Filmkritik

“Devil’s Due – Teufelsbrut” von Matt Bettinelli-Olpin & Tyler Gillett

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Samantha (Allison Miller) ist besessen. Bis das jemand herausfindet, vergehen wertvolle Minuten in "Devil's Due"

Samantha (Allison Miller) ist besessen. Bis das jemand herausfindet, vergehen wertvolle Minuten in “Devil’s Due”

Es ist fast peinlich, aber schreibt man über einen neuen Found-Footage-Horror, gibt es oftmals gar nicht so viel Neues zu schreiben. Irgendwie möchte man jedem Regisseur, der oder die sich an dem Untergenre des Horrorfilms versucht, zwei Dinge in die Hände drücken. Ein Handbuch zum Horrorfilm, wo all die Konventionen nieder geschrieben stehen, die man ausnahmsweise mal nicht nutzen sollte – oder aber mit ihnen spielen. Damit sei die zweite Sache angeführt. Die Verpflichtung sich einmal Wes Cravens Scream-Reihe anzusehen – zumindest den ersten Teil – um zu erfahren, wie man gekonnt die Regeln des Genres persifliert, sie gegen sich selbst einsetzt und dabei dennoch ein hervorragend funktionierendes Konstrukt von einem Film entstehen könnte.

Das frisch getraute Ehepaar wird von mysteriösen Ereignissen geplagt, was durchaus deprimieren kann

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Mit diesem rudimentären Wissen ausgestattet gäbe es dann vielleicht keine fragwürdigen Momente mehr wie in Devil’s Due – Teufelsbrut, dem neuesten Erzeugnis des Found-Footage-Wahns, in denen der Gutwille der Menschen dafür Sorge trägt, dass diese sich mutig um eine manisch mit einem Messer den Holzfussboden zerkratzende Frau kümmern, deren Einkerbungen in dem halb abgedunkelten Zimmer als etwas Teuflisches zu erkennen sind. Man selbst wäre vermutlich eher langsam einige Schritte rückwärts gegangen, bevor man fluchtartig das Haus verlassen hätte. Nicht aber in Devil’s Due, wo die Figuren begriffsstutzig wie eh und je durch einen banalen Horrorfilm stolpern.

Man hätte Besseres zu Gesicht bekommen können. Die Verantwortlichen für diesen Film heißen Matt Bettinelli-Olpin und Tyler Gillett, zwei vielversprechende Regisseure, die dem in Los Angeles ansässigen Filmemacher-Quartett Radio Silence angehören. Die hatten sich mit ihrem Beitrag 10/31/98 in der Horror-Anthologie V/H/S eigentlich für das Genre empfohlen, scheitern offenbar aber an der Form des Langspielfilms.

Und dann geht es irgendwann über das normale Stadium der Depression hinaus

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Bei ihnen verkommt das Found-Footage-Stilmittel zur Belanglosigkeit für die Handlung. Von einer Sony PMW-EX3 bis hin zum iPhone 5 setzten sie gar so viele unterschiedliche Kameraperspektiven ein, dass ihnen die Beschränkung auf wenig Bildmaterial, auf das Ungezeigte als Spannungselement, gänzlich abhanden kommt. Inhaltlich wird uns nicht einmal erklärt, wer das zu sehende Videomaterial zusammen gestellt hat, so dass wir es nun eben zu Gesicht bekommen. Devil’s Due nutzt das „Found“ ganz und gar nicht, beschränkt sich auf das „Footage“ als reine Machart – und das nicht einmal sonderlich gut. In bester Anlehnung an die Paranormal Activity-Reihe werden schon bald unzählige Überwachungskameras in dem Haus eines geschundenen Ehepaars installiert, teilweise in geradezu halsbrecherischen Positionen, wenn man über die von Menschenhand ausgeführte Installation nachdenkt.

Die Handlung von Devil’s Due erzählt von besagtem Ehepaar. Frisch verheiratet verbringen Samantha und Zach ihre Flitterwochen in Santo Domingo in der Dominikanischen Republik. Dabei lassen sie sich von einem viel zu freundlichen Taxifahrer auf eine Flackerlicht-Drogenparty bringen, nur um benebelt vom Alkohol Opfer eines teuflischen Rituals zu werden, dass die Kamera im ständigen An/Aus-Modus einfängt und erst sehr viel später durch Zach nachträglich angesehen wird. Dann nämlich, als er sich langsam Sorgen um seine Frau macht. Denn die Freude über ihre plötzliche Schwangerschaft schlägt sehr bald um in den blanken Horror. Irgendwas merkwürdig Übernatürliches geht im Körper von Samantha vor sich. Ihr Ehemann kann nur dabei zusehen, wie immer mehr von seiner Frau Besitz ergriffen wird.

Zum Ende hin entwickelt Devil’s Due einige sehenswerte Momente. Das wäre der Kurzfilm gewesen, den das Regie-Duo hätte machen sollen: die Konfrontation von Zach und seiner – oder nicht mehr seiner – Ehefrau bietet besten Horror-Rambazamba. Aber wie so oft tröstet ein ansehnliches Ende nicht über den Einheitsbrei hinweg, der die eineinhalb Stunden zuvor präsentiert wird.


Devil's Due_Plakat„Devil’s Due“

Originaltitel: Devil’s Due
Altersfreigabe: ab 16 Jahren
Produktionsland, Jahr: USA, 2013
Länge: ca. 90 Minuten
Regie: Matt Bettinelli-Olpin & Tyler Gillett
Darsteller: Allison Miller, Zach Gilford, Sam Anderson

Kinostart: 8. Mai 2014
Im Netz: Devil’s Due

Bilder © Twentieth Century Fox of Germany GmbH


Denis Sasse
Ich schreibe seit 2009 über Filme und habe viele Jahre Hörfunk-Beiträge zu unterschiedlichsten Medieninhalten produziert. Beim Radio durfte ich meine eigene Kino-Sendung planen und moderieren. Irgendwie habe ich ein Studium der Literaturwissenschaft und der Medienwissenschaften dazwischen gequetscht. Jetzt lehre ich an einer Hochschule über Thematiken in den Bereichen Film, Fernsehen, Social Media und Medienpädagogik.

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