Filmkritik

“Twilight: Breaking Dawn – Teil 2” von Bill Condon

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© Concorde Filmverleih GmbH / Bella (Kristen Stewart) mit Tochter Renesmee (Mackenzie Foy) und Ehemann Edward (Robert Pattinson) sowie Jakob (Taylor Lautner) in “Breaking Dawn – Teil 2”

Die „Twilight“-Saga ging durch so viele Hände: Mal ganz davon abgesehen, dass die US-Schriftstellerin Stephenie Meyer sich eine ähnlich goldene Nase wie Joanne K. Rowling durch ihre „Harry Potter“-Geschichten verdient haben dürfte, waren mehrere Filmemacher im Verlauf der vergangenen Jahre damit beschäftigt, die Ménage à trois zwischen Vampir Edward Cullen, Werwolf Jakob Black und Menschenfrau Bella Swan auf die Leinwand zu transportieren. Angefangen bei Catherine Hardwicke („Twilight“), über Chris Weitz („New Moon“) bis hin zu David Slade („Eclipse“), wird es aber wohl Bill Condon bleiben, der mit seinem zweiteiligen Abschluss „Breaking Dawn“ dem Franchise eine gewisse Qualität verliehen hat. Vorher als Frauenschmonzette abgestempelt, als bloße Fleischbeschau für vorpubertierende Mädchen, die einen heiß begehrten Blick auf die blanken Oberkörper von Hauptdarstellern Robert Pattinson und Taylor Lautner erhaschen wollten, wandelte sich mit dem Finale der „Twilight“-Saga die Erzählung zu einem teilweise blutigen Fantasythriller. Kaum mag man den mageren Körper vergessen, der am Ende von „Breaking Dawn – Teil 1“ die Überreste von Bella Swan darstellen sollte, nach der Geburt ihrer Tochter Renesmee, ein Anblick entnommen aus einem Horrorfilm.

Und auch in „Breaking Dawn – Teil 2“ gibt es solche Szenen. Eine Schlacht am Ende des Films, auf einem offenen Schneefeld, wo rot auf weiß besonders gut sichtbar ist. Hier stehen die Vampirclans gemeinsam mit den Wölfen gegen die Volturi, dem Vampirzirkel, der die Gesetze in der übernatürlichen Welt der Blutsauger bestimmt und kontrolliert. Hier werden Köpfe abgerissen und –gebissen, die verfeindeten Parteien gehen nicht gerade zimperlich oder gar Zielgruppengerecht miteinander um. Bella ist derweil erwacht, wurde im Finale des ersten „Breaking Dawn“ von Edward zum Vampir gemacht, sonst hätte sie die Geburt ihrer Tochter nicht überlebt. Nun ist sie Mutter, Vampir, Neugeboren, ein besseres Wesen wie zuvor. Jacob wurde währenddessen geprägt, hat sein Schicksal mit dem der Cullen-Tochter Renesmee verknüpft, wird auf ewig nicht von ihrer Seite weichen. Aber Renesmee, dieses außergewöhnliche Mädchen, halb Mensch halb Vampir, gerät in den Fokus der Volturi, die glauben, hier ein unsterbliches Kind vor sich zu haben. Ein Vergehen, das mit dem Tod geahndet werden muss.

Emmett Cullen (Kellan Lutz) legt sich mit Vampir-Bella (Kristen Stewart) an.

Schon mit dem ersten Teil von „Breaking Dawn“ überrascht Bill Condon, befriedigte die Twi-Hards, die härtesten aller „Twilight“-Fans mit einer überromantischen Hochzeitssequenz, lieferte darüber hinaus aber den bis dahin stärksten Teil der Reihe ab. Nun hat er sich selbst noch einmal übertroffen, bringt „Breaking Dawn – Teil 2“, einen Film, der durch Witz, Selbstreflexion, Action, Horror und ein wenig Wehmut zu einer durchgängig unterhaltsamen Geschichte geformt wurde. Dieses Mal steht die Familie, der Zusammenhalt im Vordergrund. Die Volturi marschieren auf, alles andere stellt sich dagegen. Für eine gemeinsame Sache, für das Kind, für die Familie, die am Ende „forever“ zusammen sein wird. Hier ist noch kurz etwas zu spüren von den Untertönen des Romans: Kein Sex vor der Ehe hat sich inzwischen erledigt, nun ist die Treue das oberste Gebot, Sex kann es so viel geben wie nur möglich – das wird mit einem Augenzwinkern kommentiert – aber die Liebenden sollen gleich welcher Hindernisse sich ihnen in den Weg stellen, bloß auf immer und ewig zusammen bleiben. Aber über diese unterschwellig vermittelte Moral kann man getrost hinweg sehen, dann entfaltet sich ein amüsantes Action-Abenteuer.

