Filmkritik

“Die Bestimmer” von Andy Fickman

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© Twentieth Century Fox of Germany GmbH / "Die Bestimmer" von Andy Fickman

© Twentieth Century Fox of Germany GmbH / “Die Bestimmer” von Andy Fickman

Er mag unscheinbar sein. Den meisten nur als Rekord-Gastgeber der alljährlichen Academy Award Zeremonie bekannt. Aber der Name Billy Crystal ist mit der Filmwelt ebenso tief verwurzelt wie vielleicht auch ein Clint Eastwood. Der eine ein Held des alten Westerns, ein Held des frühen Actionkinos und heute ein alt gewordener Haudegen, der nicht aufhören kann vor die Kamera zu treten. Ähnlich Billy Crystal, dessen größter Erfolg wohl bis heute die 1989er Komödie „Harry & Sally“ ist, in der er inmitten des Katz’s Deli in New York einen vorgetäuschten Orgasmus seiner Co-Darstellerin Meg Ryan über sich ergehen lassen muss. Es folgten zweimal die „City Slickers“, zweimal „Reine Nervensache“ an der Seite von Robert De Niro und irgendwann war nur noch seine Stimme zu hören: als grüne, einäugige Monsterkugel Mike in Pixars „Die Monster AG“. Dennoch ist er ein Urgestein, was Eastwood für den Western und Actionfilm ist, darf bei Billy Crystal gerne für die Komödie ausgemacht werden. Und neben ihren Rollen als feste Größen ihrer Genres, teilen sie eine weitere Gemeinsamkeit: Die filmische Liebe zum Baseball. Bei Eastwood manifestiert in seinem letzten Film „Back in the Game“, wo er einen ausrangierten Baseball-Scout spielte. Bei Crystal nun in „Die Bestimmer“ zu sehen, wo dieser wiederum einen ausrangierten Baseball-Kommentator mimt.

Aber das soll nicht sein Hauptproblem sein, denn ebenso wurde er als Opa ausrangiert. Gemeinsam mit Bette Midler spielt er das Großelternpaar Artie und Diane, deren Tochter Alice (Marisa Tomei) sie in aller Not darum bittet, eine Weile auf ihre drei Kinder aufzupassen. Alice vertraut ihren wohl behüteten Nachwuchs, nach den modernsten Regeln der Pädagogik erzogen, nur sehr ungern der alten Schule ihrer eigenen Eltern an. Und schon bald zeigt sich, dass die Erziehungsmethoden von Artie und Diane nicht unbedingt kompatibel mit dem neumodischen und hektischen Lebensstil ihrer Enkel ist. Man versucht sich also in der Mitte zu treffen: Die Großeltern müssen einfach etwas moderner werden, die Enkel sich mehr wie richtige Kinder verhalten. Und irgendwo dazwischen steht dann noch Alice, sowohl Tochter wie auch Mutter, die das daraus entstehende Chaos mitansehen muss.

Billy Crystal und Bette Midler

Billy Crystal und Bette Midler

Es erscheint sogleich wie Billy Crystals persönliche Vendetta gegen diese hektische Moderne, wenn er sich nicht nur über merkwürdige Erziehungsmethoden hinweg setzt, die propagieren, dass man alle Probleme mit Worten lösen kann, sondern sogleich auch ein Aufeinandertreffen mit dem Haus selbst verflucht, welches hoch technisiert mit einer eigenen Stimme daherkommt, die jeden Bewohner und Gast identifizieren, begrüßen und verabschieden kann. Den hippen Kommentatoren eines Skateboard-Wettbewerbs beweist er derweil, dass auch ein alter Hase es drauf haben kann. Hier sucht er Zuflucht nachdem das alte Eisen aus seinem Job in einem lokalen Baseballverein gefeuert wurde. Ebenso wie er es den Skateboardern zeigt, inklusive Gastauftritt von Tony Hawk, darf er dann auch seine altmodischen Methoden an den drei Zöglingen seiner Tochter exemplarisch vorführen und dabei natürlich triumphieren. Dieses Unterfangen hat Regisseur Andy Fickman, wenig erfolgreich mit Filmen wie „Daddy ohne Plan“ oder „Du schon wieder“, in bester 80er Jahre Filmtradition verpackt. Auch hinter der Kamera scheint man die Moderne zu meiden. Hier lässt sich kein Darsteller, auch nicht das Drehbuch oder sonstiges auf die heutige Gangart all der „Hangovers“ oder Judd Apatow-Komödien ein. Hier wird gesittet gelacht, „Die Bestimmer“ führen charmant amüsant die humorvollen Zeiten von Bill Murray, Dan Akryod oder Chevy Chase fort.

