Filmkritik

Dead Shadows & War of the Dead

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Dead Shadows_Cover

Richtig ärgerlich ist er geworden, der als die ‘französische Antwort auf Attack the Block’ angepriesene Dead Shadows. Macht das ziemlich großartige Cover-Motiv noch große Lust auf einen old schooligen Monsterklopper und war die eine oder andere Rezension in den einschlägigen Medien (Deadline) auch viel versprechend, kommt schon während des Vorspanns die Ernüchterung: Minutenlang werden die Credits künstlich gestreckt, animierte Space-Bildschirmschoner eines Macbooks werden zu dramatischen Sounds aneinander geschnitten und sollen Größe und Dringlichkeit suggerieren. Dann endlich beginnt der – auf dem Back-Cover mit 75 Minuten eh schon recht kurze – Film.

Die dürftige Handlung (was ja nicht schlecht sein muss, wenn sie unterhält) ist wirklich aufs mindeste reduziert: Posterboy hat nen heftigen Knacks, ist offenbar the new kid in the hood und wird rumgeschuppst. Süßes Nachbars Mädchen schmeißt ihren Freund raus und bandelt flugs mit Posterboy an, lädt ihn gar zur großen Apokalypso-Party von Freunden ein, denn justament fliegt ein Komet vorbei, der alle irgendwie ganz kirre macht. Und ehe sich Posterboy versieht, verwandeln sich die eh schon unsympathischen (und ärgerlich aufgesetzt agierenden) Partygäste in seltsame Tentakelmonstren, die einander attackieren. Von nun an ist Posterboy a) auf der Flucht, b) am verschanzen und c) am beschützen seiner Nachbarin. Und ganz plötzlich und völlig unvermittelt ist der Film auch schon wieder vorbei und der übertrieben lange Abspann setzt ein.

Man merkt es bereits; Dead Shadows ist ein Ärgernis. Nicht nur sind seine Protagonisten unsympathisch und benehmen sich teilweise total bescheuert. Es macht einfach keinen Spaß der konstruierten Handlung zu folgen, den klischeebeladenen, egalen Dialogen zu lauschen und den lausigen Laiendarstellern zuzusehen. Außerdem ist die Synchronisation so mies, dass man sich mit geschlossenen Augen in einem Grundschulhörspiel wähnt. Manche der VFX mögen ja noch als OK durchgehen und auch die Aufnahmen des untergehenden Paris am Ende sehen auch richtig gut aus. Aber der Film selbst ist so holprig geschnitten und so ungelenk inszeniert, dass jeglicher Spaß im Keim erstickt wird. Und wenn mal was passiert, ist es einfach nur dröge inszeniert. Das der schöne 90er Jahre Minihit ‘Wax Ecstatic’ der Band Sponge gefeatured wird, ist noch ein einsames Highlight.

Bleibt ein großartiges Cover, zwei, drei gute Ideen und jede Menge Leerlauf.

War of the Dead_Cover

Es ist mittlerweile irgendwie ein kleines Subgenre für sich; der Nazi-Zombie-Film. Und ein ziemlich cooles obendrein. 2. Weltkrieg und Zombies, irgendwie passt das. Das die Nazis Experimente mit okkultem Kram machten, ist ein offenes Geheimnis und diente schon Indiana Jones für das eine oder andere Abenteuer. Hier ging es zwar eher um die Bundeslade oder den heiligen Gral, aber es hat schon was, diese ‘was wäre wenn’-Frage.

Zeit also für die nächste Produktion des Genres. Es kommen ja durchaus monatlich vier bis fünf Zombiefilme auf den übersättigten direct-to-video Markt. Doch mit War of the Dead haben es die Produzenten tatsächlich geschafft, zumindest optisch besser als ein Großteil dieser Filme zu sein. Auch besser als der thematisch recht ähnliche Outpost: Black Sun. War of the Dead hatte ganz offensichtlich ein ordentliches Budget an der Seite, anders lassen sich die wirklich tollen Bilder, originellen Kranfahrten und Totalen und sehr guten Make up-Effekte nicht erklären.

US-Captain Stone wird mit einer Truppe aus Amerikanern und Finnen an die finnisch-russische Grenze geschickt, um einen deutschen Bunker zu zerstören. Doch plötzlich sehen sich die Soldaten einer Gruppe Kämpfer gegenüber, die nicht so leicht zu besiegen sind. Eine Horde von Supersoldaten metzelt sie nieder. Nach dem verheerenden Kampf schaffen es gerade einmal Captain Stone und eine Hand voll seiner Männer in den Bunker zu gelangen. Doch hier geht es erst richtig los…

Die Werbeparole ‘Walking Dead trifft auf Band of Brothers’ ist natürlich Quatsch. Hier muss schlicht eine Gruppe Soldaten gegen mutierte Zombiesoldaten kämpfen (die kämpfen und von Bäumen springen können). Doch das ist effektiv und unterhaltsam umgesetzt. Zwar stellen sich nach einer Weile Ermüdungserscheinungen ein, denn die Kämpfe sind irgendwann austauschbar. Doch im Großen und Ganzen weiß War of the Dead zu überzeugen. Auch vor allem wegen den sichtbaren Production Values wie origineller Kamera, guten Effekten, top Ausstattung und – für das Genre – überdurchschnittlicher Darstellerleistung.

Bild und Ton sind klasse. Als Bonus hat sich ein nettes und interessantes ‘Making of’ auf die blu ray geschlichen. Der Fan kann guten Gewissens zugreifen.

Ein Text von Renatus Töpke

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