Ein ganz normaler Arbeitstag, an dem man seinen Kollegen den Tod wünscht, weil sie wieder einmal besonders am nerven sind. Der Chef geht ohnehin mal so ganz und gar nicht. Daher kommt Das Belko Experiment von Regisseur Greg McLean gerade recht um ein paar aufgestaute Spannungen abzubauen. McLean hat nach einem Drehbuch von James Gunn (Guardians of the Galaxy) gearbeitet. Zusammen schotten sie ein Bürogebäude ab und geben den Angestellten eine simple Aufgabe: Tötet um zu Überleben.

Zu Beginn sind es noch circa 80 Mitarbeiter, die über eine Lautsprecheranlage gesagt bekommen, dass die meisten von ihnen in acht Stunden tot sein werden. Wer sich gegen die kommenden Anweisungen widersetzt, dem wird dank Mikrochip der Kopf zum explodieren gebracht. Einzig Mike Milch (John Gallagher Jr. aus The Newsroom und 10 Cloverfield Lane) versucht sich den Chip aus dem Hinterkopf zu pulen, was mit einer hoch-spannenden, aber auch schwer anzusehenden Szene quittiert wird.

Das Belko Experiment
John Gallagher Jr. kämpft in DAS BELKO EXPERIMENT ums Überleben

Das Belko Experiment schreckt nicht davor zurück, Die Tribute von Panem in Sachen Blutlust zu toppen, auch wenn die Regeln des Spiels eigentlich ähnlich sind. Vielmehr orientiert sich dieser Film an einen Mix aus dem weitaus brutaleren Battle Royale und The Raid, wenn als Schauplatz nur dieser kleine Bürokomplex dient.

Neben John Gallagher Jr. gibt es eine ganze Armada von Darstellern und Darstellerinnen, deren Gesichter man mal irgendwo gesehen hat. Da es sich insgeheim um einen James Gunn-Film handelt, bekommen wir seinen Best Buddy Michael Rooker und seinen Bruder Sean Gunn (Yondu und Kraglin in Guardians of the Galaxy) zu sehen. Aber auch John C. McGinley (Scrubs), Tony Goldwyn (aus der Divergent-Reihe) oder Melonie Diaz (Fruitvale Station) kämpfen ums Überleben.

Das ist gar nicht so einfach, wenn innerhalb von nur zwei Stunden 30 Menschen getötet werden sollen. Wer sich weigert, dem explodiert der Kopf. Wenn die Anzahl an Toten nicht erreicht wird, dann werden 60 Menschen getötet. Es folgt eine kurze Debatte, was man denn tun könne, bevor sich das Lager der Angestellten in zwei Parteien aufsplittet. Die einen nehmen sich der Aufgabe an, die anderen üben sich in Selbstverteidigung.

Das Belko Experiment
Michael Rooker (links) und David Dastmalchian (rechts)

Am Ende darf Überleben, wer die meisten Tode auf seinem Konto hat. Das Belko Experiment würde ein wunderbares Videospiel abgeben. Die Teilnehmer werden immer verzweifelter, drehen durch und leben ihre inneren Dämonen aus, wo sie hier doch den Freifahrtschein erhalten. Man stelle sich diesen einen Kollegen vor, um den man immer einen größtmöglichen Bogen macht und jetzt darf man mit ihm anstellen, was man möchte – man muss ihn sogar töten, um das eigene Leben zu retten. Da fallen die Fassaden von Moral und Anstand gänzlich von manchen Spielern ab.

Es ist also ein Battle Royale mit Anzugträgern und gehörigen Blood-Factor, der nicht immer ganz ernst zu nehmen ist und auch als amüsante Unterhaltung dienen kann. Vor allem wenn sich Das Belko Experiment dazu entscheidet, besonders brutale Bilder oder Massen-Exekutionen mit klassischer oder heiterer Popmusik zu unterlegen, nur um wie einst Clockwork Orange zu verwirren, indem ein brutaler Straßenkampf mit Gioacchino Rossinis La Gazza Ladra unterlegt wurde.

Das Belko Experiment ist keine neue, aber eine gut umgesetzte Idee, die abwechslungsreich genug ist, um uns durch dieses Gemetzel zu führen, ohne einen tieferen Sinn zu benötigen.