequel, niemand wird Pixar nachsagen können, dass man nicht zumindest auf der Bildebene immer wieder neue Maßstäbe setzt.

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Ganz im Gegenteil verläuft sich dieses Mal die Story in Belanglosigkeit, wenn auch mit Liebe zum Detail von Dan Scanlon inszeniert. War es bei „Die Monster AG“ noch das familiäre Vatergefühl Sullys zu der kleinen Boo, darf dieses Mal das grüne Einauge Mike im Fokus stehen. Er möchte sich seinen großen Traum erfüllen und in ferner Zukunft einmal zu den besten Schreckern der ganzen Welt gehören. Hierzu muss er jedoch erst einmal das Studium der Schreckwissenschaften an der Monster Universität absolvieren. Hier trifft er auf James P. Sullivan, den Zögling einer traditionsbewussten Schreckerfamilie. Während Mike sich büffelnd vom partyreichen Uni-Leben distanziert um seinen Traum wahr werden zu lassen, genießt Sully dem entgegen ein lockeres Leben, schüttelt die Erfolge offenbar aus seinem Pelz. Ein Zwischenfall sorgt jedoch dafür, dass die beiden von der Uni fliegen und sich nur durch ein harmonisches Miteinander und den Wettkampf gegen eine befeindete Bruderschaft, zu der auch der schlitzäugige Randall gehört, ihren Weg zurück an die Monster Universität erarbeiten können.

Daran findet man dann nichts mehr, was ansatzweise innovativ wirken könnte. „Die Monster AG“ machte noch von neuen Ideen gebrauch, zeigte die Monster bei ihrer Arbeit, erzählte von den Hintergründen ihres Schreckgeschäfts, spielte mit atemberaubenden Szenen, in denen Mike und Sully durch ein gigantisches Türenlager getragen wurden, in Sorge um Menschenkind Boo, geplagt von dem gewieften Randall. „Die Monster AG“ war so frisch und neu. So traurig muss man nun eigentlich sein, dass das Prequel sich lediglich der altbekannten Figuren bedient, ansonsten aber wenig Charme versprüht. Es ist nur ein weiterer Aufguss der altbackenden High School-Komödie: „Die Rache der Eierköpfe“ (1984) oder „Old School“ (2003) lassen grüßen. Immer heißt es ‚die schwachen Außenseiter gegen die dominanten Campus Legenden‘. Und am Ende wird natürlich alles gut.

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Eine Schande, dass man nicht zumindest interessante neue Figuren eingeführt hat. Neben den ‚Darstellern‘ der „Monster AG“ wirkt die breite Masse an Neumonstern eher wie ein schwammiges Konstrukt. Allein Helen Mirrens Dekanin Hardscrabble, ein Drachen wie er im Buche steht, darf als positive Ergänzung gesehen werden. Ansonsten spielen neben Mike, Sully und Randall kaum erinnerungswürdige Figuren eine Rolle. Die Monster erscheinen aus einem Topf gegossen, irgendwie alle glitschig mit ein paar Tentakeln dran. So konstruiert, dass der befellte Sully und das Glubschauge Mike ohne große Probleme auf dem gigantischen Campus auffallen, eben nicht in der Masse untergehen. Das mag das eigene Auge wohlwollend zur Kenntnis nehmen, macht die Welt der Monster Universität aber ungemein kleiner.

Hierdurch wird „Die Monster Uni“ nicht mehr als ein nostalgischer Ausflug, bei dem man sich allenfalls darüber freuen kann, liebgewordene Figuren noch einmal auf der großen Leinwand zu erleben, ein neues Abenteuer bestreiten zu sehen. Der Prequel-Funktion des Films kommt es zu Schulden, dass die Dynamik zwischen Mike und Sully noch nicht so ausgeprägt ist, wie sie es in der Monster Welt später einmal sein wird. Nach nunmehr vierzehn Filmen aus dem Hause Pixar muss man sich als Zuschauer nun wohl endgültig darauf einstellen, dass niemand perfekt ist, nicht einmal die Jungs und Mädels, die uns schon so oft in liebenswerte Welten entführt haben. Von der Monster Universität bleibt man jedoch recht unberührt.

 


Die Monster Uni_Hauptplakat

“Die Monster Uni“

Originaltitel: Monster University
Altersfreigabe: ohne Altersbeschränkung
Produktionsland, Jahr: USA, 2013
Länge: ca. 104 Minuten
Regie: Dan Scanlon
Deutsche Synchronisation: Reinhard Brock, Ilja Richter, Kerstin Sanders-Dorneif, Elyas M’Barek, Bernd Rumpf, Axel Stein, Manuel Neuer

Deutschlandstart: 20. Juni 2013
Im Netz: disney.de/monster-uni