Filmkritik

Noch einen Apfelkuchen bitte! ‘American Pie 4’

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© Universal Pictures - Alyson Hannigan, Jason Biggs und Seann William Scott spielen in 'American Pie: Das Klassentreffen' noch einmal ihre Rollen als Jim & Michelle Levenstein und Steve Stifler

Mit bisher zwei offiziellen Fortsetzungen und einer ganzen Reihe von Direct-to-DVD-Veröffentlichungen, hat sich ‚American Pie‘ zu einem Komödien-Franchise entwickelt, welches für ‚How I Met Your Mother‘-Darstellerin Alyson Hannigan der Schritt weg von ‚Buffy – Im Bann der Dämonen‘ war und Seann William Scott als Stiffmeister zur heimlichen Hauptfigur der Serie machte. Während für den dritten Teil der ursprünglichen Trilogie – ‚American Pie: Jetzt wird geheiratet‘ – nicht alle Darsteller gewonnen werden konnten – Chris Klein, Tara Reid, Mena Suvari, Chris Owen, Shannon Elizabeth und Natasha Lyonne ließen sich entschuldigen – werden bei ‚Das Klassentreffen‘, der vierten offiziellen Episode, natürlich alle ehemaligen Schüler der East Great Falls High School zu ihren Wurzeln zurückkehren. Bei dieser Wiedervereinigung verbringen die Freunde ein längt überfällig gewordenes, gemeinsames Wochenende in der alten Heimat und entdecken dabei, was sich inzwischen geändert hat, wer sich nicht geändert hat und das die lange Zeit, die sich die Freunde nicht gesehen haben sowie die große Entfernung, die zwischen ihren Leben liegt, ihre Freundschaft nicht auseinanderbringen konnte.

Jason Biggs als Jim und Alyson Hannigan als Michelle

Was die Zuschauer vor zwölf Jahren geboten bekommen haben, war ein Einblick in die Subkultur der amerikanischen Teenagerwelt, bei der eine ganze Reihe von vorpubertären Themen angesprochen wurden, die bis dahin nur selten in solch gesammelter Form in nur einem Film zum Vorschein kamen. Im Gegensatz zu den vier ‚American Pie‘-Episoden, die ab 2005 nur noch auf DVD erschienen sind und außer den Schauspielern Eugene Levy (Jim’s Dad) und Chris Owen (Chuck Sherman) keine Verbindungen mehr zu der Kinotrilogie besaßen, konnte sich damals kaum einer dem ‚American Pie‘-Hype entziehen, der durch die berüchtigte Apfelkuchen-Szene, die bereits im Kinotrailer enthalten war, schon vorab ausgelöst wurde. Derweil etablierte Alyson Hannigan ihre Geschichten aus dem Ferienlager und erschuf mit dem „Damals, im Ferienlager…“-Zitat einen in die Popkultur vorgestoßenen Ausspruch. Aber die Herangehensweise könnte dabei platter nicht sein: Es geht um die erste Freundin, um das Führen einer guten Beziehung, um den „Romantik“-Begriff, Selbstbefriedigung und den ersten Sex – man könnte meinen, der Film funktioniert für sein Zielpublikum wie ein großer Liebes-Almanach, ein Kamasutra für die jüngere Generation. Neben sexuellen Anspielungen, die lieber direkt als versteckt gemacht werden, kümmert sich ‚American Pie‘ zusätzlich um das typische Bild, welches an amerikanischen High Schools, aber eigentlich auch an Schulen auf der ganzen Welt, vorherrscht: die beliebten Sportler, die von der gesamten Mitschülerschaft bewundert werden liegen im Clinche mit den ewigen Verlierern, den Nerds, die es nicht verstehen sich so in Szene zu setzen, dass sie die Beliebtheitsskala nach oben wandern. Hier ist Schauspieler Chris Klein die Schlüsselfigur, ein erfolgreicher Footballspieler der dem Gesangsclub der Schule beitritt – und zwar lange Zeit vor der Fernsehserie ‚Glee‘ – und damit seinen Beliebtheitsstatus aufs Spiel setzt. Ein Sperma-trinkender Seann William Scott, der in den folgenden Filmen immer wieder die Ekelsequenz ins Drehbuch geschrieben bekommen hat, sei es das Trinken seines eigenen Urins oder das Essen von Hundekot, Nacktszenen mit Shannon Elizabeth oder der finale und wiederkehrende Auftritt von Jennifer Coolidge als Stiflers Mom, haben den ersten Teil der ‚American Pie‘-Reihe zu seinem Erfolg geführt. Und Erfolg ist in Hollywood grundsätzlich gleichzusetzen mit einer Fortsetzung.

