Filmkritik

“Da geht noch was!” von Holger Haase

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Florian David Fitz (links) mit Henry Hübchen (rechts) in "Da geht noch was!"

Florian David Fitz (links) mit Henry Hübchen (rechts) in “Da geht noch was!”

Irgendwo, vermutlich in den Verkaufszahlen der Kinobranche, steht geschrieben, das deutsche Gesichter wie Til Schweiger und Matthias Schweighöfer, demnächst stimmlich vereint in dem Kinderzeichentrickfilm Keinohrhase und Zweiohrküken, zu den erfolgreichsten Filmemachern und Schauspielern des Landes gehören. Gerade Schweiger nimmt sich dabei einer großen Aufgabe an, betont in Interviews immer wieder, dass er doch den deutschen Markt an einen gewissen filmischen Mainstream gewöhnen möchte. Hat er auch: Schweiger steht für Familienfilme in denen er zumeist seine Kinder unterbringt, Schweighöfer steht derweil eher für sich selbst in der Rolle eines gesellschaftlichen Außenseiters, der aber doch noch alles zum Guten wenden kann. Dann ist da aber noch Florian David Fitz. Dieser Herr lässt sich im Gegensatz zu den ‘Erfolgreichen’ in keine Schublade stecken. Er spielt in Komödien, die einen ernsten Unterton zeigen (Vincent will Meer), traut sich an historische Literaturverfilmungen (Die Vermessung der Welt) und schafft es bei seinem neuesten Auftritt sogar, die ewig gleiche Leier um Mann trifft Frau und will ihr Herz erobern zur Randerscheinung werden zu lassen. In Da geht noch was! steht nämlich viel mehr das disharmonierende Miteinander der Generationen im Mittelpunkt.

Und für diese Glanzleistung ist er zumindest teilweise zur Verantwortung zu ziehen. Als Regisseur sitzt zwar Holger Haase im Chefsessel, arbeitet dabei aber nach einem Drehbuch seines Hauptdarstellers, der dieses in Gemeinschaftsarbeit mit Jens-Frederik Otto (Soloalbum, Sushi in Suhl) ausgearbeitet hat. Sie erzählen vom Yuppie Conrad, dessen Vater Carl (Henry Hübchen) kein gutes Wort über seinen Sohn und seine ‘Vogelscheuchen’-Ehefrau Tamara (Thekla Reuten) verliert, weswegen sich die Familienbesuche auf Weihnachtskarten aus der Ferne reduziert haben. Und wenn dann doch einmal ein Besuch ansteht, Mutter Helene (Leslie Malton) zuliebe, dann freut sich das Enkelkind Jonas (Marius Haas), da er sich die gespielte gute Laune vom Vater profitabel bezahlen lässt. Dann aber kommt die Überraschung: Helene offenbart ihrem Sohn, dass sie sich nach vierzig Jahren Ehe von ihrem Mann Carl getrennt hat. Der geschockte Conrad wird zu einem letzten Botengang ins Elternhaus verpflichtet, wo er seinen Vater versunken in jeder Menge Selbstmitleid und Verleugnung vorfindet. Die mentale Situation des Familienmitglieds und ein Unfall im Garten zwingen Papa/Sohn Conrad und Sohn/Enkel Jonas dazu, eine Weile mit Papa/Großvater Carl unter einem Dach zu leben.

