Filmkritik

“Die Abenteuer von Mr. Peabody & Sherman” von Rob Minkoff

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Penny und Sherman fliegen durch die Renaissance in "Die Abenteuer von Mr. Peabody & Sherman"

Penny und Sherman fliegen durch die Renaissance in “Die Abenteuer von Mr. Peabody & Sherman”

Immer auf der Suche nach einem neuen Franchise, dürfte dem produzierenden Studio hinter Animationsreihen wie Shrek, Madagascar und Kung Fu Panda – DreamWorks Animation – ein neuer Coup geglückt sein. Mit Die Abenteuer von Mr. Peabody & Sherman hat der Regisseur Rob Minkoff (Der König der Löwen) einen animierten Zeitreise-Cartoon erschaffen, der Unterhaltung, Witz und lehrreiche historische Fakten miteinander verknüpft, ohne dabei an Spaß einzubüßen, auch wenn man sich in der deutschen Synchronisation mit Komiker Matze Knop in gleich drei Rollen arrangieren muss (er spricht den ägyptischen König Agamemnon, sowie Leonardo da Vinci und Mona Lisa), während die englischsprachigen Animationsfreunde eine Größe wie Mel Brooks als Sigmund Freud zu hören bekommen.

Die Figuren Mr. Peabody und Sherman entstammen den Kurzsegmenten Peabody’s Improbable History, die in der 1960er Jahre Fernsehserie The Rocky and Bullwinkle Show von Jay Ward liefen – im Jahre 2000 wiederum mit Robert De Niro als Die Abenteuer von Rocky & Bullwinkle verfilmt, worüber aber ein Mantel des Schweigens gelegt werden sollte. Mr. Peabody ist der wohl klügste Hund der Welt, er führt seine eigenen Geschäfte, arbeitet eng mit der Wissenschaft zusammen, ist nicht nur zweifacher Olympiasieger, sondern auch Nobelpreisträger. Kein Wunder also, dass ausgerechnet er eine Zeitmaschine erfunden hat. Natürlich nur aus rein noblen Interessen. Seine erzieherischen Maßnahmen für Adoptivsohn Sherman sehen so aus, dass er mit seinem Sohn in die Vergangenheit reist um die Weltgeschichte quasi aus erster Hand zu erleben. Nach einer Schlägerei mit der Klassenzicke, möchte Sherman allerdings die Wogen dadurch wieder glätten, dass er der anstrengenden Penny die Zeitreisemaschine zeigt. Penny allerdings will nicht nur gucken, sondern ausprobieren, wodurch mehr und mehr das Raum-Zeit-Gefüge aus der Bahn geworfen wird.

"Tada, das ist eine Zeitmaschine"

“Tada, das ist eine Zeitmaschine”

Bis zu diesem Punkt, der sich in einem hübschen visuellen schwarzen Loch über New York manifestieren wird, reisen Mr. Peabody, Sherman und Penny allerdings erst einmal durch die Zeit, nicht beschränkt auf nur eine Epoche, sondern episodenhaft ungebunden durch das alte Ägypten, durch die italienische Renaissance und zum trojanischen Krieg, mitsamt eigener kleiner Holzpferd-Finte. Jedes Abenteuer besticht separat durch seinen kleinen Höhepunkt: in Ägypten flieht man vor dem heiratswütigen Pharao, der es auf Penny abgesehen hat, in Italien machen das Mädchen und Sherman einen Ausflug mit dem Gleiter von Leonardo Da Vinci und inmitten des Schlachtengetümmels des trojanischen Krieges rollen die drei Protagonisten mit dem trojanischen Pferd auf eine Klippe zu. Wohl portioniert werden hier Höhepunkte auf die unterschiedlichen Epochen-Episoden verteilt und machen dadurch jeden zeitlichen Ausflug gleichermaßen sehenswert.

Wenn Mr. Peabody zeitgleich seine Lehrstunden für Sherman gibt, lernt man selbst – oder die Zielgruppe: Kinder – noch einiges aus den entsprechenden Abenteuern. Wo und warum wurden ägyptische Pharaonen begraben, was ist mit ihren Frauen geschehen? Was für eine Frau war Mona Lisa wirklich? Und auch mal ganz simpel: Mit was für einer List sind die Griechen in Troja eingefallen. Auch über die Episoden hinaus wird immer wieder Geschichtswissen eingestreut. Hier kommen ehemalige US-Präsidenten zum Zuge, später dürfen sich auch Albert Einstein und eben Siegmund Freud die Ehre geben.

Mr. Peabody (links), Penny (mitte) und Sherman (rechts) im alten Ägypten

Mr. Peabody (links), Penny (mitte) und Sherman (rechts) im alten Ägypten

Aber keine Sorge, Mr. Peabody und Sherman ist keine filmische Schulstunde, weiß diese Infos aber gut genug zu verpacken, dass sie nachhaltig für begierige Fragen der jungen Kinogänger sorgen werden. Darüber hinaus vermittelt der Film aber auch noch ganz andere Werte. Wenn Sherman eingangs von Penny als Hund beschimpft wird, da sein Ziehvater nun einmal ein solcher ist, dann wird Unterschiedlichkeit gelehrt. Denn natürlich wird sich Sherman am Ende dazu bekennen, dass er auch ein Hund ist – auch wenn er es nicht ist, denn anders zu sein ist natürlich gänzlich in Ordnung und sollte akzeptiert werden. Hier bekommt er Rückendeckung von versammelter Freundesschar, die über die zahlreichen historischen Abenteuer hinweg gesammelt wurden – das Raum-Zeit-Gefüge wirbelt durcheinander und versammelt Pharaonen, Präsidenten und Kriegsführer in New York, dass damit zu kämpfen hat, dass diverse Fundstücke der Geschichte – von der Sphinx bis zur Titanic – aus einem schwarzen Loch hernieder regnen.

Nun kann man sich vorstellen wie Mr. Peabody und Sherman noch weitere solcher Abenteuer bestehen, die Geschichte hält noch einige Stationen parat, die es zu erkunden gilt – und die Zeitmaschine ist nicht kaputt. Das ist durchaus wünschenswert, nach diesem geglückten Leinwandeinstand für Peabody und Sohn, der unterhaltsam seinen Weg durch die Zeiten nimmt, gut konzipiert als Familienunterhaltung, im Gegensatz zu anderen, ähnlichen Animationsfilmen, aber mit weitaus mehr lehrreichen Inhalten gespickt.


Mr. Peabody & Sherman_Poster”Die Abenteuer von Mr. Peabody & Sherman”
Originaltitel: Mr. Peabody & Sherman

Altersfreigabe: ohne Altersbeschränkung
Produktionsland, Jahr: USA, 2013
Länge: ca. 92 Minuten
Regie: Rob Minkoff
Deutsche Synchronstimmen: Matze Knopp, Hella von Sinnen, Luisa Wietzorek, Andrea Sawatzki, Christian Berkel, Peter Rapp

Kinostart: 27. Februar 2014
Im Netz: mrpeabodyundsherman.de


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