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DCEU #5 | Die JUSTICE LEAGUE vereint gute Darsteller in einem furchtbaren Film

Wieso sind Frauen in Hollywood eigentlich immer noch unterrepräsentiert? Kann der Männerclub sich nun einmal bitte zurückziehen? Da hat man im DC Cinematic Universe in Patty Jenkins eine Frau gefunden, die mit Wonder Woman einen großartigen Film gedreht und mit Gal Gadot eine wundervolle Hauptdarstellerin bekommen hat, nur um den Rest des DCEU als mangelhafte B-Ware von Männern – hauptsächlich Zack Snyder – zu verkaufen. Und so bekommen wir nun diesen Versuch zu sehen, Marvels Avengers Konkurrenz zu machen. Die können allerdings beruhigt ein weiteres Schawarma essen und müde in der Ecke sitzen bleiben, denn von dieser Justice League dürfte keine Gefahr ausgehen.

Der Film setzt nach dem Tod von Superman (Henry Cavill) an, wo Batman (Ben Affleck) in den Straßen von Gotham auf der Jagd nach herum schwirrenden Paradämonen ist. Von Wonder Woman (Gal Gadot) erfährt er von der drohenden Gefahr namens Steppenwolf (Ciarán Hinds), der nach drei uralten Relikten – den Mutterboxen – sucht, die einst unter Amazonen, Atlantern und Menschen aufgeteilt worden sind. Steppenwolf befehligt über die Paradämonen, die schon bald in schier unendlicher Masse auftreten. Batman und Wonder Woman suchen Hilfe und stoßen dabei auf den unglaublich schnellen The Flash (Ezra Miller), auf den in den Meeren der Welt lebenden Aquaman (Jason Momoa) und die Mensch-Maschine Cyborg (Ray Fisher).

Justice League
Bruce Wayne (Ben Affleck) und Diana Prince (Gal Gadot) suchen nach Unterstützung im Kampf gegen Steppenwolf.

Man sollte sich ein wenig zurücksehnen, als mit Man of Steel noch Charakter in einen DC Film geflossen ist. Die blasse Melancholie die über diesen ersten neuen Superman gelegen hat, war eine wunderbare Atmosphäre für einen vom Marvel Universum gänzlich verschiedenen Comicfilm-Stil. Wo hier noch gutes Storytelling an den Tag gelegt wurde, musste man darauf in Batman v Superman gänzlich verzichten. Mit Ausnahme von Wonder Woman, ging es ab diesem Moment steil bergab.

Auf einmal hatte das DC Universum Identitätsprobleme. Mal wollte es cool, hip und bunt sein, dann wieder knackig und trotzdem episch. Und selbst innerhalb von Justice League findet man keinen geradlinigen Ton. Mal wird hektisch von Held zu Held gezappt, so dass wir kaum zu Ruhe kommen und irgendwie den Überblick verlieren. Dann bleibt der Film ganz lange in einer Szenerie, entwickelt diese Man of Steel-Ruhe, die Zeit zum entfalten bietet, die einer Figur ihren Charakter verleiht, die aber eigentlich nur ein einziges Mal wirklich angebracht wird.

Und dann wären da noch die Zankereien im Team, die immer irgendwann beginnen müssen, hier aber niemals zu Ende geführt werden. Wonder Woman ist enttäuscht von Bruce Wayne, darf sich am Ende aber nur ein “Ich hab’s doch gesagt” anhören. Cyborg will mit dem ganzen Team nichts zu tun haben, nur um im nächsten Moment dann doch dazugehören zu wollen. Ähnlich geht es Aquaman, der lieber Muskeln zeigt und Whiskey aus einer Kaschemme klaut als sich um Heldentaten zu kümmern. Und der Flash ist recht schnell vom Justice League-Konzept überzeugt, denn er sucht eigentlich nur Freunde.

Es wirkt alles wenig überlegt und überstürzt abgehandelt. Die Helden haben eine Überzeugung, die binnen weniger Sekunden umgedreht wird, weil das Drehbuch einfallslos versucht, die DC Helden möglichst schnell zu vereinen. Dispute, Probleme, Charakterisierungen werden dabei außen vor gelassen. Hier entstehen Lücken, die vom geneigten Comicleser gefüllt werden können, nicht aber vom allgemeinen Kinopublikum, nicht einmal von kontinuierlichen DC Extended Universe-Kinogängern.

Justice League
Jim Gordon (J. K. Simmons) trifft Batman, Wonder Woman, The Flash und Cyborg.

Steppenwolf ist noch ein weiteres Problem, dass uns gehörig nerven sollte. Denn wo er eigentlich als ultimative Bedrohung auftreten muss, der die gesamte Justice League in Schach hält, ist er eigentlich nur eine CGI-Anomalie aus den frühen 2000er Videospielen. Und auch wenn sich Ben Afflecks Batman über den Dächern Gothams bewegt, schaut das arg nach Computeranimation aus, während man sich bei den gedämpft klingenden Unterhaltungen der Atlanter unter Wasser fragt, wie man mit so einem dumpfen Ton einen anstehenden kompletten Film überstehen soll – die Antwort wird sein, möglichst wenig Zeit unter Wasser zu verbringen.

Interessant auch die Frage nach der Ausschöpfung des Budgets. Denn gerade im Endkampf hätte es ein paar Komparsen mehr benötigt, um die Bedrohung Steppenwolfs und seiner Paradämonen deutlich zu machen. Wo ein ganzes Dorf evakuiert wird, sehen wir lediglich eine Familie auf der Flucht. Immer wieder wechselt die Handlung zu diesen paar Köpfen, wie sich sich zuerst verzweifelt in ihrem Haus verschanzen, dann flüchten, dann ein wenig Hilfe von Flash bekommen. Drumherum muss so einiges mehr an Chaos herrschen, das aber gänzlich ausgeblendet wird, womit das Ausmaß der Katastrophe – rein filmisch – äußerst verringert wird.

Justice League hat einige klitzekleine nette Ansätze sowie Darsteller, die großartig in ihren jeweiligen Rollen sind. Jeder einzelne von ihnen verdient einen gut geschriebenen Solo-Film und ein grandioses Miteinander. Hier allerdings verkümmert ihr Helden-Dasein in einem belanglosen, handlungsschwachen Flickenteppich, der deutlich zeigt, dass Warner und DC immer noch nicht wissen, worauf sie mit ihrem Extended Universe gerne hinarbeiten würden.

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