Der Revolvermann in Der dunkle Turm sucht voller Rachegelüste nach dem Mann in Schwarz. Dieser quält und tötet kleine Kinder, mit deren Gedankenkraft er den dunklen Turm bezwingen will. Immer wenn dies geschieht, erhellt sich der Himmel und ein Strahl feuert diese Kräfte auf das von Schriftsteller Stephen King erschaffene Bauwerk. Weshalb genau Revolvermann Idris Elba nicht einfach dem Ursprung dieses Strahls wie einem Regenbogen folgt um sich den Mann in Schwarz Matthew McConaughey zu schnappen, bleibt ein Rätsel – aber nur ein Kleines, schaut man auf all die anderen Schwierigkeiten des Films.

Der dunkle Turm kommt von dem dänischen Filmemacher Nikolaj Arcel (Die Königin und der Leibarzt) und ist irgendetwas zwischen Adaption, Mischmasch und Fortführung der Romanreihe von Stephen King.

Idris Elba (Prometheus, Pacific Rim) spielt Roland Deschain, den Revolvermann, der sich in einem ewig andauernden Kampf mit Walter O’Dim (Matthew McConaughey), dem Mann in Schwarz befindet. Inzwischen geht es Deschain schon gar nicht mehr um den Schutz des dunklen Turms. Er sinnt nur noch nach Rache, nachdem O’Dim den Vater des Revolvermanns getötet hat. Dennoch muss er daran denken, dass wenn der Turm zerstört werden sollte, die Dämonen alle Welten überkommen würden und der Mann in Schwarz sich als König alles Bösen aufspielen könnte.

Der dunkle Turm
Der Revolvermann (Idris Elba) trifft auf Jake Chambers (Tom Taylor) und will durch ihn den Mann in Schwarz aufhalten.

Allerdings kommt mit dem New Yorker Jungen Jake Chambers (Tom Taylor) eine neue Komponente in die Auseinandersetzung. Er könnte die entscheidende Macht darstellen, die diesen Kampf endlich beenden könnte – je nachdem welche Seite ihn sich zu Nutze machen kann.

Der Regisseur beweist leider keinerlei Händchen fürs epische Erzählen. Gleich zu Beginn bekommen wir den dunklen Turm in einem Traum von Jake dahin geschmissen, als sei dieses Bauwerk überhaupt keine Besonderheit. Weshalb nicht warten, den Turm nicht zeigen und später eine atemberaubende Kamerafahrt inszenieren. Die Landschaft sollte eigentlich schon ausreichen, wenn dort Nebelschwaden um das Gebilde wabern, der Turm dasteht und sich gegen die Angriffe des Mannes in Schwarz kaum wehren kann. Das könnte Wirkung entfalten, würde es eben nicht ohne Wow-Gefühl inszeniert sein: das Ding steht da. Fertig. 

Auch sonst zeigt sich Arcel gänzlich untalentiert fürs große Filme machen, wenn er seinen Kameramann Rasmus Videbæk Landschaften, Gebäude oder obskure und unheimliche Bilder recht gelangweilt abfilmen lässt. Hier wirkt alles so klein, so belanglos. Gar nichts in Der dunkle Turm erzeugt ein Gefühl von Erhabenheit, von der Faszination, eine fremde Welt zu Gesicht zu bekommen.

Nicht einmal die Schauspieler können dieses Gefühl mit in den Film einbringen. Entgegen vielerlei Meinungen mögen Matthew McConaughey und Idris Elba zwar fantastische, großartige Charakterdarsteller sein, aber ein Mainstream-Franchise können sie kaum tragen. Elba bleibt erst einmal noch eine Zeit lang als Luther im Gedächtnis, Matthew McConaughey konnte am ehesten durch True Detective von sich Reden machen, auch wenn er natürlich für Dallas Buyers Club schon seinen goldenen Oscar gewinnen konnte. Aber ins Gespräch haben sich die beiden eher auf den kleinen Bildschirmen gebracht, wo Der dunkle Turm irgendwie auch besser hingepasst hätte.

Man denkt an eine stark produzierte HBO Serie wie Game of Thrones oder eine 13 Episoden starke Charakterstudie auf Netflix, nicht aber an diesen knapp über 90 Minuten dahin gehetzten Flickenteppich.

Der dunkle Turm
Das ewige Duell in DER DUNKLE TURM: Idris Elba gegen Matthew McConaughey.

Elba und McConaughey quälen sich geradezu durch ihre bescheidenden Dialoge, die ihnen im Drehbuch von Akiva Goldsman, Jeff Pinkner, Anders Thomas Jensen und dem Regisseur selbst vor die Füße geworfen wurden. In diesem Fall könnte der Ausspruch “Viele Köche verderben den Brei” kaum besser passen. Alles hier ist Erklär-Gerede, niemals darf die Filmwelt selbst auf uns ihre Wirkung entfalten. Immer müssen der Revolvermann oder der Mann in Schwarz ihr Expositionsgelaber von sich geben, nur damit wir auch nur ansatzweise verstehen können, wo sich die Story eigentlich gerade befindet.

Dabei haben selbst die beiden ihre Probleme, so viel müssen sie erklären, wenn die Story im Affenzahn abgespult wird. Wenn sich ein Peter Jackson auch mal Zeit nimmt, uns durch die Umgebung in die richtige Stimmung für die nächste Szene zu versetzen, taumelt Arcel durch seinen Film, als habe er selbst keinen Plan von der Welt, in die er uns vertiefen und entführen soll.

Wir mögen noch den Times Square und das Flat Iron Building in New York erkennen, aber sobald wir uns in der Mitt-Welt wiederfinden, sind die Planeten am Himmel das einzige Indiz dafür, dass wir uns nicht mehr auf der Erde befinden. Es fehlt an Fantasie. Der Regisseur zeichnet uns keine Karte, gibt uns keine Anhaltspunkte, spielt einen denkbar schlechten Fremdenführer durch seine Welt – vielleicht interessiert er sich auch gar nicht wirklich für sie.

So hüpfen wir in Der dunkle Turm durch die Szenen und versuchen krampfhaft irgendetwas toll zu finden. Aber wenn nicht einmal diese großartigen Darsteller Idris Elba und Matthew McConaughey eine emotionale Reaktion aus uns heraus kitzeln können, dann sind vermutlich alle Mühen vergebens.