David Belle (links) und Paul Walker (rechts) in "Brick Mansions"
David Belle (links) und Paul Walker (rechts) in “Brick Mansions”

Detroit in der nahen Zukunft des Jahres 2018. Die Verbrechensrate ist so hoch wie nie, weshalb die Straßen der Brick Mansions vom Rest der Stadt abgeschottet werden um dort das Verbrechen zu kanalisieren. Es herrscht so etwas wie Anarchie, ein Purge Day ist noch nicht abzusehen, RoboCop noch nicht entwickelt. Aber die Regierung plant dennoch auf ihre ganz eigene Art und Weise mit ihrem Problem umzugehen.

Regisseur Camille Delamarre hat mit Brick Mansions die amerikanische Antwort auf den französischen Actionfilm Banlieu 13 (in Deutschland: Ghettogangz) gedreht, der 2004 unter Pierre Morel und Produzent sowie Drehbuchautor Luc Besson entstand. Letztgenannter ist auch für das US-Remake wieder verantwortlich. Ob gewollt oder unbeabsichtigt hat Besson das Drehbuch insofern amerikanisiert, dass es etwas oberflächlicher erscheint. Als wäre selbst der französische Actionfilm für die Amerikaner eher eine Arthouse-Produktion, die sie niemals im Kino anschauen würden, musste eine Version her, die das US-Publikum in die Kinos locken würde. Obendrauf kommt die leider tragische Schlagzeile von Paul Walkers letzten vollständig selbst komplettierten Film. Und trotzdem möchte Brick Mansions nicht so überzeugen, wie man es zumindest Walker posthum gewünscht hätte.

Paul Walker als Undercover-Cop Damien Collier
Paul Walker als Undercover-Cop Damien Collier

Er spielt den Undercover Cop Collier, dessen Einsatzgebiet die Brick Mansions sind, wo Obermotz und Drogenbaron Tremaine (RZA) die Straßen kontrolliert. Dieser gelangt in den Besitz einer Bombe, mit der er die gesamten Brick Mansions zu zerstören droht. Collier muss mit dem Kriminellen Lino (David Belle, der seine Rolle aus dem französischen Original noch einmal spielt) zusammen arbeiten, da er auf dessen Insiderwissen angewiesen ist. Lino muss nicht lange von dem Vorhaben überzeugt werden, denn Tremaine hält seine Freundin gefangen.

Hier kommen reichlich Stereotype zusammen, die der amerikanischen Version beiwohnen. Zwar auch im französischen Original enthalten, wirken sie hier weitaus plakativer in Szene gesetzt: die Zusammenarbeit von einem Cop und einem Kriminellen, es soll der letzte Job des Cops in diesem Viertel sein, der schmale Grat zwischen Gerechtigkeitssinn und Rachegefühlen, eine Unterwelt die größtenteils von Afroamerikanern, heißen Frauen und polierten Rennwagen bevölkert wird.

Dabei teilen Paul Walker und David Belle leider nicht die Chemie, die in der Fast and the Furious-Reihe von Beginn an mit Vin Diesel gegeben war, obgleich Brick Mansions an gleich mehreren Stellen versucht, diese Filmreihe zu zitieren. Wo Diesel und Walker deutlich von ihrem Gegensatz profitieren, wirken in Brick Mansions beide Männer zu sehr wie dieselbe Figur: Die smarten Kerle, die sich gewieft durchschlagen müssen. Sie sind sich zu ähnlich als dass sie sich ergänzen könnten.

David Belle darf als Lino wieder seine Parkour-Fähigkeiten zeigen
David Belle darf als Lino wieder seine Parkour-Fähigkeiten zeigen

David Belles Parkour-Style muss man derweil mögen. Seit mit Jason Bourne der Realismus in die Actionfilmwelt Einzug gehalten hat, wirkt diese Herangehensweise wie das Wrestling des Genres, erzeugt eine gewisse Künstlichkeit. Jede Stange muss an ihrem Platz sein, jeder Vorsprung genauestens seine Funktion erfüllen. Parkour wirkt hier immer ein wenig zu sehr choreographiert als das ein Gefühl von Glaubwürdigkeit aufkommen würde.

Bei all dem was in Brick Mansions nicht funktioniert, ist der tiefere Sinn der Story fast egal. Die Bombe, die in dem Viertel hochgehen soll, wird natürlich von einer Verschwörung umwittert, die sich allzu schnell zu erkennen gibt, obwohl der Film es nicht möchte. Hinzu kommen Dialoge, die uns Offensichtliches entgegen schmeißen. Vielleicht für den begriffsstutzigen Kinogänger konzipiert, fühlt man sich allerdings sehr oft für sehr dumm verkauft. Intelligent ist vermutlich nur die Vermarktung: der Tod Paul Walkers wird ebenso ausgeschlachtet, wie die Parkour-Fähigkeiten David Belles.

Brick Mansions
Regie: Camille Delamarre, Drehbuch: Luc Besson, Robert Mark Kamen
90 Minuten, freigegeben ab 12 Jahren (Kino), ab 16 Jahren (Heimmedien, Uncut), Kinostart: 5. Juni 2014
im Netz: Brick Mansions bei Universum Film
alle Bilder © Universum Film