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Richard Donners 1988er „Die Geister, die ich rief…“ macht vom ersten Augenblick an klar, worin die Kritik liegen soll, die diese Adaption von Charles Dickens‘ Weihnachtsgeschichte vorführen möchte, wenn der Sechs-Millionen-Dollar Mann Lee Majors den Nordpol stürmt und ein Action Christmas namens „The Night The Reindeer Died“ beginnt, ein Fernsehspecial den Produzenten Frank Cross, in vollster Spaß-Inbrunst von Bill Murray verkörpert, eine der wohl amüsantesten Ebenezer Scrooge-Inkarnationen der Filmwelt.

Frank will Weihnachten zu einem Rundum-Fernsehspektakel machen, dazu gehört auch ein Live-Special der Geschichte, in die er selbst bald hineingezogen wird: ein alter Griesgram wird von drei Geistern – eigentlich vier – heimgesucht, um sich seines grummeligen und misanthropischen Charakters bewusst zu werden und zugleich den Geist der Weihnacht zu entdecken: Geben ist seliger denn nehmen.

Das hat Bill Murray in seiner Rolle zu Beginn noch so überhaupt nicht verinnerlicht. Der TV-Mogul feiert Angestellte kurz vor dem Fest der Liebe und überlässt es seiner Sekretärin, den Angestellten und der Familie die üblichen Standard-Geschenke zukommen zu lassen. Seinem Bruder James (Bill Murrays wirklicher Bruder John Murray) gelingt es nicht, den grantigen Weihnachtsmuffel zu einer Feier einzuladen, während sich Sekretärin Grace (Alfre Woodard) mit ihrem kleinen Gehalt und ohne Weihnachtsbonus um die Therapie des stummen Sohns und um den Rest der recht großen Familie kümmern muss.

Bill Murray wird von Donner von wunderbaren Darstellern umgeben, die dem modernen Scrooge allerhand zu Denken geben. Darunter dann auch die bezaubernde Karen Allen, die als Gutmensch Claire den Muffel zum lächeln bringen kann, wie sie es schon viele Jahre zuvor mit Harrison Ford als Indiana Jones bewiesen hat. Man möchte fast glauben, dass es gar nicht so sehr die Geister sind, von denen Frank heimgesucht wird, sondern das Wiederauftauchen seiner alten Flamme, die alte, wärmere Gefühle in ihm aufkochen lassen, als die Eiseskälte mit der er sein Unternehmen zu jeder noch so besinnlichen Zeit des Jahres führt.

Dann darf Bill Murray mit den Geistern spielen, als ob er sich von Saturday Night Live Sketch zu Sketch spielt. Der Geist der vergangenen Weihnacht ist ein skurriler New Yorker Taxifahrer, der ein wenig an einen irischen Kobold erinnern möchte. Die gegenwärtige Weihnacht wird ihm von einer wüst-schimpfenden Fee präsentiert, die ihm in Dauerschleife körperliche Gewalt zufügt und zu guter Letzt zeigt sich der Geist der zukünftigen Weihnacht als todesähnliches Kapuzenmonster mit verlorenen Seelen als Innereien und einem Gesicht wie einem Fernseher, genau passend für einen Mann wie Frank Cross.

Von diesen drei Geistern lässt er sich durch die Zeit führen. Er erlebt seine traurige Kindheit, sieht aber auch die schönen Zeiten, die er mit Claire hatte, bevor er sich in einen karrieregeilen Typen verwandelt hat, der eine Beziehung und allerhand andere Dinge hinter sich gelassen hat, um egozentrisch nach Fernseh-Macht zu greifen. Er sieht, wie seine Sekretärin Grace das Weihnachtsfest voller Freude verbringt, obwohl es ihr noch lange nicht gut geht und wie sein Bruder ihn weiterhin verteidigt, ganz gleich wie abweisend sich Frank gibt, weil er nun einmal zur Familie gehört.

In „Die Geister, die ich rief“ hantiert Richard Donner unglaublich gut mit dem emotionalen Kern der Geschichte, versetzt ihr den nötigen Charme und die Komik, die vermeintlich exakt auf Bill Murray abgestimmt worden ist. Dabei gelingt die Modernisierung, ohne dass man sich auch nur in einer Sekunde eine möglichst literaturnahe Verfilmung wünschen würde. Hier zeigt sich der Film als perfekte Adaption eines Literaturklassikers für die Spät-80er Fernseh-Generation.