Ryan Robbins (hinten) und Zoie Palmer (vorne) in Jason Lapeyre "Cold Blooded".
Ryan Robbins (hinten) und Zoie Palmer (vorne) in Jason Lapeyre „Cold Blooded“.

Manchmal entstehen Filme aus dem einfachen Beweggrund, dass die Filmemacher gerade Zugang zu einer wunderbaren Location haben. So geschehen bei Cold Blooded, dem Langspielfilmdebüt des Regisseurs Jason Lapeyre. Produzent Tim Merkel war hier ausschlaggebend. Er hatte Zugang zu einem stillgelegten Krankenhaus, in dem er unbedingt einen Film drehen wollte. Er brauchte nur noch eine Geschichte, die es zu erzählen galt. Merkel versammelte eine Schar von Drehbuchautoren und führte sie einmal durch das Gebäude. Die Schreiber sollten ihm dann Ideen zukommen lassen. Lapeyre schickte gleich zwei gute Storys: einen Krimi und eine Handlung, die Zombies beinhaltet hätte. Merkel mochte beide Ideen und überließ es nun dem auserwählten Drehbuchautor und Regisseur, die Geschichte zu verfilmen, die er selbst für Stärker hielt. Herausgekommen ist der Psychokrimi Cold Blooded – ganz ohne Zombies.

Ryan Robbins als Juwelendieb Eddie Cordero.
Ryan Robbins als Juwelendieb Eddie Cordero.

Und ein guter Krimi beginnt am besten mit einem Raubzug. In diesem Fall allerdings ein missglückter Überfall auf ein Juweliergeschäft, bei dem der Dieb Eddie Cordero (Ryan Robbins) angeschossen wird. Er wacht an einem Bett gefesselt im Krankenhaus wieder auf, wo die junge Polizistin Frances Janes (Zoie Palmer) zu seiner nächtlichen Bewachung eingeteilt wurde. Sie versucht pflichtbewusst, dem Verbrecher die Einzelheiten des Raubüberfalls zu entlocken, vor allem wohin die Diamanten verschwunden sind. Cordero will sich jedoch nicht kampflos der Polizistin ergeben, versucht durch trickreiche Verhandlungen den bevorstehenden Gefängnisaufenthalt zu entfliehen. Das verbale Gerangel wird jedoch unterbrochen als Corderos Auftraggeber in das Krankenhaus eindringen. Ebenfalls auf der Jagd nach den Diamanten, sind sie weitaus skrupelloser als Frances, die sich urplötzlich in der Beschützerrolle wiederfindet.

Vor dem Blutbad, bei der sich die herzensgute Polizistin martialisch aussehend gegen zahlreiche Gangster zur Wehr setzen muss, steht die weitaus spannendere erste Hälfte des Films. Sehr dialoglastig verhandeln Ryan Robbins und Zoie Palmer in ihren jeweiligen Rollen über Juwelen und Bestrafungsmaßnahmen. Vor allem eine lange Sequenz zu Beginn, kurz nach der Einlieferung Corderos in das Krankenhaus und der ersten Begegnung mit seinem Wachschutz, wirkt fast so, als habe Quentin Tarantino höchstpersönlich die Kamera gehalten, mit seiner nie enden wollenden Draufsicht auf die Dinge. Aber bevor ein neuer Tarantino angepriesen wird, muss klar sein, dass es sich bei Regisseur Lapeyre noch um einen Anfänger handelt, der natürlich nicht mit solcher Schlagkraft wie Tarantino seine Dialoge und Szenen herauf beschwört. Dennoch sind es mehr diese verbalen Auseinandersetzungen, die Cold Blooded interessant machen, als das Blutbad am Ende.

Cordero mit Frances Jane (Zoie Palmer).
Cordero mit Frances Jane (Zoie Palmer).

Hier kommt diese bedrohliche Stirb Langsam-Stimmung auf, wenn Cordero und Janes zum John McClane verschmelzen: das Krankenhaus unter Kontrolle der Gangster, die Protagonisten im gemeinsamen Überlebenskampf. Für Zoie Palmer hält das eine Maske aus Blut parat, die zwar nicht realistisch wirkt – schon gar nicht, weil sie offenbar nicht das Bedürfnis verspürt, sich das Gesicht abzuwischen – aber visuell immerhin in Erinnerung bleibt. Das Bild einer Frau, dass Cold Blooded einen Charakter verleiht. Auch so mancherlei anderer brutaler Akt wird so schnell von der Dame verarbeitet, als kümmere es sie kaum, wenn ihr eine Hand abgeschlagen wird. Gibt man sich dieser surrealen Begebenheit hin, nimmt die Gewaltszenen als fast cartooneske Inszenierungen wahr, dann kann man auch an dieser zweiten Filmhälfte durchaus seinen Spaß haben.

Das beweist auch der gute Run, den Cold Blooded auf diversen Festivals hatte. Zoie Palmer erhielt auf dem Bare Bones in Oklahoma (ein Festival für Filme, die mit unter 1 Mio. US Dollar Produktionskosten entstanden sind) eine Auszeichnung als beste Darstellerin, der Film selbst wurde auf dem Fantasia Film Festival in Montreal zum besten kanadischen Film im Programm gekührt. Und auch beim deutschen Fantasy Filmfest fand sich Cold Blooded in Empfehlungen neben Filmen wie Rob Zombies Lords of Salem oder Ben Wheatleys A Field in England wieder.

 


Cold Blooded

“Cold Blooded“

Originaltitel: Cold Blooded
Altersfreigabe: ab 16 Jahren
Produktionsland, Jahr: CDN, 2012
Länge: ca. 82 Minuten
Regie: Jason Lapeyre
Darsteller: Ryan Robbins, Zoie Palmer, William MacDonald, Huse Madhavji, Thomas Mitchell, Sergio Di Zio

Heimmedienstart: 10. Dezember 2013
Im Netz: ofdb.de/filmworks/cold-blooded