Man nehme einen Drama-Darsteller, der damalig jüngst zum Jedi wurde (Liam Neeson), ein 90er Jahre Hottie, deren Stern gerade am aufsteigen war (Catherine Zeta-Jones), einen noch nicht allzu bekannten Comedian (Owen Wilson) und die Schauspielerin, die von sich sagen konnte I Shot Andy Warhol (Lili Taylor) und fertig ist das merkwürdigste Ensemble für einen Horrorfilm wie Das Geisterschloß, der 1999 von Actionfilm-Regisseur Jan De Bont (Speed 1+2, Twister, Lara Croft: Tomb Raider – Die Wiege des Lebens) inszeniert wurde.

Im Film spielt Lili Taylor (die inzwischen Gefallen an Horrorfilmen gefunden hat, wie ihre Rollen in The Conjuring und Leatherface beweisen) Eleanor Vance, die für eine Studie zu Schlaflosigkeit nach Hill House eingeladen wird, einem abgelegenen Anwesen in Massachusetts. Mit ihr nehmen noch zwei weitere Personen an der Studie teil: Luke (Wilson) und Theodora (Zeta-Jones), während Dr. Marrow (Neeson) die Leitung inne hat.

Was Eleanor, Luke und Theodora nicht wissen, ist, dass Dr. Marrow in Wahrheit Angst erforscht und die Teilnehmer der Studie einer erhöhten Dosis von puren Terror aussetzen möchte, um ihre Reaktionen hierauf zu erforschen. Er erzählt ihnen die Geschichte des Hausbesitzers Hugh Crain, der das gigantische Anwesen für sich und seine Frau gebaut habe, um hier mit zahlreichen Kindern leben zu können. Aber alle Kinder des Ehepaars seien bereits bei der Geburt gestorben und Crains Frau habe sich dann das Leben genommen, während ihr Mann sich vom Rest der Welt abgeschottet habe.

Das Geisterschloß
Lili Taylor als Eleanor Vance

Eleanor erlebt übernatürliche Phänomene in dem Haus und ist schon bald davon überzeugt, dass die toten Kinder hier als Geister herum spuken und mit der Boshaftigkeit des Haus-Erbauers verflucht sind, so dass sie nicht in ihr friedvolles Totenreich überwechseln können.

Die kleinen Engelsgesichter der Kinder schmücken das gestylte Anwesen an jeder Ecke und verleihen der Atmosphäre nicht nur einen gotischen Touch, sondern sorgen auch für unheimliche Momente, in denen man sich immer beobachtet fühlt. Ein Wunder, dass Eleanor und die anderen Versuchsteilnehmer hier überhaupt zur Ruhe kommen. Allein die Gestaltung des Hauses könnte für schlaflose Nächte sorgen.

Dem Film gelingt es gleich mehrfach mit seiner verstaubten Atmosphäre eine Gänsehaut-Stimmung zu etablieren und kommt hierfür gänzlich ohne plötzliche Schock-Momente aus. Wenn die Geister durch den Raum schweben, durch einen Vorhang oder die Bettdecke Form annehmen, dann stockt unweigerlich der Atem, da es eine andauernde übernatürliche Beobachtung ist, die umso gruseliger, umso gespenstischer wirkt, da sie nicht einer hektischen MTV-Optik zum Opfer fällt. Wenn dann Craine durch das Haus selbst in Erscheinung tritt, fühlt man nur allzu gut den Drang der Figuren, diesem Haunted House zu entfliehen.

Das Geisterschloß
Luke (Owen Wilson) schaut sich die unheimlichen Engelsgesichter an, die es im ganzen Haus gibt.

Aber wir befinden uns auch in den 90er Jahren und es hat gute Gründe, weshalb Jan De Bont nach seiner Regiearbeit beim zweiten Tomb Raider-Film mit Angelina Jolie keine weiteren Jobs in Hollywood mehr hatte. Der Schnitt in Das Geisterschloß ist furchtbar und reißt uns jedesmal aus dem Storytelling heraus. Es ist einfach Lachhaft, wenn die Schauspieler auf etwas reagieren sollen, dies aber vom Filmschnitt so verkorkst wird, dass es so wirkt, als würden zwischen Ereignis und Reaktion mehrere Sekunden liegen.

Ein geisterhaftes Phänomen tritt in Erscheinung, es vergeht einige Zeit, dann folgt die Reaktion von Catherine Zeta-Jones, ein weiterer Schnitt, der wieder für zehn Sekunden Wartezeit verantwortlich ist und wir dürfen auch Liam Neesons erschrecktes Gesicht sehen. Das führt dazu, dass sich die Filmhandlung unglaublich stockend und ruckelig anfühlt. Iimmer wenn es etwas drastischer zur Sache geht und man hoffen würde, dass ein Actionfilm-Regisseur wie De Bont hier etwas mehr Dynamik reinbringen könnte, werden wir mit einem unsinnigen Schnitt bestraft. 

Nichtsdestotrotz ist Das Geisterschloß ein ziemlich guter Haunted House-Film, weil er genau weiß, was er sein will, was er zu liefern hat und wie er mit seinen Schauspielern umzugehen hat, um uns über die ganze Laufzeit hinweg in die Stimmung dieses von Gespenstern bevölkertes Horrorhaus eintauchen zu lassen.

Natürlich ist Das Geisterschloß unter Jan De Bont eher ein 90er Jahre Spektakel, das vor allem in der letzten halben Stunde ein paar Effekte heraushängen lässt, die aber im Jumanji-Style einfach gut in die Atmosphäre passen und in keiner Weise lächerlich wirken würden.