Machen wir uns nichts vor. Der Beginn von Batman v Superman: Dawn of Justice ist großartig. Regisseur Zack Snyder ist es im Nachhinein gelungen, ein Cinematic Universe zu erschaffen, an das vorher nie gedacht worden ist. Hier aber lernen wir nun Ben Affleck als Bruce Wayne kennen, der die Ereignisse aus Man of Steel aus seiner Perspektive erlebt. Als Sterblicher rennt er durch die Straßen um Menschenleben zu retten, während Superman Henry Cavill und General Zod ihren gottgleichen Kampf am Himmel austragen ohne an die Kollateralschäden zu denken.

Ben Affleck ist als Bruce Wayne und als Batman eine geniale Besetzung. Ihm gelingt dieses überaus menschliche Mitgefühl zu spielen, wenn durch Supermans Taten ein ganzer Gebäudekomplex von Wayne Enterprises in Schutt und Asche gelegt wird und hunderte Menschen ihr Leben lassen müssen. Schon zu Beginn wird der Grundstein von Antipathie, Missgunst und Misstrauen gelegt. Das übermenschliche Alien und der in Eigenjustiz handelnde Multimilliardär müssen unweigerlich aufeinander prallen.

Dabei hilft es nicht sonderlich, dass auch Lex Luthor (Jesse Eisenberg) mitmischt und den Hass der beiden aufeinander noch weiter anstachelt. Er will Kryptonit importieren, verschafft sich Zugang zu der Leiche von General Zod (Michael Shannon) und entfacht später die genetische Mutation Doomsday, während er Martha Kent (Diane Lane) entführt um Superman dazu zu bringen, Batman zu töten.

Batman v Superman: Dawn of Justice
Lex Luthor (Jesse Eisenberg) versucht Superman dazu zu bringen, Batman zu töten und umgekehrt.

Wir sehen dass sich Synder ansatzweise Gedanken über das DCEU gemacht hat. Es ist schlicht schön zu sehen, dass Zods abgestürztes Raumschiff nicht mal eben so schnell weggeräumt werden konnte, sondern immer noch in der Landschaft – im indischen Ozean – herumliegt, da es sich um äußerst umfangreiche Aufräumarbeiten handeln dürfte. Das verleiht diesem Cinematic Universe eine gewisse Konstante in seinem Storytelling.

Schön dann auch, dass DC direkt mit der Kritik an den guten Taten von Superhelden einsteigt, die nun einmal auch Konsequenzen auf die Welt und ihre Bevölkerung haben. Während dies im Marvel Cinematic Universe erst mit dem Civil War richtig zur Sprache kam, wird hier gleich im zweiten Film diese Frage diskutiert.

“Mir ist es egal was die Menschen sagen, wenn die Frau die ich liebe in Lebensgefahr schwebt”. Auch Superman outet sich hier als von Emotionen gesteuertes Wesen, was ihm zwar eine gewisse Menschlichkeit verleiht, allerdings gepaart mit seinen kryptonischen Superkräften, die aus ihm einen Übermenschen machen.. Natürlich handelt sein größter Ankläger – Batman – nicht viel besser. Auch er setzt sich über die Polizei hinweg und handelt auf eigene Faust, so wie er denkt dass es richtig sei.

Leider erstreckt sich diese Diskussion ins Unendliche, wirkt irgendwann nur noch zäh und überhaupt äußerst unfokussiert in Szene gesetzt. Wir wissen zu Beginn gar nicht, wohin der Film uns lenken möchte. Ist es nun Batman v Superman, ist es Dawn of Justice oder doch eher ein Man of Steel 2, wenn Lex Luthor seinen Hass gegen Superman ausleben möchte – aus welchen Gründen auch immer, so ganz kann uns der Film das auch nicht erklären.

Dabei ist Jesse Eisenberg eine derbe Fehlbesetzung für die Rolle eines jungen Luthors. Er erinnert mehr an den von Jim Carrey verkörperten Riddler in Batman Forever oder an Jamie Foxx als Electro in The Amazing Spider-Man 2. Alle drei Figuren sind vom Prinzip her derselbe Charakter. Überdreht, hibbelig, nerdig, größenwahnsinnig und nach etwa fünf Minuten nervig.

Man möchte diesem Lex Luther zumindest dafür beglückwünschen, dass er so derbe socially awkward und genial daherkommt, dann aber muss man unweigerlich darüber nachdenken, wie er den ganzen Film über versucht unsere beiden Superhelden zu manipulieren um am Ende doch zur schlichten Entführung zu greifen. Damit hätte man etwa 100 Minuten aus der Mitte des Films streichen können.

Dann wäre uns vielleicht auch erspart geblieben, das Batman auf einmal tötet – was er in den Comics zwar auch schon getan hat, aber hier so wahllos wirkt und die Figur in keiner Weise weiterbringt. Darüber hinaus erschafft Lex Luthor den allmächtigen Doomsday in der letzten halben Stunde des Films, womit einer der tödlichsten Gegenspieler des Kryptoniers entzaubert und entkräftet wird.

Batman v Superman: Dawn of Justice
Klare Rollenverteilung: Wonder Woman (Gal Gadot) stiehlt in nur wenig Screentime die Show.

Während Batman einen großartigen Auftritt in einem Lagerhaus bekommt und sich zynische Dispute mit Butler Alfred (Jeremy Irons) liefert, als Bruce Wayne auf Diana Prince (Gal Gadot) treffen darf, die später in nur fünf Minuten als Wonder Woman den beiden männlichen Helden komplett den Film stiehlt, bleibt Superman hier etwas zurück und hat kaum etwas zu tun. Zack Snyder gelingt es nicht, seinem Dawn of Justice ein Gleichgewicht der Helden mitzugeben.

Batman v Superman ist unterhaltsam, hätte aber für das erste filmische Aufeinandertreffen des Dark Knights und des Man of Steel so viel mehr sein können als ein Kampf mit einem eher betrüblich-schlichen Ausgang. Es fehlt ein Man of Steel 2 und ein Batman Solo-Movie, die beide noch im Vorfeld hätten stattfinden müssen, um Dawn of Justice aufzubauen.

Darüber hinaus wirkt der krampfhafte Versuch Aquaman (Jason Momoa), The Flash (Ezra Miller) und Cyborg (Ray Fisher) auch noch unterzubekommen gänzlich lächerlich. In der Ruhe liegt die Kraft. Und so ruhig Batman v Superman in seinen fast drei Stunden auch wirken mag, ausgerechnet hier verfällt er in unnötige Hektik.