In 1976 war David Bowie Der Mann, der vom Himmel fiel. Jetzt ist Asa Butterfield der Junge, der vom Himmel fällt. In Regisseur Peter Chelsoms Den Sternen so nah wird nicht etwa erzählt, wie die Menschheit danach strebt, fremde und entfernte Planeten zu besuchen, sondern von dem ersten Kind, das auf dem Mars geboren wird und dort aufwächst, nur um als Besucher auf die Erde zu kommen und mit einem Teenager-Blick all unsere irdischen Alltäglichkeiten zum ersten Mal erleben zu dürfen.

Natürlich entwickelt sich hier auch eine Liebesgeschichte. Butterfields Gardner trifft auf Britt Robertsons Tulsa – aber auch wenn man hinter der Geschichte nun eine Young Adult Novel vermutet, die mit harmloser Mars-Sci-Fi angereichert worden ist, statt mit martialischen Hungerspielen, ist Den Sternen so nah eine eigenständige, auf keiner Buchvorlage basierende Geschichte, die von Drehbuchautor Allan Loeb in Zusammenarbeit mit Stewart Schill und Richard Barton Lewis entwickelt worden ist.

Sie erzählen von einer Mission zum Mars, bei der der Planet kolonialisiert werden soll. Die Astronautin Sarah Elliot (Janet Montgomery) offenbart auf dem Weg dorthin, dass sie schwanger ist. Diese Neuigkeiten lassen den Missionsleiter Nathaniel Shepard (Gary Oldman) in Panik verfallen. Er glaubt, dass dem Fötus die Schwerelosigkeit und die veränderten Lebensbedingungen auf dem Mars nicht gut tun werden. Aber das Kind überlebt, während die Mutter stirbt.

Den Sternen so nah
Asa Butterfield als Gardner, dem Jungen der auf dem Mars geboren wird und aufwächst.

Gardner (Butterfield) wächst auf dem Mars auf, wo er in Kendra (Carla Gugino) eine Art Ersatz-Mutter findet. Am liebsten verbringt er aber seine Zeit damit, melancholisch in die Gegend zu starren und von einem normalen Leben auf der Erde zu träumen, wie er es von seiner Videochat-Freundin Tulsa (Robertson) kennt. Zu seinem sechzehnten Geburtstag darf Gardner dann der Erde einen Besuch abstatten. Er lernt Tulsa kennen, aber auch die irdischen Gepflogenheiten. Sein wahres Ziel ist es aber, seinen Vater ausfindig zu machen.

Asa Butterfield darf als richtiges Casting betrachtet werden, wenn er schon in so vielen Rollen vor Den Sternen so nah diesen otherworldly Teenager verkörpert hat. Ob sein verwunderter Blick auf die Welt der Filme und Spezialeffekte in Martin Scorseses Hugo Cabret, sein Eintauchen in eine Sci-Fi Welt, zu groß um sie wirklich zu verstehen in Ender’s Game oder zuletzt unter der Regie von Tim Burton als kleiner Entdecker der Insel der besonderen Kinder. Butterfield hat einfach dieses Auftreten, die Gesichtszüge, den Blick eines Jungen, der anders ist und denkt als alle anderen.

Deswegen gelingt es ihm hier, den Mars-Fremdling so gut zu verkörpern. Dort oben in seinem isolierten Teen-Zimmer schaut er Filme, die ein deutscher Wissenschaftler hinterlassen hat. Es ist Wim Wenders’ Der Himmel über Berlin, wo ein Engel vom Himmel fällt um mit seiner Liebe auf Erden zusammen zu sein. Wie passend, dass Gardner ausgerechnet diesen Film in die Finger bekommen hat um seine Träume zu beflügeln.

Wenn er dann auf der Erde ist, muss er sich mit der Anziehungskraft auseinandersetzen (der Erde und Tulsa), darf aber auch Dinge wie Wasser und Regen zum ersten Mal erleben. Die Welt um ihn herum ist auf einmal nicht mehr in die Farbe Rot getaucht, sondern erstrahlt in allen kräftigen Tönen, die unser Planet zu bieten hat.

Allerdings wird Den Sternen so nah hier auch zu einer unnötigen Lachnummer. Gardner wird bewusst in Situationen geführt, die ihn erstaunen lassen sollen, wie wenn er zum ersten Mal ein Pferd sieht. Dieser Junge sollte schon einmal von der Existenz von Tieren gehört haben – immerhin hat er dort oben auf dem Mars Filme von der Erde gesehen. Aber Asa Butterfield reagiert hier mit großen Augen, aufgeschreckt, als habe er das furchtbarste Alien des ganzen Universums gesehen.

Den Sternen so nah
Gardner hat ein zu großes Herz für die Erde. Aber Tulsa (Britt Robertson) steht ihm bei.

Es hilft auch nicht sonderlich, dass er bei seinen Entdeckungsreisen von Britt Robertson begleitet wird. Sie ist eine wunderbare Darstellerin, die sich aber in ihren Rollen in A World Beyond oder Mr. Church gerne in die Ecke stellen lässt – sie ist da, sie spielt ein vorlautes Gör, darf aber keine ersichtlichen Charakterentwicklungen durchmachen und bleibt dadurch zumeist eindimensional in Erinnerung.

Der Funke zwischen Butterfield und Robertson springt niemals über. Der sieben Jahre große Unterschied zwischen den beiden Darstellern funktioniert nicht. Bei älteren Semestern ist das kein Problem, in Teenager-Zeitrechnung sind sieben Jahre allerdings eher als Jahrzehnte zu verstehen. Man nimmt Butterfield eher als den kleinen Jungen wahr, während Robertson schon die erwachsene Frau ist, die sich auf Netflix als Girlboss eine Selfmade-Karriere aufgebaut hat.

Zwischen den beiden entwickelt sich mehr die Chemie eines Babysitters und dem Kind, auf dass sie aufzupassen hat als eine romantische Beziehung – weswegen das Miteinander von Gardner und Tulsa so falsch wirkt.

Derweil befindet sich Gary Oldman offenbar in einem gänzlich anderen Film. Bei ihm merkt man das Gewicht, dass er hier mitbringt. Seine schauspielerische Leistung ist großartig. Es macht Spaß ihm zuzusehen und gerne möchte man mehr von seinen Arbeiten auf der Erde erleben, anstatt den Teen-Weltenbummlern zu folgen. Allerdings gibt das Drehbuch ihm an Ende eine Story, die konstruiert und unglaubwürdig wirkt, so dass seine Figur einen cheesy Nachgeschmack entwickelt.

Den Sternen so nah ist letztendlich ein äußerst redundanter Film, der uns einmal im Kreis laufen lässt. Und wenn Teenie-Liebesfilme uns sonst gerne einmal am Herzen berühren und an die eigenen Jugendjahre zurückerinnern, bleibt dieser Film recht kühl in Erinnerung – mehr Mars-Kälte als Erd-Wärme.