Mit Man of Steel inszenierte Zack Snyder 2013 den Start des DC Cinematic Universe (oder DCEU, DC Expanded Universe) ohne es zu wissen. Denn zu dieser Zeit hatten Warner Bros. und der Marvel-konkurrierende Comic-Verlag noch keine Idee für eine zusammen spielende Filmreihe ihrer Helden, die erst später durch den immensen Erfolg des Marvel Cinematic Universe beflügelt seine holprigen Form annehmen sollte.

Es wird die klassische Origin-Story Supermans (Henry Cavill) erzählt, wie dessen Heimatplanet Krypton explodiert, seine Eltern (Russell Crowe & Ayelet Zurer) ihn in einem Raumschiff zur Erde schicken, wo er von Martha und Jonathan Kent (Diane Lane & Kevin Costner) auf einer Farm in Smallville als Clark Kent aufgezogen wird, anfängt in Metropolis unter Chefredakteur Perry White (Laurence Fishburne) beim Daily Planet zu arbeiten, dort die Reporterin Lois Lane (Amy Adams) kennenlernt und ganz nebenbei mit seinen Superkräften gegen das Verbrechen ankämpft.

Dann entkommt Zod (Michael Shannon), der ehemalige General der kryptonischen Armee, der Phantom Zone, in der die gefährlichsten Verbrecher Kryptons ihre Zeit fristen. Gemeinsam mit zwei Gefolgsleuten bricht er zur Erde auf und fordern Superman auf, sich ihnen zu ergeben oder einen Krieg zu riskieren. Superman willigt ein sich mit Zod zu treffen. Dieser offenbart ihm, dass er über die technischen Möglichkeiten verfügt, den Planeten Erde in ein neues Krypton zu verwandeln, was allerdings so ziemlich jedes Leben auf dem Planeten kosten würde. Das kann Superman natürlich nicht zulassen.

Man of Steel
Der Man of Steel (Henry Cavill) mit Reporterin Lois Lane (Amy Adams)

Zack Snyder hatte unbestritten eine schwere Aufgabe. Schon Bryan Singer scheiterte mit seinem Superman Returns in 2006 daran, den Mythos des Mannes aus Stahl in die Filmwelt zurückzubringen. Viel zu sehr hängen die Erinnerungen an den 1978er Superman von Richard Donner mit Christopher Reeve in der Hauptrolle, der dann noch drei weitere Male das Superman-Kostüm tragen durfte und zum Inbegriff des trottelig-tollpatschigen, aber dennoch sympathisch-charismatischen Clark Kent wurde.

Aber Henry Cavill zeigt sich hier noch gar nicht so sehr als Clark Kent. Erst gegen Ende betritt er den Daily Planet um dieses Leben zu beginnen. Ebenso wie er noch nicht Superman genannt wird, sondern schlicht der Mann aus Stahl ist. So umspielt Snyder recht geschickt, sich allzu schnell den Fußstapfen Reeves anzunehmen und gestaltet seinen eigenen, düsteren Film, der ohne große Witzeleien auskommt und den DC Helden ähnlich wie Christopher Nolans Dark Knight-Trilogie einen finsteren Look verpassen möchte, trotz strahlend rot-blauen Kostüm des Kryptoniers.

Hierfür wurden dem Film die Farben entzogen, wie man recht schnell zu sehen bekommt. Wenn wir Clark auf einem Fischerboot sehen, trägt er eine knallrote Regenjacke, seine Kollegen derweil ein quietschendes Gelb. Aber beides strahlt hier überhaupt keine Kraft aus. Es herrscht ein Gefühl von Blässe, von Tristesse, von einer grauen Welt.  

Dadurch gelingt es Snyder sich von der Knallbonbon-Welt der Marvel-Filme abzuheben. Ebenso bleibt er seinem Stil treu, uns visuell beeindruckende Bilder zu liefern, die unter seiner Regie immer atemberaubend und episch wirken. Und mag ein Moment noch so heldenhaft wirken, mag sich Superman noch so sehr gegen Zod auflehnen, Synder weigert sich nur aus diesem Grund Farbe oder Humor in den Film zu bringen, was ihm hoch angerechnet werden muss, wenn man die Verlockung durch den Erfolg des Gegenprogramms betrachtet.  

Die lange Abwesenheit des Schurken General Zog wird ziemlich gut umspielt und man muss sich eingestehen, dass DC auf Anhieb einen coolen Schurken kreiert hat, woran Marvel oftmals zu scheitern scheint – wobei die MCU Filme aber auch ihren Fokus auf die Helden legen wollen. Und wenn er dann in Erscheinung tritt, nimmt sein Auftritt und der Kampf gegen Superman auch gleich die gesamte letzte Stunde von Man of Steel in Anspruch. Wir bekommen einen finalen Kampf, der uns die Epik und Schwere dieses Aufeinandertreffens nur allzu deutlich spüren lässt.

Man of Steel
Superman-Gegenspieler General Zod (Michael Shannon)

Vielmehr verwendet der Film seine Zeit darauf, das Verhältnis von Superman zu seinen jeweiligen Eltern in den Mittelpunkt zu nehmen. Noch nie haben wir so viel Krypton zu sehen bekommen, wie in der Eingangssequenz von Man of Steel, in der Russell Crowe einen großartigen Auftritt als kryptonischer Vater Jor-El hat. Derweil erzählt der Film in Flashbacks, wie ein junger Clark auf der Erde von seinen Adoptiveltern lernt, sich trotz seiner übermenschlichen Kräfte wie ein ganz normaler Junge in der Welt zurecht zu finden.

Kevin Costner und Russell Crowe übernehmen über den ganzen Film verteilt wichtige Rollen für Henry Cavills Superman. Sie begleiten ihn, sie verleihen ihm seine Vorstellungen von Moral und Werten. Diese kann er später einsetzen um sich gegen den Angriff von Zod zur Wehr zu setzen, wodurch Man of Steel zu einer gut gerundeten Geschichte wird.

Der Film ist ein äußerst starker Einstieg in eine neue Welt der DC Helden. Henry Cavill lässt uns tatsächlich Christopher Reeve vergessen und Michael Shannon bringt mit seinem hochwertigen Spiel den Hass und Zorn eines Soldaten zum Vorschein, der auf andere Art um seinen Planeten kämpft, seine Leidenschaft und starken Willen für seine Heimat zu kämpfen zur Schau stellt. Die Düsternis von Snyders Inszenierung wirkt nur allzu passend, um die Verbissenheit von Man of Steel auch visuell kräftig zu unterstreichen.