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DCEU #4 | Gal Gadot rettet als WONDER WOMAN die Ehre der DC-Helden

Ein wenig schusselig versucht sich Diana Prince durch eine Drehtür eines Kaufhauses zu bewegen. Wir sind mit ihr in London zu Zeiten des Ersten Weltkriegs. Gerade erst hat der Spion Steve Trevor die Amazone auf der geheimnisvollen Insel Themyscira gefunden, jetzt hilft sie ihm im Kampf gegen den deutschen Offizier Ludendorff, hinter dem Diana den Gott des Krieges Ares vermutet. Natürlich nur, sofern es dieser Wonder Woman gelingt, die Drehtür mit Schwert und Schild zu durchqueren.

Das sind kleine Momente, die Regisseurin Patty Jenkins in ihren Film eingebaut hat, die uns an den charmant-liebenswerten Superman Christopher Reeve erinnern sollen – wie dieser in seinem 1978er Leinwandauftritt ebenso mit einer Drehtür zu kämpfen hatte, wie er mit bloßer Hand eine Kugel abfängt, bevor sie Lois Lane treffen kann oder wie er lediglich durch eine Brille seine Identität verheimlichen möchte – all das finden wir auch in Wonder Woman.

Jetzt versteht man auch, was den bisherigen Filmen aus dem DCEU fehlte: Man of Steel, Batman v Superman oder der Suicide Squad fehlte es an dieser Liebenswürdigkeit, durch die Figuren und Charaktere mehr ausgearbeitet wirken. Das darf zum großen Teil der Regisseurin Patty Jenkins zugeschrieben werden, die schon mit ihrem 2003er Film Monster Charlize Theron zu ihrem Oscar als beste Hauptdarstellerin führte, aber in äußerst großen Teilen auch an Hauptdarstellerin Gal Gadot, die ihre Wonder Woman sichtlich mit Herz und Seele ausgestattet hat.

“Ihre Wonder Woman” ist eine amüsante Formulierung, gibt es doch kaum Frauen, die diese Rolle ebenfalls für sich in Anspruch nehmen könnten, wie es schon zahlreiche Superman oder Batman-Darsteller gegeben hat. Allenfalls Lynda Carter darf das. Aber sie war Mitte der 70er Jahre nur auf den Fernsehbildschirmen als Wunder-Amazone  unterwegs.

Überhaupt ist es eine Errungenschaft, aber irgendwie auch ein wenig traurig, dass wir bisher nur äußerst wenige – und zumeist trashige – Superheldinnen auf der Leinwand gesehen haben: Supergirl in den 80ern, Catwoman und Elektra in den frühen 2000ern. Und über keinen dieser Filme möchte man sagen, dass er eine Revolution für die Frauenrolle im Kino gewesen wäre.

Wonder Woman
Prinzessin Diana (Gal Gadot) mit Steve Trevor (Chris Pine) in WONDER WOMAN

Nun aber gibt es Wonder Woman, durch den wir uns mehr als einmal in Begeisterung versetzen lassen dürfen. Wenn wir uns auf der Insel Themyscira unter den Amazonen wiederfinden und uns wahrlich wie im Paradies fühlen. Wenn wir Robin Wright als Antiope und Connie Nielsen als Königin Hippolyta zusehen, wie sie bereits so viel Charaktertiefe in den Film bringen können, wie wir es in allen DC Filmen zusammen bisher nicht zu sehen bekommen haben. Oder wenn wir uns an einer jungen Diana erfreuen können, die schon in den ersten Minuten des Films voller Tatendrang steckt.

Und dieser DC Film versteht es ebenso gut, seinen Humor wohl dosiert in den richtigen Momenten abzufeuern, so dass der Film weder an Ernsthaftigkeit verliert, noch uns in düstere Melancholie verfallen lässt. Hauptsächlich geschieht dieser Humor durch zwei Fish-out-of-Water-Geschichten: Trevor als Mann auf der von Frauen bevölkerten Insel Themyscira. Diana als wohlbehütete Amazone im Chaos des Weltkrieges und der modernen Welt.

Hier tritt eine als Amazone aufgewachsene und dementsprechend höchst selbstständig und bestimmt auftretende Frau in eine Welt, die noch von Männern bevölkert und regiert wird – eine Welt in der die Frauen noch kein Wahlrecht haben und stolz den Beruf einer Sekretärin ausüben, während sie im Verhandlungszimmer nicht erwünscht sind, wo Männer mit Schnäuzern und Zigarren über die Belange der Welt entscheiden.

