© STUDIOCANAL GmbH Filmverleih / Ashley Bell in "Der letzte Exorzismus 2"
© STUDIOCANAL GmbH Filmverleih / Ashley Bell in “Der letzte Exorzismus 2”

Vielleicht ist das Ende wirklich nahe. Zumindest sagt dass ein Schild zu Beginn der Fortsetzung zum 2010er Horror „Der letzte Exorzismus“. Das Ende, eine dämonische Übernahme, hierauf wird der Film sich nach seiner Gesamtlaufzeit noch einmal zurückbeziehen, wenn ein Adjutant des Teufels (Abalam, einer der Könige der Hölle) in Menschengestalt durch die Straßen zieht und an zahlreichen Ecken ein Feuer entfacht. So interessant es wäre, den Film zu Gesicht zu bekommen, der nach „Der letzte Exorzismus 2“ erst starten würde – die Szenen entfachen Erinnerungen an „Carrie“ – so absurd ist es, sich den Titel von Regisseur Ed Gass-Donnellys Sequel auf der Zunge zergehen zu lassen. Der wahrlich letzte Exorzismus, Teil Zwei, das Ganze noch einmal. Mit ein wenig mehr Kreativität hätte man zumindest Logik suggerieren können. Dann aber, wird der Titel dem Film auch wieder gerecht. Es ist ein Gesamtkunstwerk der Einfallslosigkeit.

Die größte Innovation ist, dass sich der zweite Teil von seiner Found Footage Ästhetik verabschiedet, dennoch Ashley Bell in der Rolle der Nell Sweetzer, bereits im ersten Teil von dem Dämon Abalam besessen, als Hauptdarstellerin behält. Nell verbringt ihre Zeit jetzt in Franks Heim für schwer erziehbare junge Frauen in New Orleans, wo sie sich langsam von den Ereignissen erholt, die sie in jüngster Vergangenheit durchleben musste. Die bösen Träume haben aufgehört sie heimzusuchen und hier bei Frank hat sie Freundinnen gefunden. Erst als sie gemeinsam auf ein Kostümfest gehen, fallen Nell merkwürdige Ereignisse auf, die sie umgeben – darunter unheimlich maskierte Männer, die sie beobachten. Kurz darauf stirbt eines der Mädchen aus dem Haus. Die Zeichen deuten auf eine Rückkehr Abalams hin, der sich offenbar in Nell verliebt hat und sie an seiner Seite sehen will.

Ashley Bell
Ashley Bell

Hat sich schon der Vorgänger an reichlich genretypischen Motiven bedient, die sowohl in bisher jeder Behandlung der Exorzismus-Thematik auftraten, als auch nichts Neues für die Found Footage Kameraperspektive boten, so wird auch in der Fortsetzung schnell klar, dass man sich in Bezug auf neue Ideen nicht zu weit aus dem Fenster lehnen wollte. Ganz im Gegenteil. Man fühlt sich gar an „Scream“ erinnert, diesen ausgeklügelten, fast schon parodistischen Ansatz eines Horrorfilms, der an vielerlei Stelle als Vorbild zu „Der letzte Exorzismus 2“ gedient zu haben scheint. Originalität weicht hier dem Gefühl einer langweiligen Kopie. Ein Opfer, dass sich allen Regeln des Horrorfilms fügt, die „Scream“-Schöpfer Wes Craven offen legte, der vorherrschende Musikgeschmack ist im Heavy Metal verordnet, ein alter Mann der nicht an die Existenz von Dämonen glaubt und natürlich eines besseren belehrt wird, nachdem er schlaue Sätze sagen durfte, wie „du musst entscheiden, wer du sein willst“. Dass er damit keinen guten Anstoß gibt, wird er später leidlich am eigenen Leib zu spüren bekommen.

Auch das für „Scream“ so typische, die Nerven blank legende Telefonklingeln wurde integriert. Ein wenig sexistischer hallt es vom anderen Ende „ich will in dir drin sein“ statt den sauberen FSK 12 Sex-Anspielungen, die Darsteller Skeet Ulrich in der Rolle des Neu-Scream-Queen Neve Campbell Freunds Billy Loomis anprangerte. Mit ihrer Girli-Clique (Julia Garner, Erica Michelle, Boyana Balta, Raeden Greer) wirkt das umso mehr wie ein Teenie-Horror, nur scheint sich Hauptdarstellerin Ashley Bell mehr an Anna Faris in „Scary Movie“ zu orientieren, als dass sie einem Vorbild à la Neve Campbell oder gar Jamie Lee Curtis nacheifern würde. Wenn Bell im Nachtkleid-ähnlichen Outfit über die Karnevalsparade rennt, wartet man immer mehr auf einen schlechten Witz als auf den Moment des Horrors.

Der Versuch eine Scream-Queen zu werden: Ashley Bell
Der Versuch eine Scream-Queen zu werden: Ashley Bell

Ganz lakonisch werden dann Fragen nach dem Beziehungsstatus eingestreut. „Ist es wahr dass du noch nie einen Freund hattest?“ schießt es aus heiterem Himmel hervor. Man glaubt es Ashley Bell hier gerne. Ihre Nell räkelt sich lieber an dünnen Wänden, hinter denen ausgelassene Pärchen das Liebesspiel praktizieren. Irgendwann verfällt sie über dem Bett in einen Schwebezustand, der schon Sigourney Weaver in „Ghostbusters“ zu Teil wurde. Die Dämonen von heute scheinen sich nichts Neues mehr einfallen zu lassen, greifen auf Praktiken der 80er Filmjahre zurück. Am Ende hat man dann gewartet und gewartet, bis tatsächlich mal etwas geschieht. Doch dann ist es nur ein flammendes Inferno, das tricktechnisch nicht einmal an Videospiel-Sequenzen heranreicht.

Es springen die Worte von Beginn zurück ins Gedächtnis. „Das Ende ist nahe“ hieß es. Vielleicht ist gar nicht das Ende der Welt gemeint gewesen, sondern das Ende des einfallsreichen Horrorfilms. Denn zumindest hier wird mehr geklaut als selbst gedacht. Und dass noch nicht einmal sonderlich gut.

 


Der letzte Exorzismus 2_Hauptplakat

“Der letzte Exorzisums 2“

Originaltitel: The Last Exorcism Part II
Altersfreigabe: ab 16 Jahren
Produktionsland, Jahr: USA, 2013
Länge: ca. 89 Minuten
Regie: Ed Gass-Donnelly
Darsteller: Ashley Bell, Julia Garner, Spencer Treat Clark, David Jensen, Tarra Riggs, Louis Herthum, Muse Watson, Erica Michelle, Boyana Balta, Raeden Greer

Deutschlandstart: 6. Juni 2013
Im Netz: thelasteorcism2.com