Filmkritik

“Gregs Tagebuch 3: Ich war’s nicht!” von David Bowers

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© Twentieth Century Fox of Germany GmbH / Zachary Gordon als Greg Heffley

Man kann es schon fast mit dem Aufwachsen Daniel Radcliffes in den „Harry Potter“-Verfilmungen vergleichen, so sehr hat sich Hauptdarsteller Zachary Gordon innerhalb dreier Jahre vom kindlichen Greg Heffley in einen Jugendlichen verwandelt. Bereits zum dritten Mal ist er nun schon in einer „Gregs Tagebuch“-Verfilmung zu sehen, den Strichmännchen-Geschichten, die 2007 von Jeff Kinney in gedruckter Form in die Welt gesetzt wurden. Wo sich Teil Eins und Zwei noch strikt daran hielten, die Handlungen der dazugehörigen Bücher wiederzugeben, wird nun in „Gregs Tagebuch: Ich war’s nicht“ ein Gemisch aus dem dritten und vierten Band präsentiert, vermutlich da es in den USA bereits zehn Bände der Reihe gibt und man nun auf Aufholjagd gehen möchte. Für das Potpourri hat man erneut Regisseur David Bowers verpflichtet, der sich nach dem Einstand von Thor Freudenthal der Filmreihe um „Gregs Tagebuch“ angenommen hat.

Die perfekten Sommerferien: Videospiele für Greg (Zachary Gordon) und ein schlafender Bruder (Devon Bostick)

Für Greg Heffley heißt ein dritter Film im Grunde erst einmal nur, ein weiteres Schuljahr überstanden zu haben, nun freut er sich auf die großen Sommerferien und endlosen Videospielen. Nachdem sein Vater (Steve Zahn) ihm aber einen Strich durch die Rechnung macht, geht er auf die Einladung seines Freundes Rowley (Robert Capron) ein, mit ihm in einen schicken Country Club zu kommen, in dem seine Eltern Mitglieder sind. Hier genießen sie den Sommer mit einem Swimming Pool, den sie fast für sich allein haben, einem Tennisplatz und massenhaft leckeren Getränken. Zuhause erzählt Greg, er habe einen Job in dem Club angenommen, so dass seine Eltern nicht nur stolz auf ihren Sohnemann sind, sondern ihn auch unbekümmert jeden Tag dorthin gehen lassen. Nur Gregs Bruder Rodrick (Devon Bostick) schöpft Verdacht und ergaunert sich mittels Bruder-Erpressung einen Weg in das sommerliche Entspannungsparadies. Aber je länger der Spaß andauert, desto schwerer wird es für Greg sein Lügennetz aufrecht zu erhalten.

Und dieses spinnt sich erneut, wie in den beiden Vorgängerfilmen, durch eine ganze Anzahl von einzelnen Episoden, in denen Greg mal bei dem Versuch scheitert, Tennis zu spielen, dann wieder mit seinen Eltern auf ein nachbarschaftliches Barbecue geht, wo er sich zum Vorzeigeobjekt seines Vaters machen lassen muss. So bleibt auch die dritte Episode von „Gregs Tagebuch“ sowohl der Buchvorlage als auch den vorherigen Inszenierungen von Thor Freudenthal und David Bowers treu, verwebt sketchartige Witze mit einer Gesamthandlung, in der es in diesem Fall um das enge Band zwischen Vater und Sohn geht, die gemeinsam den Haussegen schief hängen lassen – Steve Zahn erhält hierdurch die Möglichkeit seine Rolle als Vaterfigur Frank Heffley ordentlich auszubauen und zu einem bestrebten Vorbild zu machen, welches immerzu versucht seinen Sohn zu Höchstleistungen anzuspornen, dabei aber immer wieder von den eigenen Erwartungen enttäuscht wird. Greg wiederum flüchtet sich in seine Lügen, mit denen er den überfürsorglichem Bestreben seines Vormundes eigentlich nur entkommen möchte, worüber er aber spätestens dann die Kontrolle verliert, als er beginnt auch seinen Freunden Lügengeschichten aufzutischen, um sich selbst den schönst möglichen Sommer zu machen.

Peyton List als Holly Hills

Diesen Sommer erlebt er natürlich nicht allein, wieder finden viele Nebenfiguren des Buches ihren Weg auf die Leinwand: Neben Gregs Eltern erlebt ihr Sohnemann eine Achterbahnfahrt bei Rowleys Familie, mit denen er gemeinsam an ein ruhiges Örtchen fährt, in dessen Nähe es allerdings einen aufregenden Freizeitpark zu begutachten gibt. Für seinen großen Bruder Rodrick organisiert er einen Konzertauftritt für dessen Band „Volle Windel“ und im Country Club trifft er auf seine große Liebe Holly Hills (Peyton List), die er verzweifelt versucht auf sich aufmerksam zu machen. Somit verschwinden das Schulhofchaos des ersten Teils, die brüderlichen Streitereien in Teil Zwei und machen Platz für das erste Mal Verliebtsein, genau die richtige Geschichte, die von dem heranwachsenden Greg ganz nebenbei noch durchlebt werden muss.

Um auch wieder genau zu erkennen, wie welche Figur im Buch aussieht, welches nun einmal hauptsächlich aus Strichmännchen-ähnlichen Personen besteht, wurden die Zeichnungen direkt in den Film übernommen, wandeln sich mit dem Auftauchen einer Figur in Fleisch und Blut. So setzt man auch visuell auf die Nähe zur Vorlage, ebenso wie man es bereits in den vorherigen zwei Episoden gehandhabt hat. Hier liegt dann leider auch der größte Kritikpunkt von „Gregs Tagebuch: Ich war’s nicht“. Man stützt sich auf Altbekanntes, gibt den Geschichten keine neue Richtung, alles ist wie bisher. Bei einem Film-Marathon würde man daher nur Unterschiede bemerken, würde man auf den Alterungsprozess des Hauptdarstellers achten. Sicherlich ist es ein Erfolg, wenn der dritte Teil einer Reihe nicht schlechter daher kommt als seine Vorgänger, wenn er dann aber auch nicht besser ist, wird es irgendwann langweilig die ewig selben Geschichten vorgesetzt zu bekommen. Es wird dringend empfohlen, die übrigen Tagebücher Greg Heffleys auf dem Papier zu belassen.

Denis Sasse

“Gregs Tagebuch: Ich war’s nicht“

Originaltitel: Diary of a Wimpy Kid: Dog Days
Altersfreigabe: ohne Altersbeschränkung
Produktionsland, Jahr: USA, 2012
Länge: ca. 95 Minuten
Regie: David Bowers
Darsteller: Zachary Gordon, Steve Zahn, Robert Capron, Devon Bostick, Rachael Harris, Peyton List, Grayson Russell, Melissa Roxburgh

Deutschlandstart: 20. September 2012
Offizielle Homepage: gregstagebuch-ichwarsnicht.de

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