Hier hätte Regisseurin Patty Jenkins nur zu leicht ein politisches Statement mit ihrem Film setzen können und mit dem Holzhammer um sich schlagend ihre Wonder Woman als Mahnmal weiblicher Stärke platzieren können. Aber das geschieht nicht. Wenn sie mit Steve Trevor an der Front inmitten des Niemandslands Deckung sucht und erklärt bekommt, dass noch nie ein Mann es durch diese Zone geschafft hat (im Original: No Man’s Land, sehr bezeichnend), würden schlichte Drehbuchautoren Wonder Woman nun die Worte sprechen lassen: “Aber ich bin kein Mann”.

Davon sieht dieser Film aber ab. Er knallt uns nicht die Überlegenheit der Frau entgegen, weil es sich um eine Selbstverständlichkeit handelt. Ebenso stellt Steve Trevor nie seine Männlichkeit in Frage, wenn er durch Wonder Woman gerettet wird – was mehr als einmal der Fall ist. Die schönsten Filme sind doch die, die gleichberechtigte Rollenbilder vermitteln, ohne explizit darauf hinzuweisen.

Weiterhin leistet der Film geradezu großartige Arbeit im Bereich der Musik. Rupert Gregson-Williams verleiht jedem Moment in Wonder Woman ein Gefühl von Erhabenheit.

Wenn also die Kamera von Matthew Jensen über Themyscira schwebt, die Amazonen gegen Nazis kämpfen, Wonder Woman die Front des Krieges für sich einnimmt oder in einem kleinen Dorf einen kämpferischen Tanz mit ihrem Lasso der Wahrheit vollführt, sind es wunderschöne Momente, in denen sich Musik, Bild und Action zu einer Einheit zusammenführen lassen.

Wonder Woman
General Ludendorff (Danny Huston) mit Dr. Poison (Elena Anaya)

Wie der Einfall des männlichen Geschlechts auf Themyscira einen Riss in der perfekten Welt darstellt, sind es die Big Bads in Wonder Woman, die an der Perfektion des Films kratzen. Ähnlich wie bei den Filmen des Marvel Cinematic Universe liegt der Fokus viel zu sehr auf der Heldin, als das wir mitreißende Schurken zu sehen bekommen würden.

Danny Huston (American Horror Story, X-Men Origins: Wolverine) gibt einen handelsüblichen Nazi-General ab, der sich erbarmungslos um seinen Machtwahnsinn kümmert und hierfür gar über die Leichen der eigenen Männer wandelt. Ihm zur Seite steht die Spanierin Elena Anaya (Die Haut, in der ich wohne) als Chemikerin Dr. Poison, die mit einer Porzellan-Maske die Entstellungen in ihrem Gesicht verdeckt.

Hinter all dem kriegerischen Verhalten vermutet Wonder Woman allerdings Ares, der in der Gestalt von Danny Hustons General Ludendorff unter den Menschen wandeln soll. In einem Film, der sich ausführlich Zeit nimmt uns die Heldin und ihren Gefährten vorzustellen, bleibt kein Platz für eine ordentliche Charakterisierung gleich dreier Schurken, die sich hier ins Geschehen einmischen wollen.

Umso stärker sind die guten Figuren inszeniert. Gal Gadot bringt nicht nur Körpereinsatz, sondern wahrlich großartiges Schauspiel ins Blockbuster-Kino. Wenn die Nazis ein ganzes Dorf mit ihrem Giftgas auslöschen, spüren wir ihren Schmerz, der sich später im Film noch einmal vervielfachen wird. Wir sind von ihren Kindertagen an in Dianas Gefühlswelten involviert, so dass wir auch später immer spüren, was diese Frau zu erleiden hat, wenn sie ihren Blick auf die Grausamkeiten der menschlichen Welt richtet.

Chris Pine ist derweil besser, als er es im Star Trek-Franchise jemals war. Der Film funktioniert, weil Pine uns seinen Standpunkt als Steve Trevor deutlich macht, weil Gal Gadot nicht nur eine gute, sondern eine fantastische Wonder Woman ist, die unsere Erwartungen übertroffen haben sollte und weil die Chemie zwischen diesen beiden Darstellern einfach harmonisch ist, kein Dialog gekünstelt, kein Gefühl gespielt wirkt.

Wonder Woman gelingt es, uns ein besserer Mensch sein lassen zu wollen. Außerdem gelingt es ganz nebenher, dass Batman v Superman: Dawn of Justice auf einmal interessanter wirkt, weil wir die Vorgeschichte dieser Amazone nun erzählt bekommen haben und sie nun als fertige Figur neben dem Dark Knight und dem Man of Steel zu beobachten ist. Batman v Superman im Nachhinein noch ein wenig besser erscheinen zu lassen, das ist schon eine enorme Leistung.

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