© Universum/Central / Mark Wahlberg in "Broken City"
© Universum/Central / Mark Wahlberg in „Broken City“

Keine andere Stadt, ganz gleich was offizielle Statistiken sagen, wird so mit Gewalt und Kriminalität, Korruption und Verbrechen gleichgesetzt, wie New York. Hier gibt es sie, im Film wie im realen Leben: die dreckigen Gassen, die Hinterhöfe, dunkle Seitenstraßen. Im Dunkeln möchte man hier nicht mehr unterwegs sein. Die Stadt die niemals schläft, zugleich auch die Stadt, in der man sich nie sicher fühlen kann. Auf den Straßen, ob nah oder in der Ferne, hört man Pistolenschüsse, Polizeisirenen, schreiende Menschen. Sicherlich für so mancherlei Film zu dramatischen Höhen zugespitzt, aber immer auf wahren Tatsachen beruhend. Selbst die glamourösesten Plätze New Yorks, man nehme den Times Square mit all seinen bunten Reklametafeln, bleiben nicht vor dem Verbrechen verschont. Es ist also gar nicht so weit hergeholt, wenn Regisseur Allen Hughes, zum ersten Mal ohne seinen Zwillingsbruder Albert aktiv (gemeinsame Werke: „Menace 2 Society“, „From Hell“, „The Book of Eli“), sein New York als „Broken City“ betitelt. Hier schickt er Mark Wahlberg als in Ungnade gefallenen Privatdetektiv in eben diese dreckigen Hinterhöfe, um für einen zwielichtigen Politiker Ermittlungen über dessen Ehefrau einzuholen.

Russell Crowe mit Catherine Zeta-Jones
Russell Crowe mit Catherine Zeta-Jones

Dass Billy Taggart (Wahlberg), einst ein Cop, durch einen Zwischenfall von Polizeigewalt nun ohne Marke unterwegs überhaupt noch auf freiem Fuß wandelt, verdankt er eben jenem Politiker: Nicolas Hostetler (Russell Crowe), amtierender Bürgermeister von New York, der sich durch sein Engagement für Taggart dessen Loyalität gesichert hat. Acht Jahre vergehen, in denen sich Taggart in einer heruntergekommenen Ecke der Stadt ein Leben als Privatdetektiv aufbaut. Nun fordert Hostetler seine Rückzahlung, möchte den Gefallen erwidert bekommen. Der Privatdetektiv soll ein Auge auf die Bürgermeisterfrau (Catherine Zeta-Jones) werfen und herausfinden, ob diese eine Affäre mit einem anderen Mann hat. Doch hinter den Ermittlungen steckt mehr als zuerst angenommen. Kaum ist der vermeintliche Seitensprung ausfindig gemacht, stirbt der konkurrierende Lover. Langsam deckt Taggart einen Skandal auf, der viel größer ist als nur eine persönliche Vendetta.

Ob es Privatdetektive überhaupt noch gäbe, ist eine Frage die im Film gestellt wird. Und vermutlich wird man selbst an dieser Stelle noch einmal genauer über die entsprechende Antwort nachdenken müssen. Natürlich gibt es zahlreiche Filmversionen des Detektivs, im wirklichen Leben scheint es aber fast unvorstellbar, dieser Berufsgruppe eine reale Überlebenschance zukommen zu lassen. Mark Wahlberg schlägt sich allerdings ganz gut, abgesehen von der Handlung, durch die er hindurch getrieben wird. Denn diese gibt ihm eine leidliche Rolle. Seine Spürnase erschnüffelt die nächste Spur immer erst viel zu spät. Wenn ein Mord geschehen ist, erscheint Wahlberg am Tatort. Wenn er schon ins Fettnäpfchen getreten ist, erkennt er die Zusammenhänge. Da zeigt sich allenfalls der Cop, der erst schießt und dann nachdenkt, nicht aber der Privatermittler, der mit Scharfsinn und Witz in Fakten und Informationen das große Ganze erkennen sollte. Ebenso einfach sind aber auch die übrigen Protagonisten gestrickt: Russell Crowe, immer mit unglaubwürdigem Lächeln, als würde er gleich eine Pistole unter dem Schreibtisch hervor holen, und Catherine Zeta-Jones, seit jeher nur noch in der Rolle der reichen, angesehenen, ein wenig leidenden Dame zu sehen. Mit der Besetzungsliste allein hätte man eine formidable Detektivgeschichte erspinnen können, aber es geht doch wieder nur um Lüge und Korruption, um politische Machenschaften, die allzu bald durchschaut werden.

Russell Crowe mit Mark Wahlberg
Russell Crowe mit Mark Wahlberg

New York als zerbrochene Stadt darzustellen fällt Regisseur Allen Hughes wenig schwer, schon in „Menace 2 Society“, in Deutschland als „Die Straßenkinder“ gelaufen, zeigt er den filmischen Umgang mit den Ghettos der Großstadt. Dabei orientiert er sich für „Broken City“ stark an einem gewissen Noir-Touch. Alles in düsterer Dunkelheit, ein abgewrackter Privatdetektiv, der in seiner Vergangenheit ein besseres Leben führte, nun aber zwischen Gesetz und Zwielicht gefangen ist. Sogar mitsamt eines kleinen Büros, auf dessen Tür der Name Billy Taggart geschrieben steht. Was fehlt ist die Blondine, die in dieses Büro hinein stolziert, eine lange, qualmende Zigarette zwischen Zeige- und Mittelfinger, den Ermittler umgarnend den Auftrag gibt, der die Filmhandlung in Schwung bringt. Damit wäre das Film Noir Werk fast perfekt. Und nicht nur in den Stadtbildern spiegelt sich bei Hughes die Broken City wieder, sondern auch in jeder seiner Figuren. Ein Cop, wegen Mordes vor Gericht. Seine Freundin startet ihre Karriere als Schauspielerin im Pornobusiness. Ein zwielichtiger Bürgermeister, der sich nicht um das Wohl der eigenen Stadt kümmert. Dessen Ehefrau lässt nichts unversucht um ihn in seinem Amt zu stürzen, ihn zeitgleich zur Scheidung zu erpressen. Hier hat jeder Dreck am Stecken.

„Broken City“ bleibt unaufgeregt erzählt. Mark Wahlberg mimt den investigativen Typ Held, der mit nur sehr wenig Eigeninitiative zum Ziel gelangt. Er stolpert hier mehr von Indiz zu Indiz, als dass man pures Können und Geschick dahinter vermuten wollen würde. Der Film hätte sicherlich stärker werden können, läge ihm ein besseres Drehbuch zu Grunde. So aber taumeln Mark Wahlberg, Russell Crowe und Catherine Zeta-Jones durch eine mittelmäßige Fernsehkrimi-Episode.

 


Broken City_Hauptplakat

“Broken City“

Originaltitel: Broken City
Altersfreigabe: ab 12 Jahren
Produktionsland, Jahr: USA, 2013
Länge: ca. 109 Minuten
Regie: Allen Hughes
Darsteller: Mark Wahlberg, Russell Crowe, Catherine Zeta-Jones, Jeffrey Wright, Barry Pepper, Alona Tal, Natalie Martinez, Kyle Chandler

Deutschlandstart: 18. April 2013
Im Netz: broken-city.de