Die älteste Generation (Opa Carl) mit dem jüngsten Sproß (Enkel Jonas)

Die älteste Generation (Opa Carl) mit dem jüngsten Sproß (Enkel Jonas)

Auch daraus lässt sich sicherlich keine Geschichte ziehen, die nicht irgendwo schon einmal gesehen worden wäre. Im Direktvergleich allerdings, mit Schweiger und Schweighöfer, ist es dennoch eine willkommene Abwechslung von den ewig selben Liebesduseleien und unfähigen Männergeschichten, wenn sich ein deutscher Drehbuchschreiber und Filmemacher einmal einem Thema wie dem Generationskonflikt auf komödiantische Art und Weise nähert. Das macht Florian David Fitz sowohl geschichtlich wie auch darstellerisch gut. Selbst als anfänglicher Yuppie, wie er von seinem Filmvater Henry Hübchen liebevoll genannt wird, ist es eher ein charmantes Konfliktpotential, welches aus der Yuppieschaft und der soliden Alteinstellung Carls hervorgeht. Wenn diese beiden aufeinandertreffen, fragt man sich zurecht, weshalb Filmmutter Helena es so lange in einem Haus mit diesen zwei Männern ausgehalten hat. Sohnemann Jonas gerät da oftmals ins Hintertreffen, aber der Film schafft es ohne Holzhammer zu zeigen, wie der Apfel wirklich nicht weit vom Stamm fällt. Was Conrad eingangs noch böse über seinen Vater schimpft, entfaltet sich nach und nach auch auf seinen eigenen Sohn übertragen.

Daneben entwickelt der Film ein zentrales Thema, das sich eigentlich fernab der allgegenwärtigen Hollywood-Message abspielt. Vom Tellerwäscher zum Millionär wird hier insofern umgedreht, dass das Millionärsdasein verurteilt wird. Nicht umsonst wird der Ausdruck Yuppie verwendet. Fitz als Mann der nach allem strebt, alles bekommt und hat, aber die emotionalen Werte darüber vergisst. In einem wunderbaren Moment findet er die Weihnachtskarten, die von seiner Familie an die Eltern geschickt wurden, in einem Schuhkarton, sieht die frühen Versionen, auf denen seine Frau, der kleine Jonas und er noch höchst persönlich in ihrer kleinen Bude posieren. Später wird alles inszeniert. Es muss groß sein, es muss cool aussehen. Aber eben auch steril, mit leeren Geschenkpaketen und einem Plastikbäumchen im Hintergrund, ein breites künstliches Lächeln ist der wahren Freude des Lebens gewichen. Man besinne sich auf die wirklich wichtigen Dinge im Leben. Das wird hier unmissverständlich gesagt. Mit ein wenig Schnee statt feuchtfröhlichem Spaß im hauseigenen Swimmingpool könnte Da geht noch was! auch als klassisches Weihnachtsmärchen verstanden werden.

Jonas ist in Kim (Jamie Bick) verliebt

Jonas ist in Kim (Jamie Bick) verliebt

Und dass da dann tatsächlich noch was geht, das bezieht sich nebst Beziehungspflege dreier Männergenerationen natürlich auch auf die Frauen, die nicht gänzlich aussen vor gelassen werden sollen. Großvater, Papa und der Sohn bekommen alle ihre alters- und umgangsgerechten Schwierigkeiten mit dem anderen Geschlecht.

Wohl bedacht schert sich der Film in der ersten Hälfte aber kaum um solcherlei Dinge, muss nur zur Bereinigung der Zuschauerseele zum Ende hin hierauf zurückgreifen. Wie das Familienleben selbst, das auch am Ende noch nicht perfekt sein möchte, wird man Ecken und Kanten in diesem Werk finden, wenn man denn möchte. Da geht noch was! ist so wenig perfekt wie ein jedes Familienbild, dennoch kann man sich wohl in ihr und mit dem Film fühlen.

 


Da geht noch was_Filmplakat

“Da geht noch was!“

Originaltitel: Da geht noch was!
Altersfreigabe: ab 6 Jahren
Produktionsland, Jahr: D, 2013
Länge: ca. 101 Minuten
Regie: Holger Haase
Darsteller: Florian David Fitz, Henry Hübchen, Leslie Malton, Marius V. Haas, Thekla Reuten, Jamie Bick

Deutschlandstart: 12. September 2013
Im Netz: dagehtnochwas-film.de


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