Marvel Cinematic Universe

Captain America: The First Avenger (2011)

0

Mit Captain America: The First Avenger hat Regisseur Joe Johnston vielleicht einen der besten Indiana Jones Rip-Off Filme erschaffen, die dort draußen im Film-Universum existieren (Nicolas Cage in den National Treasure-Filmen wäre ein anderes gutes Beispiel, während Tom Hanks in den Dan Brown-Verfilmungen leider nicht an das Indy-Feeling anknüpfen kann). Das dürfte aber auch wenig verwundern, wenn man sich anschaut, dass in Johnstons Filmografie sowohl der frühe Superhelden-Film Rocketeer, als auch das Abenteuer Jumanji zu finden sind. Die Kombination aus Superheld und Abenteuer scheint also geradezu perfekt zu sein, um den First Avenger in das Marvel Cinematic Universe zu holen.

Die Atmosphäre allein ist aber nicht alles, was Captain America an Indiana Jones erinnern lässt, immerhin muss der Supersoldat ebenso wie der Archäologe gegen die Nazis ran, die immer wieder wunderbare Gegenspieler abgeben, die wir automatisch abgrundtief hassen können. Dem Film werden mit Red Skull (Hugo Weaving) und Dr. Zola (Toby Jones, der seine Rolle auch in der Serie Agent Carter noch einmal aufnimmt) zwei prominente Nazi-Bösewichte mitgegeben, während sich Captain America natürlich auch durch ganze Horden von Nazi-Soldaten schlagen darf.

Der Film führt uns mitten in den Zweiten Weltkrieg, wo der hagere Steve Rogers (Chris Evans) nur allzu gerne dem Militär beitreten würde, um mit seinem großen patriotischen Herzen einen Beitrag zum Krieg gegen die Deutschen beizusteuern. Während sein Freund Bucky (Sebastian Stan) sofort angenommen wird, versucht sich Steve immer und immer wieder, kann aber erst durch die Gunst von Dr. Erskine (Stanley Tucci) und dem Supersoldaten-Programm in einen muskelbepackten Helden verwandelt werden, der für sein Land in den Krieg ziehen darf.

Gemeinsam mit Peggy Carter (Hayley Atwell) und Colonel Phillips (Tommy Lee Jones) muss er Red Skull stoppen, der mit einem seltsamen Artefakt namens Tesseract versucht, die Weltherrschaft an sich zu reißen. Leider gelingt es auch Joe Johnston nicht, einen Schurken wie Loki zu kreieren, der uns in Erinnerung bleiben würde. Zugegebenermaßen holt Darsteller Hugo Weaving das maximale Potenzial aus seiner Figur heraus, wie sie ihm vom Drehbuch vorgegeben wurde. Nur leider verliert sich der absolute Erzschurke Captain Americas in dessen Origin-Story und versinkt in einer schlicht unwichtigen Präsenz.

Disney sticht immer wieder damit hervor, die Grenzen des CGI-Machbaren auszutesten. In heutiger Zeit heißt dass, Robert Downey Jr. (in Civil War), Kurt Russell (in Guardians Vol. 2), Michael Douglas (in Ant-Man) oder Johnny Depp (in Pirates of the Caribbean 5) eine beeindruckende Verjüngungskur via Computer zu spendieren, in Captain America: The First Avenger war es noch der Wandel des Körperbaus von Chris Evans, dessen Gesicht glaubhaft-realistisch auf einen Hempfling-Körper gesetzt wurde, nur um später als Muskelpaket aus einer Apparatur zu steigen, als sei er gerade von Dr. Frankenstein zum Leben erweckt worden.

Dabei beweist Steve Rogers vor allem, dass er nicht nur ein großes Herz hat, sondern es auch am richtigen Fleck sitzt. Wenn sein Ausbilder Colonel Phillips (Tommy Lee Jones in bester Grumpy Old Man-Stimmung) der ganzen Soldaten-Truppe um Rogers herum die Aufgabe gibt, eine Fahne von ihrem Mast zu holen, es aber nach einem Kilometer langem Lauf niemand mehr schafft, die Kletteraufgabe zu bewältigen, ist es hier der noch schmächtige Soon to be-Superheld, der einfach den Verschluß am Mast öffnet, so dass dieser umkippt und ihm die Flagge quasi vor die Füße legt. Da staunt der Ausbilder, da staunen die Kollegen, da kann der zuerst immer wieder abgelehnte Rogers vor lauter Überlegenheit nur lächeln: kein perfekter Soldat, aber ein verdammt guter Mann!

Und so wird aus Steve Rogers bereits ein Held, bevor er mit Superkräften ausgestattet wird, was diese Origin-Story so besonders macht, da der Held eigentlich die ganze Zeit über schon in dem Hauptprotagonisten steckt, nur erst später mit zusätzlichen Kräften ausgestattet wird. Der Film nimmt sich darüber hinaus die Zeit, eine recht ausführliche Origin zu zeigen, in der wir erst Steve Rogers folgen, dann einem Captain America, der sich mit einem äußerst peinlich aussehendem Kostüm herumschlagen muss, bis es zur finalen Version des Heldenmythos kommt, wie er sich hier – im Zweiten Weltkrieg – in die Erinnerung der Menschheit kämpft.

Dazu gelingt es Komponist Alan Silvestri, dem amerikanischen Helden ein Theme zu geben, an dass man sich erinnern kann. Das erste Musikstück aus dem Marvel Cinematic Universe, das nicht so schnell in Vergessenheit gerät und einer Figur eine musikalische Note verleiht.

Und so wird Chris Evans zu Captain America, einem Superhelden, der Iron Man schon bald den Rang ablaufen wird. Gerade weil Evans in seiner Rolle so sehr wächst – in diesem Film, wie auch in den Fortsetzungen – dürfen sich sowohl Robert Downey Jr. als auch Tony Stark/Iron Man durchaus berechtigt von diesem Mann bedroht fühlen. Vor allem aber bietet Captain America: The First Avenger ein Abenteuer im Zweiten Weltkrieg, dass uns unfassbar mitreißend die Herkunfts- und spätere Leidensgeschichte dieses Mannes erzählt.

Comments

Leave a reply

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.

Login/Sign up