Filmkritik

“Die Eiskönigin” von Chris Buck & Jennifer Lee

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Anna (links), Olaf (mitte) und Kristoff (rechts) wollen zu Elsa, der Eiskönigin.

Anna (links), Olaf (mitte) und Kristoff (rechts) wollen zu Elsa, der Eiskönigin.

Der neueste Film aus dem Hause Disney ist ganz sicher nichts für Einzelkinder. Denn die Eiskönigin ist eine große Schwester mit einem Herz aus Eis, mit einer kleinen Schwester, die nicht den Glauben an das Gute in ihrer Spielgefährtin aus Kindheitstagen verloren hat. Aber auch sonst: Ein Naturbursche, der von einer Horde Trollen familiär aufgenommen wird und ein Prinz Charming, der darunter zu leiden hat, mit zwölf Brüdern aufgewachsen zu sein. Familie ist in Die Eiskönigin der höchste Wert. Dafür zeigt das Mouse House dann sogar selbstironische Züge, wenn sie sich über die oftmals durch ihre eigenen Filme vermittelte wahre Liebe lustig machen. Wenn dann das Happy End da ist, werden die Einzelkinder traurig sein, ihrer Geschwisterliebe beraubt. Vielleicht einfach mal Mama und Papa fragen, ob man da nicht noch was ändern kann.

Hauptsache es wird kein Geschwisterchen wie Elsa, die unterkühlte Dame, die am Königshofe von Arendella hinter verschlossenen Türen gehalten wird, damit niemand von ihrem Geheimnis erfährt: Magie, die das junge Mädchen nicht kontrollieren kann. Mit ihren bloßen Händen und Füßen verwandelt sie ihre Umwelt in eine frostige Landschaft. Darunter hat auch ihre kleine Schwester Anna zu leiden, die beim harmlose Spiel von einem Eisblitz am Kopf getroffen wird. Nur ein alter Trollzauberer kann ihr helfen, löscht dabei die Erinnerungen an die magischen Kräfte ihrer Schwester. Elsa geht Anna fortan aus dem Weg. Ursprünglich ein unzertrennliches Paar, versteht Anna nun die Welt nicht mehr. Immer wieder klopft sie an die Tür ihrer Schwester, die jedoch verschlossen bleibt. Erst in Teenagerjahren, als die Krönung Elsas zum Oberhaupt Arendellas bevorsteht, sehen sich die beiden wieder. Mit fatalen Folgen. Die magischen Kräfte der großen Schwester kommen hervor, Anna ist geschockt, das Volk sieht ein Monster in Elsa. Diese flieht, hinterlässt in ihrer Wut und Angst ein Königreich im ewigen Eis.

Anna ist die Frohnatur in der Familie.

Anna ist die Frohnatur in der Familie.

Die Eiskönigin basiert auf dem nicht ganz gleichnamigen Märchen Die Schneekönigin von Hans Christian Andersen, womit sich Disney nach zwei deutschen (Küss den Frosch, Rapunzel) und einem digitalen Märchen (Ralph Reichts) nun der dänischen Sagenwelt gewidmet hat. Solcherlei Stoffe haben Disney schon immer zu ihren schönsten Geschichten verholfen. Auch aus Die Eiskönigin wurde ein solches Werk: verzaubernd schön, filmisch märchenhaft. Wie es sich eben für Disney gehört. Wer nun Angst haben könnte, dass sich Disney – vorallem nach dem Ralph Reichts-Ausflug in die Computerspielgeschichte – arg modernisiert, kann aufatmen. Zwar hat man schon mit Küss den Frosch und Rapunzel die Frauenrolle im Disneyfilm etwas moderner gestaltet, sie aus der Hilflosigkeit befreit, aber Disney bleibt nun einmal Disney. Warum auch eine erfolgreiche Rezeptur verändern, wenn die bloße Variation genügt?

Die Variation besteht hier aus der naiven Anna, die gerade einmal einen Song lang braucht, um sich unsterblich in den gutaussehenden Prinz Charming, beziehungsweise Prinz Hans zu verlieben. Es ist die Disney-typische Liebe auf den ersten Blick, nicht am Ende des Films, sondern gleich zu Beginn, mitsamt Heiratsantrag und Ja-Wort. Dass das, was jede andere Disney Prinzessin zuvor ebenso praktiziert hat, nun eher belächelt wird, zeigen die Reaktionen der Menschen, denen Anna von ihrer liebestollen Vermählung erzählt. Die Schwester verneint ihre Zustimmung zur Hochzeit, der wackere Naturbursche Kristoff kann es kaum fassen: “Wer bitte schön heiratet denn den nächstbesten Kerl? So schnell? So voreilig? Du kennst diesen Mann doch gar nicht.” Das ist die Disney-moderne, in der man die heiratssüchtigen Prinzessinnen vergangener Tage lieber noch einmal überdenkt.

Elsa hegt ein Leben in Einsamkeit.

Elsa hegt ein Leben in Einsamkeit.

Sonst mag man auch bei Disney nichts vermissen. Wo Ralph Reichts noch arm an Songs war, orientiert sich auch Die Eiskönigin wieder an der Musical-lastigen Form, die schon Schneewittchen, das erste aller Disney-Girls, mit Vögeln im Wald hat trällern lassen. In Die Eiskönigin sind einige amüsante wie auch imposante Songs enthalten, geschrieben und komponiert von dem Ehepaar Robert Lopez und Kristen Anderson-Lopez, die bereits für Winnie Puuh mit Disney zusammen gearbeitet haben. Das Song-Duo versteht es mit ihren Kompositionen die Geschichte voran zu treiben. Ob nun in “Willst du einen Schneemann bauen”, eine zeitliche Kollage, während der die Geschwister von kleinen Kindern zu Teenagern heranwachsen, oder aber “Zum ersten Mal”, wo Anna voller Vorfreude die Krönung ihrer Schwester besingt, für die sich zahlreiche Gäste von Außerhalb ankündigen – vielleicht auch der gesuchte Mann, der ihr ihren ersten Kuss schenken wird. Hinzu gesellt sich Hape Kerkeling, die deutsche Stimme des durch Magie zum Leben erweckten Schneemanns Olaf, der in “Im Sommer” vor sich hinträllert, wie schön es doch wäre, all die Dinge zu tun, die Schneemänner im Sommer so tun – ohne von der leidlichen Wahrheit in Kenntnis gesetzt zu werden.

Wunderschöne Landschaftsanimationen paaren sich in Die Eiskönigin nun also mit Gesang, Spaß und Unterhaltung, mit tragischen Geschichten, einer Menge Liebe und dem traditionellen Happy End. Das ist nicht zu viel vorweg genommen, denn bis zu diesem Happy End gibt es im nun inzwischen bereits 53. Film der Meisterwerk-Reihe Disneys eine Menge zu erleben.

 


Die Eiskönigin_Filmposter

“Die Eiskönigin“

Originaltitel: Frozen
Altersfreigabe: ohne Altersbeschränkung
Produktionsland, Jahr: USA, 2013
Länge: ca. 103 Minuten
Regie: Chris Buck & Jennifer Lee

Heimmedienstart: 3. April 2014
Im Netz: disney.de/eiskoenigin


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