Filmkritik

Studio Ghiblis PRINZESSIN KAGUYA im großartigen Zeichenstil

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DIE LEGENDE DER PRINZESSIN KAGUYA REVIEW

Es hat über zehn Jahre gedauert, bis von Isao Takahata wieder ein Film für das Studio Ghibli realisiert wurde. Mit DIE LEGENDE DER PRINZESSIN KAGUYA hat der japanische Filmemacher seine Nachfolge zum 1999er MEINE NACHBARN DIE YAMADAS geschaffen, knüpft mit all der Liebe und Sorgfalt die in seinem neuen Werk stecken allerdings viel mehr an seinen wohl größten Erfolg an, den er mit DIE LETZTEN GLÜHWÜRMCHEN feierte. Mit PRINZESSIN KAGUYA zeigt Takahata, das er immer noch einer der größten Geschichtenerzähler ist, ganz ohne die für Hollywood typischen Computeranimationen, übermäßige Actioneinlagen, langsam und ruhig erzählt, mit aufwühlenden Zwischenspielen, die umso mehr für Dramatik sorgen. Im Grunde bekommen wir nicht einmal das Happy End zu sehen, an das wir uns so sehr gewöhnt haben.

Es ist nicht nur Takahatas Plädoyer für das ruhige, ein Lachen hervorzauberndes und freies Leben auf dem Land, sondern auch der Blick auf ein Mädchen, dass nicht über ihr eigenes Leben bestimmen darf, das sich den Wünschen und Vorhaben anderer beugen soll. Von dem Bambusschneider Okina in einem glühenden Bambus entdeckt, wächst Kaguya bei ihm und seiner Frau Ona auf. In ihrem kleinen Heimatdorf lernt sie viele Freunde kennen, besonders mit einem Jungen namens Sutemaru schließt sie eine dicke Freundschaft. Aber ihre Eltern entscheiden, dass das Mädchen zu Höheren bestimmt ist. Sie legen all ihr Wirken in das Vorhaben, das Mädchen zu einer wirklichen Prinzessin zu machen. So landet Kaguya in einem großen Anwesen in der Hauptstadt, wo sie in schöne Gewänder gekleidet und von Dieners umschwirrt wird.

Kaguya wird von einfachen Eltern auf dem Land aufgezogen, die sich aber mehr für ihr Mädchen wünschen.

Kaguya wird von einfachen Eltern auf dem Land aufgezogen, die sich aber mehr für ihr Mädchen wünschen.

Mal scheint sich Kaguya an diese neue Situation gewöhnen zu wollen, dann aber erscheint es eher wie ein Akt der Resignation. Gerade im Zusammenspiel mit ihrer Lehrerin Lady Sagami, die dafür zuständig ist, aus Kaguya eine feine Dame zu machen, entwickeln sich die größten Momente der Komik, als auch der Tragik. In einem aufwühlenden Moment stürmt die Prinzessin aus ihren Gemächern, will all dieser Enge der Stadt und der Menschen entfliehen. Immer wieder merkt man es dem Mädchen an, das sie sich an die alten Zeiten zurücksehnt, in denen sie verspielt und lachend über die Wiesen tollen konnte. Aber gerade hier, wo Takahata seinen Zeichnungen die Festigkeit nimmt und nur noch flüchtige Bilder präsentiert, zeigt sich ein Gesamtpaket an Unwohlsein, an Rage und Verzweiflung.

Die Zeichnungen sind wunderschön. Und man kann wirklich noch von Zeichnungen sprechen, die von Menschenhand ausgeführt wurden. Die Bilder allein sind sehenswert, die mit ihnen verknüpfte Geschichte steigert dies nur umso mehr. Die Kolorierung wirkt wie blasse Wasserfarben, eine feste Strichbegrenzung muss man suchen, vielleicht als Kommentar auf die Grenzen, die Kaguya innerhalb der Handlung auferlegt werden.

Von einem auf den anderen Tag muss sie ihre Heimat verlassen, um dem Wunsch ihrer Eltern nachzukommen und in die große Stadt zu gehen um dort eine edle Dame zu werden. Dort muss sie sich mit ihrer Lehrerin herum schlagen, deren Vorstellungen von einem vornehmen Benehmen Kaguya nicht teilen möchte. Und dann werben auch noch eine ganze Reihe von Männer um sie, die in ihr ein wertvolles Schmuckstück sehen, für das Mädchen der Beweis dafür, dass sie nicht mehr als ein Objekt ist, dass herumgereicht wird.

Man munkelt, dass nach der Ruhestandsmeldung Hayao Miyazakis DIE LEGENDE DER PRINZESSIN KAGUYA ebenso der letzte Film von Takahata sein könnte, der gemeinsam mit Miyazaki dieses Studio gegründet hat. Die Zukunft sieht in keinem Fall gut aus, denn auch mit der Meldung, dass Studio Ghibli Umstrukturierungen vornehmen würde, gehen Vermutungen einher, dass auch hier nun die Zeiten der Handzeichnungen vorüber sind. PRINZESSIN KAGUYA hat durchaus das Zeug dazu, auch in zwanzig Jahren noch als märchenhaft schönes Werk in Erinnerung zu sein. Es wäre ein würdiger Abschied für Isao Takahata. Und das ausgerechnet wegen eben jener noch handgemachten Zeichnungen, die schon bald gänzlich verschwunden sein könnten.

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