© Prokino / Mikael Persbrandt als Hypnotiseur
© Prokino / Mikael Persbrandt als Hypnotiseur

Spätestens mit der erfolgreichen Verfilmung der „Millennium“-Reihe von Stieg Larsson hat sich der Schweden-Krimi seinen ganz eigenen Platz in der Filmlandschaft erarbeitet. Zumeist besticht dieses Untergenre des herkömmlichen Kriminalfilms durch seine verschneite, frostige Kulisse, irgendwo in Stockholm oder Umgebung spielend, am besten noch gleich zur Weihnachtszeit. Denn während das Fest der Liebe auf dem Kalender wichtig erscheint, spielt der Schweden-Krimi mit besonders brutalen Familienmorden, die so gar nichts mehr mit dieser Vorstellung der familiären Liebe zu tun haben. Die normale Grausamkeit wird deutlich potenziert. Was nun also schon bei „Verblendung“, „Verdammnis“ und „Vergebung“, wie in Deutschland die drei Episoden der „Millennium“-Trilogie betitelt wurden, auf mehrerlei familiären Ebenen funktionierte, spielt Regisseur Lasse Hallström („Lachsfischen im Jemen“) – gebürtiger Schwede mit Hollywood-Erfolgen – nicht minder spannungsgeladen, wenn auch einfacher gestrickt, in „Der Hypnotiseur“ durch.

Dabei orientiert sich Hallström an dem gleichnamigen Krimi-Roman von Lars Kepler, macht es also auch auf dieser Ebene der „Millennium“-Filme gleich und inszeniert nach der Vorlage eines Buches. Und dieses erzählt, ebenso wie nun die filmische Umsetzung, von einem brutalen Mordfall an einer Familie. Der Winter steuert in Stockholm geradewegs auf Heiligabend zu. Dennoch reißt ein Telefonanruf den ehemaligen Ermittler Erik Maria Bark (Mikael Persbrandt) aus dem Schlaf. Der Kriminalkommissar Joona Linna (Tobias Zilliacus) benötigt seine Hilfe, möchte Eriks besonderes Talent nutzen um ein eigenwilliges Verhör durchzuführen. Ein im Koma liegender Junge, dessen Familie brutal ermordet aufgefunden wurde, soll unter Hypnose seine letzten Erinnerungen wiedergeben, die auf die Spur des Mörders führen könnten. Nur äußerst widerwillig lässt sich Bark auf diese Bitte ein, wird dadurch aber ohne es zu wollen mitten in den Fall hinein gezogen.

Tobias Zilliacus als Kriminalkommissar Joona Linna
Tobias Zilliacus als Kriminalkommissar Joona Linna

Sucht man dann wirklich den Direktvergleich mit der „Millennium“-Trilogie – seien wir ehrlich: Welcher Schweden-Krimi kann sich diesem Vergleich schon wiedersetzen? – so wird dann aber auch deutlich, dass „Der Hypnotiseur“ weitaus weniger starke Figuren vorzuweisen hat. Auch wenn Hypnose-Profi Erik und Ermittler Joona gut durch konzipierte Persönlichkeiten haben, mit ihren zahlreichen Mängeln und Schwächen tiefgründig und weitaus mehr in der Realität verankert scheinen, wie so mancher Hollywood-Haudrauf, so bleibt man als Zuschauer dennoch distanziert zurück, baut keine Verbindung zu den relevanten Personen auf. Es springt ein Funken von Einfachheit über, wenn der Hypnotiseur als Mann entlarvt wird, der unter immensen Schlafstörungen zu leiden hat, auch die Zeichnung Joona Linas als arbeitswütiger Cop, mit einem Unvermögen eine normale Beziehung zu führen, wirkt oberflächlich abgehandelt. Beide Figuren, leider sind sie nun einmal im Fokus der Geschichte, wirken ebenso kalt wie ihre Umwelt. Ob nun gewollt oder nicht, macht es das schwer mit ihnen zu leiden, mitzufühlen, sich in ihre Welten hinein zu versetzen.

Streckenweise ist das dann aber auch wieder gar nicht nötig, denn Hallström versteht sein Handwerk, lädt jede Szene mit immenser Spannung auf, schafft es hierdurch die Handlung, die Bilder weitaus relevanter erscheinen zu lassen als die Figuren die sich durch diese hindurch bewegen. Man denke sich, dass die Personen austauschbar sind, jedes Gesicht könnte hier das andere ersetzen. Dennoch bleibt eben jenes Empfinden bestehen, dass kühl und farblos eine eisige Atmosphäre schafft. Bilder die für sich sprechen. Die wundersamen Hypnose-Fähigkeiten kommen derweil recht wenig zur Geltung, helfen immer nur dann weiter, wenn die Handlung es verlangt.

Tobias Zilliacus
Tobias Zilliacus

Was dann die spannenden Momente dieses Kriminalfalls etwas abschwächt, trotz der abstrus brutalen Bilder, die in Blut getränkt werden, ist eine gewisse Vorhersehbarkeit. Von Beginn an wird der Schwerpunkt Familie deutlich gemacht, behält man dies als Zuschauer immer im Hinterkopf, ergibt sich der Tathergang fast von alleine. Die Hinweise werden in den Vordergrund gespielt, ein Brief der klare Anweisungen gibt wird früh im Film vorgetragen, eine markant auffällige Krankenschwester läuft langsam durchs Bild, empfiehlt sich damit schon fast, etwas mit dem Massaker zu tun zu haben. Der geneigte Krimi-Fan, der sich am ehesten in „Der Hypnotiseur“ verirren wird, wird dementsprechend den Fall weit vor den Ermittlern gelöst haben, was natürlich den Spaß etwas bremst, den Aha-Effekt gänzlich zu Nichte macht.

All diese kleinen Mäkel die sich bemerkbar machen, kratzen ein wenig an der Kinotauglichkeit von „Der Hypnotiseur“, der allein schon durch mehr weite Landschaftsbilder eine Leinwandberechtigung hätte erzeugen können. In seiner bestehenden Form jedoch, hätte er weitaus mehr als gut produzierter Fernsehkrimi überzeugt, bei dem man sich dann ausnahmsweise mal nicht über die Rundfunkgebühren hätte beschweren müssen.

 


Der Hypnotiseur_Hauptplakat

“Der Hypnotiseur“

Originaltitel: Hypnotisören

Altersfreigabe: ab 16 Jahren
Produktionsland, Jahr: S, 2012
Länge: ca. 122 Minuten
Regie: Lasse Hallström
Darsteller: Tobias Zilliacus, Mikael Persbrandt, Lena Olin, Helena af Sandeberg, Jonatan Bökman, Eva Melander

Deutschlandstart: 21. Februar 2013
Offizielle Homepage: derhypnotiseur-derfilm.de