Filmkritik

“Coonskin” von Ralph Bakshi

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Coonskin_200Als der palästinensische Filmemacher Ralph Bakshi 1972 mit Fritz the Cat den gleichnamigen Comic verfilmte, lieferte er mit seiner satirischen Aufarbeitung des Collegelebens der 60er Jahre zugleich auch einen Kommentar auf die sexuelle Revolution. Bakshi ist dafür bekannt, größtenteils Cartoons für ein erwachsenes Publikum zu machen. Fritz the Cat dient mit seiner teilweise recht expliziten Darstellung von den behandelten Thematiken sicher kein Zeichentrickfilmmaterial für Kinder. Als Lehrfilm wiederum könnte er durchaus seine Verwendung finden.

Ähnlich ergeht es seinem zwei Jahre später erschienenen Coonskin, der jedoch etwas wirrer daher kommt als der recht solide Fritz the Cat. Und wenn die Zeichentrick-Katze sich für die sexuelle Revolution interessierte, so sind in Coonskin ein Hase, ein Bär und ein Fuchs an der schwarzen Revolution beteiligt. Der Film kombiniert reale Darsteller in der wirklichen Welt (Barry White, Charles Gordone, Scat Man Crothers, Philip Thomas) mit Cartoonfiguren (Bruder Hase, Bruder Bär, Prediger Fuchs), die als afroamerikanische Bürger an Spitze des organisierten Verbrechens im New Yorker Stadtteil Harlem gelangen wollen und auf ihrem Weg unliebsame Begegnungen mit korrupten Polizisten, Betrügern und der Mafia machen müssen.

Das klingt sicherlich niemals so nett wie der freundlich-verrückte Roger Rabbit, mit dem sich Bruder Hase zumindest sein Leben als Cartoonfigur in einer realen Welt teilt. Im Gegensatz zu Roger nehmen die Figuren in Coonskin allerhand böser Worte in den Mund, die bei Erscheinen des Films aufgrund zahlreicher Rassismus-Debatten für Kontroversen sorgten. Hier fällt das N-Wort ebenso häufig wie der weiße Mann sich als gottverdammtes Weißbrot beschimpft sehen muss.

Zum Hauptschauplatz Harlem passt dann auch die jazzige Filmmusik, vom Eröffnungslied Coonskin No More von Scatman Crothers bis hin zu Kompositionen des im November 2013 verstorbenen Jazz Drummers Chico Hamilton.

Nichtsdestotrotz muss man schon einen besonderen Geschmack haben um diesen Drogentrip von einem Cartoon den Respekt entgegen zu bringen, den er unter der Anhängerschaft Bakshis genießt. Es ist ein surreal-verdrehtes Vergnügen, ebenso wie es eine anstrengend-langwierige Strapaze darstellen kann. Aber schon allein mit einer Kollekte in einer afroamerikanisch-kriminellen Glaubensgemeinschaft, die dazu dienlich sein soll, Waffen zu kaufen um sich vor dem Einfall der Weißen in Harlem zu schützen, findet man auch in Coonskin einen raren gezeichneten Kommentar auf ein Lebensgefühl der ständigen Bedrohung.

Coonskin
100 Minuten, freigegeben ab 16 Jahren, Heimmedienstart: 10. Juni 2014
im Netz: Coonskin bei OFDb Filmworks
alle Bilder © OFDb Filmworks

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