Seann William Scott als Stifler

Nach Paul und Chris Weitz übernahm mit J. B. Rogers ein unbekannter Mann den Platz des Regisseurs. Da er im ersten Teil als Second Unit Director aktiv war, hatte er immerhin schon einen gewissen Bezug zur Materie. Er wählte den sicheren Weg, verlagerte die Handlung von der High School aufs College und wiederholte, was den ersten ‚American Pie‘-Film so beliebt gemacht hatte. Mit seinem Eröffnungsgag legte er den Grundstein für seine Inszenierung. Wurde Jim ein Jahr zuvor noch von seinen Eltern bei der Masturbation erwischt, hat sich sein Leben insofern gewandelt, dass er nun zumindest eine Freundin vorzuweisen hat. Damit ist das Chaos natürlich perfekt, wenn sowohl ihre als auch Jims Eltern ins Zimmer kommen und ihre Sprösslinge beim Sex erwischen. In der Fortsetzung werden unter dieser Herangehensweise die Witze des Vorgängers genommen und noch ein wenig weiter getrieben. Ansonsten greift ‚American Pie 2‘ die Themen auf, die im ersten Teil noch nicht behandelt wurden, aber in dieselbe Schublade gehören: Wie lebt man nach der Trennung als Freunde weiter, wie führt man eine Fernbeziehung und wie geht man mit einem One-Night-Stand um?

So viele Probleme hatte der dritte Teil dann nicht mehr zu bieten. Hier stehen dann nur noch zwei Geschichten im Vordergrund, von denen die Hauptstory sogar in den Schatten des Subplots gedrängt wird. Im Fokus sollte natürlich die Heirat von Jim und Michelle stehen, die mit der Unterstützung von ihren Freunden – einige Schauspieler sind nicht mehr dabei – eine traumhafte Zeremonie und Feier organisieren wollen. Aber nachdem es sich in den ersten beiden Teilen bereits abzeichnete, spielt sich hier Seann William Scott noch mehr in den Mittelpunkt als in den bisherigen ‚American Pie‘-Filmen. Mit einer Storyline, die seine Figur Stifler und den durchgängig von ihm gehänselten „Heimscheißer“ Finch die Rollen tauschen lässt, kann man dem Film auch nicht böse sein, dass diese Verschiebung der Hauptfiguren stattgefunden hat. Ansonsten merkt man hier aber schon, dass Hollywood die letzten Reserven an Kreativität aufbringen musste, um diesen Film zu realisieren. Nicht nur dass sich Seann William Scott zum Hauptdarsteller gemacht hat, die weiblichen Rollen – mit Ausnahme von Alyson Hannigans Michelle – sind allesamt nicht mehr präsent, wodurch die Fortsetzung zum klaren Jungsfilm geworden ist.

Wo der dritte Teil also unter der Abwesenheit eines großen Teils der Stammbesetzung zu leiden hatte, genießt die vierte Episode das Privileg, dass alle ursprünglichen Schauspieler zurückgekehrt sind. Unter der Regie von Jon Hurwitz und Hayden Schlossberg, die selbst mit den ‚Harold & Kumar‘-Filmen eine erfolgreiche Komödien-Filmreihe ins Leben gerufen haben, könnte die gute alte Zeit bei diesem Klassentreffen tatsächlich noch einmal aufleben.

‘American Pie: Das Klassentreffen’ startet offiziell am 26. April 2012 in den deutschen Kinos.

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