Schön ist es mit anzusehen, wie Kristen Stewart endlich einmal Spaß zu haben scheint, Bella muss nicht mehr vom Leid ihres Lebens geplagt melancholische Gesichtsausdrücke hervorbringen, sie muss nun mit ihrem Blutdurst zurechtkommen, ihre neuen Kräfte erforschen, was der „Neugeborenen“, Frau-Jesus des „Twilight“-Universums, relativ leicht fällt. Dementsprechend hat sie Spaß an ihrem neuen Dasein als Vampirbraut, rennt mit irrer Geschwindigkeit durch die Wälder, geht auf die Jagt, reißt einen Berglöwen und darf dann auch einmal in der Sonne glitzern. Sie ist nun etwas ganz Besonderes. Aber nicht nur sie. Die Cullens rufen im bevorstehenden Krieg gegen die Volturi ihre Vampirfreunde zu Hilfe, diese eilen auch aus allen Ecken der Welt herbei – besonders Lee Pace, aus Tarsem Singhs „The Fall“ oder der kurzlebigen Fernsehserie „Pushing Daisies“ bekannt, darf hier in Erinnerung bleiben. Diese Verbündeten eint, dass es offenbar in jedem Clan einen Vampir mit besonderen Fähigkeiten gibt: es werden Elektroschocks verteilt, die Elemente kontrolliert, Schutzschilde aufgebaut – und auch in den Reihen der vermeintlich Bösen, den Volturi, dürfen Dakota Fanning, Cameron Bright und Jamie Campbell Bower als Jane, Alec und Caius ihre übernatürlichen Kräfte zeigen – womit „Breaking Dawn –Teil 2“ schon fast in das Genre der Superhelden-Filme gehört.

Jacob (Taylor Lautner) mit Renesmee (Mackenzie Foy).

Die Handlung spitzt sich immer mehr zu, läuft geradewegs auf diesen letzten Kampf hinaus, Vater Charlie Swan wird mit seiner neuen Lebensgefährtin in den Angelurlaub geschickt, nicht ohne vorher in die übernatürliche Welt eingeführt zu werden. Eine amüsante, vielleicht sogar die beste Szene aller „Twilight“-Filme, wenn sich Jacob vor ihm entkleidet, versucht zu erklären, dass in dieser Welt komische Dinge passieren. „Zieh das Shirt wieder an“, das wollte man Taylor Lautner so oft schon sagen, Robert Pattinson durfte es als Edward ebenfalls schon in Frage stellen – „Ziehst du eigentlich ständig dein Shirt aus?“. Dann folgt die Hose, ein verständnisloser Blick von Charlie-Darsteller Billy Burke, bis sich Jakob dann in seiner Wolfsgestalt zeigt. Diese Art der selbstreflexiven Komik, wenn der Film sich selbst nicht zu ernst nehmen mag, das ist die nötige Aufwertung, die einen erleichtert aufatmen lässt, eher Lacher hervorruft als Seufzer provoziert.

Dann der Endkampf, mit einem gewitzten Twist, unvorhergesehen geschehen hier Dinge, die sowohl „Twilight“-Kundige wie auch den normalen Kinogänger, unwissend der Geschichte gegenüber stehend, überraschen werden. Nicht nur, dass durch einen filmischen Trick ein filmreifes Ende geschaffen wurde, auch wird hier übermäßig viel Brutalität an den Tag gelegt. Familienmitglieder müssen sterben, sowohl die Cullens, als auch andere Vampire, Werwölfe und die Volturi müssen herbe Verluste einstecken. Die Hand grifffest in den Mund gelegt, werden hier Schädel vom Körper gerissen, die Wölfe beißen mehr als einem Volturi unschön das Haupt ab. Sentimental verabschiedet sich „Twilight“ dann von der Kinoleinwand. Im Abspann werden nicht nur die Bilder und Namen der an „Breaking Dawn – Teil 2“ beteiligten Darsteller gezeigt und genannt, die gesamte Saga wird mit einbezogen. Zuvor muss man dann aber doch noch eine Szene ertragen, in der Edward und Bella in einem Blumenmeer sitzen, sie ihm eine Erinnerung schenkt, ein Rückblick auf ihre Beziehung – nicht nur ein Geschenk an ihren Edward, auch an die Fans, die hier noch einmal die Geschichte rekapitulieren können. Solche Szenen bleiben in „Breaking Dawn – Teil 2“ an einer Hand abzählbar, Humor und Action dominieren, endlich ist auch Taylor Launer zu ertragen, obgleich sein schauspielerisches Talent inzwischen weit hinter Kristen Stewart und Robert Pattinson zurück liegt.

Zumindest dürften sich diese beiden Menschen, Stewart und Pattinson, auch nach dieser Karriere startenden und definierenden Filmreihe keine Gedanken machen, beide haben schon mehr als nur den Fuß in der Tür von anderen Produktionen. Und mit Bill Condons „Breaking Dawn – Teil 2“ ist der „Twilight“-Saga dann tatsächlich noch etwas gelungen, was „Harry Potter“ verwehrt geblieben ist: Man verabschiedet sich mit dem stärksten Teil der Serie.

Denis Sasse

“Breaking Dawn – Biss zum Ende der Nacht, Teil 2“

Originaltitel: The Twilight Saga: Breaking Dawn – Part 2
Altersfreigabe: ab 12 Jahren
Produktionsland, Jahr: USA, 2012
Länge: ca. 116 Minuten
Regie: Bill Condon
Darsteller: Kristen Stewart, Robert Pattinson, Taylor Lautner, Peter Facinelli, Elizabeth Reaser, Ashley Greene, Jackson Rathbone, Kellan Lutz, Nikki Reed, Billy Burke, Mackenzie Foy, Maggie Grace, Jamie Campbell Bower, Michael Sheen, Dakota Fanning, Cameron Bright, Rami Malek, Judith Shekoni, Lee Pace

Deutschlandstart: 22. November 2012
Offizielle Homepage: breakingdawn2-derfilm.de

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