Filmkritik

Chappie

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Alive in Joburg hieß Neill Blomkamps Kurzfilm aus dem er in 2009 seinen ersten großen Kinoauftritt machen sollte. District 9 hinterließ bei Genrefans einen bleibenden Eindruck, nicht zuletzt aufgrund der geringen Kosten mit denen der Film gedreht wurde und dafür hervorragend aussah, als würde es sich um einen dieser Sci-Fi Blockbuster vom Fließband handeln. Damit nahm das Wirken und Schaffen von Blomkamp seinen Lauf. Man könnte fast annehmen dass er nicht sehr weit gekommen ist, passt der Titel Alive in Joburg – Lebendig in Johannesburg – doch auch auf seinen neuen Film: Chappie. Denn dieser Roboter, um den es im Film geht, lebt. Er lebt in Johannesburg. Er lebt dort wie ein Mensch, wird nur nicht als solcher akzeptiert, obwohl diese künstliche Intelligenz über ein recht menschliches Bewusstsein verfügt.

Damit eröffnet Blomkamp seinem Robo-Chappie eine naive Weltsicht. In dem Moment wo Chappie „geboren“ wird, verhält er sich wie ein kleines Kind. Er ist ängstlich, zögerlich, weiß mit den Menschen die ihn umgeben noch nicht allzu viel anzufangen. Chappie muss lernen. Wörter, Gesten, Handlungen. Sein Erbauer Deon (Dev Patel) möchte Chappie zu einem wohlerzogenen Menschen machen, während das auf der Straße lebende Gangsterpärchen Ninja und Yolanda (die südafrikanischen Hip Hopper Die Antwoord spielen hier sich selbst), die Deon und Chappie entführen, einen Killer-Roboter haben wollen.

Aber allzu früh predigt Deon seinem mechanischen Geschöpf, dass er kein Unrecht tun darf. Etwas hinderlich für den ungeduldigen Ninja, während Yolanda die einfühlsam-verständnisvolle Mutterfigur einnimmt. Chappie nennt sie denn auch Mami. Neben Deon und Yolanda hält der Film nur wenige gute Menschen bereit. Und selbst Mami und Chappies Erbauer haben ihre Makel. Aber gerade weil Blomkamp hier solche Ekelpakete der Gattung Mensch auf uns loslässt, haben wir weitaus mehr Mitgefühl mit dem Roboter als mit den Kreaturen unserer eigenen Gattung.

Weniger Yolanda und mehr Ninja macht nach und nach aus Chappie ein Straßengör, das wir an seinen langen Robo-Ohren in ein wohl behütetes Zuhause ziehen wollen. Deon nimmt den Gott-gleichen Erbauer-Status ein, der seinen Roboter jedoch eine unerneuerbare Batterie eingesetzt hat, die nur wenige Tage hält. So muss sich der Erbauer schon bald von seinem Geschöpft anhören, warum er denn etwas erschaffen habe um zu sterben? Gute Frage! Könnten wir so und nicht anders auch gleich gen unserem Erbauer stellen. Und dann ist da noch Hugh Jackman, der in einer Rolle völlig gegen den Strich und damit zugleich eine mehr als unterhaltsame Abwechslung liefert. Sonst der grantige Superheld ist er hier das Paradebeispiel eines von seiner Sache besessenen Mannes, auf einem persönlichen Rachefeldzug gegen Deon, dessen eigentliches Robo-Polizistenprogramm dafür zu Verantwortung gezogen werden muss, dass Moores (Jackman) von Menschen gesteuerte Maschinen nicht zum Einsatz kommen.

Er zerstört quasi die gut funktionierende künstliche Intelligenz mit der sogar die Polizei von Johannesburg zufrieden ist und durch die die Verbrechensrate um die Hälfte gesenkt werden konnte, um die finanzielle Unterstützung für sein eigenes Projekt durchsetzen zu können, eine auf der menschlichen Natur basierende Entscheidungsgewalt von einer Killermaschine. Das Bild ähnelt hier arg dem von RoboCop. Der von Moose erbaute Killerbot ist ein zweibeinige Kriegsungetüm, das gigantisch in den Himmel ragt, umher fliegen kann und bestens mit Waffen ausgerüstet ist. Dagegen steht Chappie mit seinen hasenähnlichen Schlappohren, ein Polizeiroboter der zu denken und fühlen begonnen hat. Die Parallelen zu RoboCop sind eindeutig zu sehen, hieran lässt sich am Ende nichts drehen und wenden.

Am Ende von Chappie – wie spricht man darüber ohne zuviel zu verraten? – geht der Film dann einen anderen Weg als man ihn erwartet hätte. Über das Ende sollten wir nachdenken, denn Blomkamp nimmt einen Standpunkt gegenüber der Angst vor künstlicher Intelligenz ein, der nicht unbedingt massentauglich daherkommt, beim sacken lassen aber durchaus plausibel erscheint. Es geht dem Ende von District 9 nahe und passt zugleich wieder zu dem Titel Alive in Joburg. So schwenkt die Kamera denn auch nochmal über jene Slums in Johannesburg, die wir bereits in Blomkamps Erstlingswerk als Schauplatz geliefert bekommen haben. Ein Kreis der sich schließt oder nur noch weiter öffnet?

Nun kommt Blomkamp mit Chappie nicht an District 9 heran, dafür hatte sein Debüt viel zu sehr den Überraschungseffekt auf seiner Seite. Aber gerade dadurch dass der Regisseur hier die Gattung Mensch nicht als das höchste aller Dinge ansieht und es schafft den Hauptakteur Chappie – via Motion Capture Verfahren durch Blomkamps Kumpel Sharlto Copley zum Leben erweckt – als das menschlichste Wesen des ganzen Films darzustellen, wird deutlich wie der Regisseur in der Lage ist, Blockbusterkino mit seinen experimentellen Ideen zu vereinbaren. Hinzu kommt die musikalisch Leistung eines Hans Zimmer, der auf Wunsch von Blomkamp mehr Sythesizer und kein Orchester benutzt hat. Völlig neu für Zimmer, funktioniert aber prächtig.

Chappie läuft seit dem 5. März in den Kinos.

Habt ihr den Film bereits gesehen oder habt ihr noch vor Chappie zu schauen? Was erwartet ihr von dem Film, wie fandet ihr den Film, solltet ihr ihn schon gesehen haben? Die Kommentare warten geradezu auf eure Meinungen und – ganz neu – auch das Rating System unter diesem Artikel darf von euch genutzt werden. Einfach die Sterne benutzen um dem Film euer Rating zu verpassen.

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