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Vampir-Horror #3 | BYZANTIUM (2012) mit Saoirse Ronan und Gemma Arterton

Fast zwanzig Jahre nach seinem ersten Ausflug zu den Blutsaugern in Interview mit einem Vampir widmet sich Regisseur Neil Jordan erneut dem Horror-Untergenre, das er im Falle von Byzantium mit weitaus mehr Style und Ästhetik präsentiert. Basierend auf dem Theaterstück “A Vampire Story” von Moira Buffini, schickt er Gemma Arterton und Saoirse Ronan als jahrhunderte alte Vampire in ein kleines irisches Dörfchen und erweckt auf einmal Erinnerungen an seinen Film Ondine – Das Mädchen aus dem Meer, ebenfalls eines seiner atmosphärisch wunderschönen Fantasymärchen.

In Byzantium geht es aber nicht um Meerjungfrauen, sondern um das Vampirduo Clara (Arterton) und Eleanor (Ronan), die ganz unterschiedliche Vorstellungen von ihrer Existenz haben. Während Clara ihre Nächte in zwielichtigen Strip Clubs verbringt um dort ein bisschen Geld zu verdienen und ihren Blutdurst an aufdringlichen Klienten zu befriedigen, lebt Clara ein Leben in Abgeschiedenheit. Sie möchte ihre überaus lange Lebensgeschichte aufschreiben, die bis in das 17. Jahrhundert zurückreicht.

Byzantium
Das Vampirduo Clara (Gemma Arterton, rechts) und Eleanor (Saoirse Ronan, links) in BYZANTIUM von Neil Jordan.

Während wir in Rückblenden immer wieder diese Geschichte erleben, werden die beiden Blutsaugerinnen im hier und jetzt von einer vampirischen Bruderschaft verfolgt. Eigentlich sind sie nur hinter Eleanor her, aber Clara hat in all ihren gemeinsamen Jahren einen mütterlichen Beschützerinstinkt entwickelt. Bei der Flucht landen die beiden im besagten irischen Dörfchen, wo Clara das heruntergekommene Byzantium-Hotel in ein Bordell verwandelt, während Eleanor Frank (Caleb Landry Jones) kennenlernt. Sie erzählt ihm ihre Lebensgeschichte, die er natürlich nur schwer glauben kann.

Es ist ein überaus gelungener Perspektivwechsel, wenn wir mal nicht von der Mythologie der Vampire erzählt bekommen, sondern von den Gefühlswelten, die damit einhergehen, sich an ein Leben als Vampir zu gewöhnen, wenn das überhaupt jemals der Fall ist. Die lange – überaus lange – Zeit der Unsterblichkeit ist für Eleanor eine pure Belastung der Seele, weshalb sie sich in die Zurückgezogenheit flüchtet, aus der sie lediglich herausgeholt wird, wenn sie sich wenig auserwählten Menschen anvertraut.

Eleanor und Clara werden von Beginn an als sehr verschiedene und auf ihre eigene Art und Weise jeweils äußerst interessante Figuren inszeniert. Saoirse Ronans Eleanor wird passend zu dem ohnehin verträumten Blick der Darstellerin als poetisch und sanft gezeichnet. Sie tötet einen alten Mann, erlöst ihn mehr von seinem Leben als dass sie es ihm raubt.

Sie lebt in einer Welt, in der Menschen – wie auch später Frank – nicht an Vampire glauben und erst deren Existenz realisieren, wenn sie wie Eleanor, Jahrzehnte später zu ihnen zurückkehren und immer noch so aussehen wie bei ihrer ersten Begegnung.

So zeigt sich auch dieser alte Mann recht unbeeindruckt von Eleanor. Wir können davon ausgehen, dass er sie wiedererkannt hat, nachdem sie sich schon vor vielen Jahren über den Weg gelaufen sind. Eleanor, eine Geschichtenerzählerin, hat ihm damals vermutlich schon ihr Wesen zu erklären versucht. Aber erst jetzt wird ihm klar, dass sie ihn nicht angelogen hat, so dass er sich ihr unbedarft hingeben kann. Er kennt und akzeptiert die Wahrheit. Sie kann ihm vom Altsein, vom qualvollen Tod erlösen.

Byzantium
Clara weiß, wie man einen Vampir tötet.

Ganz anders kommt da Gemma Artertons Clara daher. Das Ex-Bond Girl darf ein bisschen Spaß mit ihrer sonst melancholisch-sorgsamen Rolle haben, wenn sie den brutaleren Part dieses Vampir-Duos übernimmt. Clara scheut nicht davor zurück, sowohl Menschen zu töten als auch ihresgleichen mit einem Draht den Kopf abzutrennen, was wiederum von Neil Jordan in einer überaus überspitzt anmutenden und zugleich wahnsinnig Spaß machenden Szene vorgeführt wird.

Überhaupt gelingt es Kameramann Sean Bobbitt (The Place Beyond The Pines, 12 Years A Slave) Byzantium umwerfend-schön zu gestalten. Er kreiert eine Gothic-Nacht, die in Neon-Lichter getaucht wird und fokussiert immer wieder Saoirse Ronans strahlende und eiskalt-blauen Augen, die in blass-tonigen Landschaften umso mehr hervorstechen.

Jordan verknüpft seine unheimlichen, übernatürlichen Vampir-Momente mit einer Coming-of-Age Geschichte und macht daraus ein düster-modernes Märchen. Byzantium könnte ebenso eine aufgefrischte Version eines Edgar Allen Poe oder Mary Shelley Romans sein. Das darf gerne als Lob verstanden werden, denn der Film ist eine Vampirgeschichte, die sonderbar originell daherkommt und sich von der blutsaugenden Standardkost abzuheben versteht.

BYZANTIUM ist eine visuell überaus starke Horrorstory über zwei Vampire, die sich durch von Neonlichtern geprägte Bilder flüchten. Saoirse Ronan funktioniert großartig als verträumte Untote neben Gemma Artertons…

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