Dem geneigten Horrorfilmfan sollte der Name Hammer Films ein Begriff sein. Dort liegt der Ursprung allen Übels begraben, im ganz positiven Sinne gesprochen. Hammer Films – das ist ein britisches Filmstudio, das 1934 in London gegründet wurde und durch eine ganze Reihe von Gothic Hammer Horror Filmen bekannt und vor allem beliebt wurde. Das war in den Mid-1950er Jahren und zog sich immerhin bis in die 1970er Jahre. Die gesamte Geschichte der Hammer Studios von damals bis heute zu erzählen, das würde den Rahmen sprengen. Die Neuzeit hält jedoch auch einige schön inszenierte Horrorfilme aus dem Hause Hammer parat: das US-Remake Let Me In, The Quiet Ones oder Die Frau in Schwarz mit Daniel Radcliffe ganz weit weg von seinem Harry Potter-Image.

Und zu eben jenem Die Frau in Schwarz haben Hammer Films nun auch das Sequel zu verantworten. Allerdings hat dieses außer dem Titel und besagter Frau in Schwarz nicht mehr viel mit dem atmosphärischen Thrill des Ur-Films zu tun. Hat man im erste Teil noch den Gothic Horror gespürt, für den das Produktionsstudio zu seiner Anfangszeit schon bekannt war, so fehlt es Die Frau in Schwarz 2: Engel des Todes an jegliche Atmosphäre. So schauderhaft schön die Kulissen waren, in denen Radcliffe sich durch die Düsternis bewegte, er von Nebelschwaden umgeben war und mit einer Laterne in den Händen durch die Gänge des Eel Marsh Hauses stolperte, so langweilig und einfallslos kommt die Fortsetzung daher, die weder visuell noch erzählerisch an den ersten Teil heranreicht.

Das Haus ist inzwischen seit vielen Jahren verlassen. Wir schreiben das Jahr 1941 und Bomben regnen auf London herunter. Das Dorf Crythin Gifford wird geräumt und die Lehrerin Eve Parkins flüchtet sich gemeinsam mit ihren Schulkindern und der Direktorin Jean Hogg auf die verlassene Insel, auf der das Eel Marsh Haus steht. Noch auf dem Weg dorthin bleibt ihr Bus in dem kleinen, ebenfalls verlassenen Dorf liegen, dass vor dem gespenstischen Anwesen liegt, wo ein Verrückter sich auf die Gruppe stürzt und im Wahnsinn dazu auffordert, zurück nach Crythin Gifford zu gehen, denn niemand von ihnen kann „ihr“ jemals entkommen.

Wir kennen „sie“ bereits aus dem ersten Teil, die Frau in Schwarz, die hier jedoch wirklich als Geistergestalt abgetan werden kann, so wenig bekommen wir sie tatsächlich zu Gesicht. Die Handlung findet keinen Fokus, die Figuren sind belanglos, bringen nicht die emotionale Hintergrundgeschichte mit sich, die noch Daniel Radcliffes Arthur Kipps in der Geschichte grundierte und ihn an die Frau in Schwarz koppelte. Hier wirkt alles so willkürlich, so zusammen geschustert und auf Sequel zurecht gemacht. Ein Wunder dass der Film dabei seinen Weg in die Kinos gefunden hat. Viel mehr erweckt er nämlich den Anschein, eine dieser nie enden wollenden Reihen zu sein, die ein Leben auf dem Heimmedienmarkt führt.

Der Horror des Films entstammt einigen Visionen und Träumen, ansonsten erfährt man nicht einmal nach einem „Hallo?“ im finsteren Keller den sonst kommenden Schockmoment. Es bleibt ruhig und still und nur ganz selten streut Regisseur Tom Harper einen kleinen Erschrecker ein. Dann zieht natürlich auch wieder der Nebel auf, es gibt einen Moment im Wald, die Flucht vor der Frau in Schwarz – aber all dem folgt man vermutlich schon nicht mehr, weil man seelenruhig davon geschlummert ist.

Die Frau in Schwarz 2: Engel des Todes sollte man meiden, wenn man sich eine gute Erinnerung an den ersten Teil bewahren möchte. Bringt man diese Fortsetzung jedoch mit dem ersten Teil in Verbindung, so könnte es rückwirkend an der Qualität des Jetzt-Franchises kratzen. Und das liegt keinesfalls am Fehlen von Daniel Radcliffe, sondern schlicht an der lustlosen Inszenierung eines Horrorfilms, der nicht einmal dazu in der Lage ist, uns mit einigen schlichten Schockmomenten wach zu halten.

Die Frau in Schwarz 2: Engel des Todes läuft ab dem 19. Februar 2015 in den Kinos.

Oder wie seht ihr das? Vielleicht ist mein Horror-Empfinden ja auch schon abgestumpft. Habt ihr Die Frau in Schwarz 2: Engel des Todes gesehen oder habt ihr noch vor euch den Film anzusehen? Guter Horror oder Schlaftablette? Hinterlasst eure Gedanken in den Kommentaren und auf geht’s zur heiteren Diskussion. Ihr könnt mir auch gerne auf @Facebook oder @Twitter schreiben.