Filmkritik

“Cuban Fury” von James Griffiths

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Nick Frost ist als Bruce voll im Salsa-Fieber in James Griffiths' "Cuban Fury"

Nick Frost ist als Bruce voll im Salsa-Fieber in James Griffiths’ “Cuban Fury”

„Wie kann man etwas so ernst nehmen, dass nach einem Dip benannt ist?“ Bruce, gespielt von dem britischen Komiker Nick Frost, der an der Seite von Simon Pegg in der Cornetto-Trilogie von Edgar Wright bekannt wurde, hat sein Leben dem Salsa verschrieben. Zumindest in Jugendjahren. Bis zu dem Moment, als ein paar Rowdies ihn aufgreifen und den unmännlichen Tänzer zurecht stutzen. Bruce schmeißt seine Leidenschaft in die Tonne, verpasst seinem grazilen Körper eine enorme Rundung in der Bauchgegend und büßt an sportlicher Ausdauer ein. Irgendwann arbeitet er in einer x-beliebigen Firma, austauschbar, vergessen und nur noch vor sich hin vegetierend.

Julia (Rashida Jones) weckt erneut das Salsa-Herz in Bruce

Julia (Rashida Jones) weckt erneut das Salsa-Herz in Bruce

Natürlich könnte Regisseur James Griffiths hieraus nur schwerlich eine Komödie basteln, wenn der dickliche Typ nicht versuchen würde, das Feuer des Salsa wiederzufinden. Da ist die Neue im Büro (Rashida Jones), die sich ebenfalls für den Tanz begeistert. Ihr versucht Bruce ebenso zu imponieren  wie sein großer Widersacher Drew (Chris O’Dowd). Ein wenig möchte das sofort an Die Eisprinzen von 2007 erinnern, wo die Konstellation Will Ferrell und Jon Heder sich grazil auf dem Eis probierte und dabei einige amüsante Lacher provozierte. Dagegen muss man sich dann aber schon fragen, wie Cuban Fury es geschafft hat, so wenig Leidenschaft und Feuer zu entfachen, dass der Salsa eher wie ein lahmarschiger Tanz von Großpapa und Großmama wirkt.

Das muss ungefähr so ausgesehen haben: Man nehme eine Idee von Nick Frost selbst und zwei großartige britische Komiker (Chris O’Dowd kann man in The IT Crowd in Höchstform erleben) und zwängt sie in das Korsett einer amerikanisch-stereotypen Komödie, in der eine dickliche Kevin James-Figur es seinem Umfeld noch einmal beweisen möchte. Der Humor entsteht durch den Moppel, der nun mit seiner Grobmotorik und eingeschränkter Agilität den Salsa von Grund auf neu erlernen möchte. Das wirkt nicht nur recht einfach, sondern ist zudem auch überaus vorhersehbar.

Nick Frosts Bruce und Chris O'Dowds Drew beim Salsa Dance-Off auf dem Parkdeck eines Parkhauses

Nick Frosts Bruce und Chris O’Dowds Drew beim Salsa Dance-Off auf dem Parkdeck eines Parkhauses

Außerdem scheint es sich mit dem Salsa nicht sonderlich wie mit dem Fahrradfahren zu verhalten. Denn der erwachsene Bruce stellt sich so dermaßen hilflos beim Erlernen an, dass man kaum glauben kann, dass er in seiner Jugendzeit ein gefeierter Salsa-Champion war. Man kann sich das mit dem Fahrrad in etwa so vorstellen, als ob man nach zehn Jahren den Drahtesel besteigt und geradewegs zur Seite umkippt. So ein wenig Verständnis für die Sache sollte doch behalten werden. Aber um der Komödie ihren Drive zu geben, wird Bruce dem Salsa-Gedächtnisschwund unterzogen.

Nur ein einziges Mal scheint man Frost und O’Dowd von der Leine zu lassen. Dann liefern sie sich ein grandioses Salsa Dance-Off im Parkhaus mitsamt Kurzauftritt von Simon Pegg. Bei all der britischen Kraft, die dem Film zur Verfügung stand, hätte man sich schlicht auf die Schwärze des landestypischen Humors verlassen sollen, statt Einheitsbrei zu fabrizieren.

Cuban Fury
98 Minuten, freigegeben ab 6 Jahren, Kinostart: 19. Juni 2014
im Netz: Cuban Fury bei Twitter
alle Bilder © Studiocanal

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