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Das große Digitalisierungs-Interview / Teil 4 von 4

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Nachdem wir uns in den vorangegangenen Interview-Teilen (Teil 1, Teil 2, Teil 3) vorrangig mit der Situation der Digitalisierung in Deutschland, speziell auch im Bielefelder Lichtwerk, beschäftigt haben, wollen wir nun weiter über den Tellerrand hinausschauen. Wie weit ist die Digitalisierung in anderen Ländern vorangeschritten und welchen Stellenwert hat dieser Prozess dort?

filmtogo: Nun haben wir die ganze Zeit über das Lichtwerk speziell und auch die Vorgänge in Deutschland gesprochen, aber wie sieht das eigentlich in anderen Ländern aus? Wie steht Deutschland im internationalen Vergleich da? Ist die Digitalisierung andernorts schon weiter vorrangeschritten oder sind wir hier die großen Vorreiter?

Matthias Gossmann: Ja, die ist teilweise sogar schon abgeschlossen. Also es gibt europäische Nachbarländer, da gab es in letzter Zeit recht günstig 35mm Projektoren zu kaufen oder zu verschenken. Holland zum Beispiel, Holland ist mehr oder weniger durchdigitalisiert. Frankreich ist dabei durchdigitalisiert zu werden, Norwegen ist fertig. Ich könnte jetzt noch ein paar Beispiele nennen, also Deutschland ist sehr spät, was das angeht. Und das liegt auch daran, dass das Fördersystem da nicht eindeutig war, das nicht klar war, wie beteiligen sich eigentlich die unterschiedlichen Personen an dieser ganzen Finanzierung. Also dass die Verleiher nicht gesagt haben, wir tun da unseren Obulus dazu und helfen dabei. Das hat halt lange gedauert, bis da was klar war.

filmtogo: Also ist Deutschland da eher rückständig?

Matthias Gossmann: Das hat nichts mit Rückstand zu tun, sondern da geht es wirklich darum, dass es eine Förderkultur in Deutschland gibt, also jede Art von hochkultureller Institution wird gefördert. Es ist normal, dass ein Theater gefördert wird, es ist normal, dass eine Spielfilmproduktion gefördert wird. Das ist nicht in jedem Land so. In den skandinavischen Ländern, wie Dänemark zum Beispiel, ist es tatsächlich völlig normal, dass es keine Filmförderung gibt. Und das ist dann in vielen Bereichen eben auch so. Und dann fangen die Leute an, auch Kinomacher und sagen: „Ach, ich digitalisiere jetzt einfach!“ und warten gar nicht auf eine Förderung und hoffen, das Geld kommt dann irgendwann wieder rein. Das kommt dann vielleicht über reduzierte Filmmieten rein, die Verleiher haben sich in vielen anderen Ländern über reduzierte Filmmieten beteiligt, also das sie den Verleihsatz eben gesenkt haben. Und das ist eher eine Frage von Engagement und Technik-Affinität, also auch in Deutschland gab es schon vor 15 Jahren Kinobetreiber, die digitalisiert haben. Die haben das gemacht, weil sie die Ersten sein wollten oder so. Insgesamt war klar es muss gewartet werden für die gesamte Branche, wer fördert eigentlich mit welchen Mitteln was, und wie teuer wird der ganze Spaß.

filmtogo: Hat sich denn in den letzen Jahren auch, also im Gegensatz zu vor 15 Jahren, in der Digitalisierungstechnik schon was erneuert? Oder ist das bisher immernoch der neuste Stand?

Matthias Gossmann: Also die Technik die vor 10 Jahren installiert wurde ist natürlich nicht der Stand der Dinge. Inzwischen spricht man von 2. bis 3. Generation bei der Digitalisierung, bei den Projektoren. Und die nächste Generation steht an. Also noch hochauflösender, nicht 2K sondern 4K. Da muss man sich irgendwann fragen, wo soll das hinführen, wer sieht das denn noch? Ich behaupte mal, das man das auf einer Leinwand, die in Bielefeld verfügbar wäre nicht sehen kann, aber was solls, Aufrüsten ist angesagt. Die werden sich nicht geärgert haben. Also man konnte schon vor 10 Jahren Werbung machen mit sowas wie: wir spielen digital. Und da wurde dann vielleicht auch mehr Eintritt genommen, für einen digital vorgeführten Film, das ist in Köln so passiert beispielsweise. In Nürnberg gibt es einen Kollegen, der macht das seit Jahren so, dass er den Leuten die Wahl lässt, ob sie sich den Film anschauen in analog für 6,50€ oder digital für 8,50€. Und die analog Projektion fällt meistens aus, weil die Leute alle digital gucken wollen, selbst wenn es nicht 3D ist. Also so ein Stempel wie “Digital” funktioniert dann offensichtlich so gut…wir werden aber nicht die Preise erhöhen. Also wir werden das nicht zum Anlass nehmen um teurer zu werden, das haben wir nicht nötig und es gibt auch keinen Grund dafür.

filmtogo: Ich bedanke mich ganz herzlich für das Gespräch.

Das Interview wurde von Sarah Peters geführt.

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