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Es bedarf wahrlich eines Weihnachtswunders in Regisseur George Seatons 1947er Klassiker „Das Wunder von Manhattan“, in dem Darsteller Edmund Gwenn als Weihnachtsmann Kris Kringle durch die Straßen der Großstadt tingelt, um sich ein Bild davon zu machen, wie sehr sein Weihnachtsfest bereits dem Kommerz verfallen ist.

Das reicht von der falschen Anordnung seiner Rentiere im Schaufenster eines Ladengeschäfts bis hin zur der großen Thanksgiving-Parade, auf der ein betrunken-verkleideter Taugenichts als Weihnachtsmann auftreten und vermeintlich die Kinder verschrecken soll. Die Verantwortliche Dame, Miss Walker, feuert den Festtagsschreck und findet in Kris Kringle einen wunderbaren Ersatz. Er spielt den Weihnachtsmann überzeugend und liebevoll und findet sich schon bald inmitten einer Vermarktungsstrategie wieder, die er durch seine natürlich besinnliche Ausstrahlung komplett zu boykottieren versteht.

Während des bunten Treibens zweier Großmärkte in New York, die in der Ehrlichkeit dieses Mannes, der sich tatsächlich für den echten Weihnachtsmann hält, eine neue brillante Marketingmasche sehen, kümmert sich Kris Kringle um allerhand Menschen, deren Weihnachtsgeist erneuert, aufgebaut oder bestärkt werden muss. Wie zum Beispiel die kleine Susie (Natalie Wood), Tochter von Miss Walker, die viel Wert darauflegt, eine möglichst pragmatisch-ehrliche Erziehungsmethode zu verfolgen. So glaubt Susie weder an Märchen noch an Fantasiefiguren, also auch nicht an den Weihnachtsmann. Eine peinliche Sache, wenn man so kindliche Glaubenswelten hat, findet Susie.

Trotz der Tatsache, dass dies natürlich kein Zustand sein sollte – und das findet auch der Weihnachtsmann – präsentiert uns „Das Wunder von Manhattan“ mit Maureen O’Haras Figur eine unfassbar moderne Frau für die Spät-40er Jahre, die als alleinerziehende Mutter von Pragmatismus, Rationalität und ihrem selbständigen Karrierebewusstsein geprägt ist.

Derweil gelingt es Edmund Gwenn als Kris Kringle eine großväterliche Unbekümmertheit zu vermitteln, er spielt diesen gutherzigen alten Mann, bei dem man sich in jedem Alter auf den Schoß setzen wollen würde, um ihm seine Herzenswünsche mitzuteilen. Und wenn er sich dann doch einmal cholerisch gegen die Weihnachtsgegner wendet, ist die Wirkung groß, aber immer noch irgendwie großväterlich anrührend.

„Das Wunder von Manhattan“ übernimmt aber nicht die Aufgabe, uns zu erzählen, ob dieser Kris Kringle tatsächlich der Weihnachtsmann ist und fordert uns damit ebenso heraus, uns auf die Wahrhaftigkeit einzulassen – oder eben auch nicht: Vertrauen heißt, an die Dinge zu glauben, die die Vernunft verneint, ist die Message des Films. Und so spielt dieser mit seiner moralischen Phrase und fordert uns vielmehr dazu auf, einfach zu Vertrauen und die Vernunft in Sachen Weihnacht auszuschalten.

Ausgerechnet ein fieser Psychiater wird zum Weihnachtsmann-Gegenspieler gemacht, natürlich ein solcher Mensch, dessen Beruf nun einmal den Verstand des Menschen in den Mittelpunkt stellt. Er möchte Kris Kringle in eine Anstalt stecken, das Verfahren landet vor Gericht, wo der Anwalt Fred Gailey (John Payne), der sich darüber hinaus wunderbar mit der kleinen Susie versteht und Interesse an ihrer Mutter zeigt, als kindlichstes Gemüt des Films zeigt, wenn er klar macht, dass er beweisen wird, dass man es mit dem echten Weihnachtsmann zu tun habe. Dank der gerichtlichen Auseinandersetzung dieses immens merkwürdigen Falles, zeigt die Presse ein Übermaß an Interesse an der Weihnachtsmanngeschichte.

„Das Wunder von Manhattan“ ist eine anrührend schöne Weihnachtsgeschichte, die sich an die zu erwachsene Gesellschaft richtet, die sich zumindest einmal im Jahr davon trennen sollte, den Verstand über alles zu stellen um ein wenig Glauben (an den Geist der Weihnacht) in dieser Zeit des Jahres zuzulassen.