Während nun der altertümliche Arty, bald mit dem Spitznamen Evil Farty gestraft, der technisierten Welt den Krieg erklärt, erkennt Ehefrau Diane, eine großherzig spielende Bette Midler, das eigentliche Problem, welches es zu lösen gilt. Rein menschlich, möchte ihre Tochter nichts mehr mit den Eltern zu tun haben, sie sind nur „die anderen Großeltern“, die man leidlich noch zu ertragen hat. Auf dem Kaminsims findet sich nicht ein Foto, auf dem Arty oder Diane zu sehen wären. Die neumodische Familie der Tochter, alle mit ihren eigenen Angelegenheiten beschäftigt, blickt gar nicht mehr über den familiären Tellerrand hinaus. Das Miteinander wird nur umso schlimmer und auch wenn Arty besänftigen und beruhigen möchte („Maybe it’s just a case of first day worst day?“) gilt es für Diane doch ab sofort, das Familiengefühl wieder herzustellen.

Billy Crystal mit Joshua Rush

Billy Crystal mit Joshua Rush

Dahingehend wird dieser Babysitter-Job als zweite Chance angesehen, nicht nur um mit der eigenen Tochter wieder ins Reine zu kommen, sondern auch um sich selbst noch einmal in der Erziehung von Kindern auszuprobieren. Immerhin wird noch erkannt, dass man dies niemals zu 100% richtig machen kann, ebenso wenig macht man es aber auch falsch. Das haben alle Eltern gemein, wie auch alle Kinder sich von den Eltern falsch oder unzureichend erzogen und nicht richtig auf das Leben vorbereitet fühlen. Tiefsinnige Gedankengänge werden dann aber schnell wieder zur Seite gelegt für liebreizende Spielchen, Aufeinandertreffen der Generationen: Arty muss bei einem Baseballspiel der Kinder mit ansehen, wie Schiedsrichter und Spieler die Punktevergabe verweigern, denn Wettbewerb fördert nur Aggressionen. Hier gibt es keine Punkte, keine Sieger, keine Verlierer, man spielt nur so zum Spaß. Arty bringt das zur Weißglut. Beim Naschen von Süßigkeiten erliegen die Kinder einem Zuckerschock, sind es einfach nicht gewohnt fernab von gesunden Gemüsesorten irgendetwas anderes in ihren Körper zu lassen. Die Bewährpädagogik von anno dazumal wurde wieder aus der Schublade geholt. Immerhin schreit Arty mindestens ebenso laut auf wie der Sohnemann, wenn gemeinsam „Saw“ auf dem hochmodernen Superfernseher geschaut wird.

„Die Beginner“ ist vermutlich einmal mehr ein irreführender deutscher Titel, weder Billy Crystal noch Bette Midler wirken hier wie Beginner. Ganz im Gegenteil. Sie zeigen wie man noch immer eine gute Komödie spielt, eine dieser 80er Jahre Familiengeschichten, die das Miteinander, nicht das aneinander vorbei predigen. Dabei wirken Crystal und Midler wahrlich so liebenswert, dass einem nichts anderes übrig bleibt als den Film mit weichem Herz und einem Lächeln im Gesicht zu beenden.

 


Die Bestimmer_Hauptplakat

“Die Bestimmer“

Originaltitel: Parental Guidance
Altersfreigabe: ohne Altersbeschränkung
Produktionsland, Jahr: USA, 2012
Länge: ca. 105 Minuten
Regie: Andy Fickman
Darsteller: Billy Crystal, Bette Midler, Marisa Tomei, Tom Everett Scott, Bailee Madison, Joshua Rush, Kyle Harrison Breitkopf

Deutschlandstart: 28. Februar 2013
Im Netz: www.diebestimmer-derfilm.de


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