Filmkritik

“Bibi & Tina” von Detlev Buck

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Bibi Blocksberg (Lina-Larissa Strahl, links), Tina Martin (Lisa-Maria Koroll, mitte) und Alexander von Falkenstein (Louis Held, rechts) in Detlev Bucks "Bibi & Tina"

Bibi Blocksberg (Lina-Larissa Strahl, links), Tina Martin (Lisa-Maria Koroll, mitte) und Alexander von Falkenstein (Louis Held, rechts) in Detlev Bucks “Bibi & Tina”

Einer der schönsten Momente in der Hörspielverfilmung Bibi & Tina zeigt die beiden reitbegeisterten Pferdefreundinnen an einer Mauer lehnend, wie sie ganz sachte und leise ein Liedchen anstimmen. Wir sind doch Bibi und Tina, auf Amadeus und Sabrina, wir jagen im Wind, wir reiten geschwind, weil wir Freunde sind. So ruhige Momente gibt es zwar wenige in dem neuen Film von Detlev Buck, der schon mit Hände weg von Mississippi (nach Cornelia Funkes Romanvorlage) eine romantische Liebeserklärung an den Pferdefilm drehte, der aber durch den vorherrschenden überdrehten Witz und Charme des Films, umso mehr hervorsteht. Vielleicht auch insgesamt einer der schönsten Momente, die Detlev Buck aus seinem Gesamtrepertoire vorzuweisen hat.

Basierend auf der seit 1991 andauernden Hörspielreihe setzt Buck genau das in Szene, was die Serie ausmacht. Gerade in Sachen Pferd weiß der Filmemacher zu inszenieren. Wenn Bibi und ihre beste Freundin Tina vom Martinshof aus über die weiten Wiesen reiten, hin zu Schloss Falkenstein, dann zeigt Buck sein Talent im Einfangen von Pferd und Reiter, inszeniert ein Zusammenspiel von sommerlich warmen Bildern, von galoppierenden Hufen, gepaart mit fast schon westerngleicher Musik, eine Gemeinschaftswirkung, die eine Gefühlsmixtur aus Abenteuer und Sommerferien auferstehen lässt. Im Kern dreht sich dabei alles um ein liebes Pferd, um das kleine Fohlen „Socke“ Sokrates, begehrt von dem überzeichneten Bösewicht Kakmann. Er spritzt seiner Pferdezucht ein Dopingmittel, wodurch seine Pferde zu übermäßig guten Leistungen gebracht werden, wovon Bibi und Tina sich jedoch wenig erfreut zeigen. Ein Pferderennen auf Schloss Falkenstein, durch ein Maiskornfeld-Labyrinth, soll über das Schicksal von Sokrates entscheiden.

Alex zeigt der zickigen Sophia (Ruby O. Fee) Schloss Falkenstein. Im Hintergrund: Martin Seifert als Butler Dagobert

Alex zeigt der zickigen Sophia (Ruby O. Fee) Schloss Falkenstein. Im Hintergrund: Martin Seifert als Butler Dagobert

Dass allein reicht noch nicht ganz aus, um über die leicht bekömmliche Hörspieldauer von meist einer knappen Stunde hinaus zu reichen und einen Film von eineinhalb Stunden zu füllen. Also kommt auch noch Sophia von Gelenberg hinzu, eine verwöhnte Internatsgöre, die Tinas Freund Alex bezirzt. Darstellerin Ruby O. Fee ist eine der größten schauspielerischen Stärken des Films, die mal zickig stinkig auf Bibi Blocksberg ist, im nächsten Moment um Aufmerksamkeit eifersüchtig wie ein Pferd wiehernd ihren Trotz zum Ausdruck bringt. Sie spielt diese fiese und zugleich amüsant anzusehende Rivalin mit Qualitäten, die einer deutschen Komödienproduktion entfliehen, sich vielmehr an US-Vorbildern wie Hannah Montana und der High School Musical Reihe orientieren (die immerzu pink knallige Sharpay Evans ruft sich hier zuerst in Gedanken).

Vielleicht hat nicht nur sie, sondern auch Detlev Buck sich ein Stück High School Musical abgeschnitten, denn immer wieder dürfen Haupt- und Nebendarsteller eingängige Popsongs und Kinderlieder trällern, dort findet sich dann auch eingangs beschriebener Song wieder, gesungen von Bibi-Darstellerin Lina-Larissa Strahl und Lisa-Maria Koroll als Tina. Während O. Fee nun die einzige am Film beteiligte Person ist, die ihren Song dann auch auf Englisch singen darf (“I’m just an ordinary girl”), erinnert Kakmanns Hymne an sein Dasein als Schurke des Films („Ich will mehr, noch viel mehr, K-A-K-mann, merk dir den.“) an Chris Coopers Auftritt in Die Muppets („He’s Tex Richman, everybody listen just how great it is to be him.“). Überall sind solcherlei Einflüsse diverser Film-Musicals zu spüren.

Hans Kakmann schwimmt im Geld, will aber immer noch mehr

Hans Kakmann (Charly Hübner) schwimmt im Geld, will aber immer noch mehr

Lediglich Sänger Fabian Buch wirkt etwas deplatziert, wenn er mit aufgeknöpften Hemd sein Brusthaar präsentiert und auf der Gitarre eine Teenie-Version des Bibi & Tina Lieds zum Besten gibt. Auch Maximilian von der Groeben als motorisierter Schmied Freddy wirkt viel zu Teenie und Cool für die Kinderreihe. Da präsentiert sich dann auch wieder Ruby O. Fee, in einer Traumvision Freddys, als heißes Cowgirl mit knappen Jeans, Hütchen und im Wind wehenden Haaren, ein lasziver Blick, viel zu sexy als dass es in eine Bibi & Tina Geschichte hinein gehört.

Ein Hex Hex später ist aber wieder alles gut. Denn in seinem tiefsten Inneren ist Bucks Verfilmung dann eben doch eine Geschichte um gute Freundschaft, um Pferde und wie man den idealen Sommerurlaub auf einem Reiterhof verbringen kann. Die starken Pferdeszenen, das spaßige Spiel der Bibi und Tina Darstellerinnen und das noch viel sehenswertere Treiben von Zicke Sophia von Gelenberg machen Bibi & Tina zu einen schönen Filmausflug auf den Martinshof, bei dem man auch als Nicht-Pferdefan unweigerlich die Sommerferien herbeisehnt.


Bibi & Tina_Plakat”Bibi & Tina”

Altersfreigabe: ohne Altersbeschränkung
Produktionsland, Jahr: D, 2013
Länge: ca. 101 Minuten
Regie: Detlev Buck
Darsteller: Lina-Larissa Strahl, Lisa-Maria Koroll, Ruby O. Fee, Charly Hübner, Fabian Buch, Detlev Buck, Winnie Böwe, Louis Held, Michael Maertens, Martin Seifert, Maximilian von der Groeben

Kinostart: 6. März 2014
Im Netz: bibiundtina-derfilm.de

Bilder © DCM Film Distribution GmbH


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