Filmkritik

“Promised Land” von Gus van Sant

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© Universal Pictures International Germany GmbH / Matt Damon in "Promised Land"

© Universal Pictures International Germany GmbH / Matt Damon in “Promised Land”

Es gibt Orte auf der Welt, an denen das Herz der Menschen noch am rechten Fleck sitzt. Hier spielen weder Geld und Reichtum noch Macht eine Rolle. Dinge, die sich auf jeder Agenda einer großen Firma wie „Global“ wiederfinden lassen. Aber solch verträumte Orte, wo das eigene Überleben durch die schlichte Bewirtung des eigenen Ackers gesichert wird, sind solchen Firmen ein Dorn im Auge. Vor allem dann, wenn auf dem besagten Land eigentlich viel Geld zu holen ist, es aber durch die ländliche Sicht der Bewohner verkümmert. Irgendwie muss an dieses Geld doch heranzukommen sein. Und so gilt es nun in Gus van Sants „Promised Land“, gedreht nach einem Drehbuch von Hauptdarstellern Matt Damon und John Krasinski („The Office“), das Fracking-Verfahren als möglichst harmlos und gewinnbringend darzustellen, um in einem kleinen Dorf den Bewohnern nach und nach ihr Land abzunehmen und durch das Fracking an die dort verborgen liegenden Bodenschätze zu gelangen. Doch ist Fracking wirklich eine so gute Sache? Im Film steht man dem Thema sehr einseitig-kritisch gegenüber, nimmt vor allem das Wasser/Chemie-Gemisch in den Fokus, welches bei diesem Prozess in die Gesteinsschicht der Erde gepresst wird um damit weite Risse offen zu halten um Erdgas oder Erdöl zu Tage zu fördern. Streitpunkt sind stets die beigesetzten Chemikalien, von denen befürchtet wird, dass sie das Grundwasser vergiften.

Nun schickt van Sant, Regisseur von „Milk“, seine beiden „Global“-Angestellten Matt Damon und Frances McDormand los um einen solchen Fracking-Prozess in einem kleinen Dorf im US-Bundesstaat Pennsylvania bewilligen zu lassen. Einige Bewohner wollen sofort mitspielen, andere jedoch stellen sich quer. Es kommen unbequeme Fragen auf, die auch Damons Persönlichkeit Steve Butler nicht zu beantworten weiß. Er kann nur versprechen, dass die Provinzler mit der Aufgabe ihrer wenig rentablen Farmen eine mehr als großzügige Entschädigungssumme ausgezahlt bekommen. Mit viel Geld in der Hand zieht er die Menschen nach und nach auf seine Seite, bis der Umweltaktivist Dustin Noble (John Krasinski) in dem Dorf auftaucht und sich gegen die Fracking-Freunde stellt. Steve, selbst ein Kind vom Lande, wird immer mehr in einen Denkprozess verwickelt, bei dem er sich fragen muss, ob er weiterhin ein Profit-orientierter Mitarbeiter von „Global“ sein möchte oder sich seiner Überzeugung hingibt, die schon längst nicht mehr mit den Idealen des Konzerns übereinstimmt.

Matt Damon

Matt Damon

Die wirkliche Faszination dieses Politthrillers entspringt nun nicht unbedingt der eigentlichen Handlung, die sich recht oberflächlich mit der Thematik auseinandersetzt, bevor man sich dann auch in inszenierten Liebesbanalitäten verliert, die sich als Randerscheinung in den Mittelpunkt drängen, gar zur Antriebskraft für den Protagonisten werden. Viel mehr möchte man sich mit dem eigentlichen Blick auf die Dinge beschäftigen. Das Drehbuch braucht eine lange Zeit, bevor es sich für eine schwarze oder weiße Sichtweise entscheidet, verhält sich, das ist positiv anzumerken, über weite Strecken lang grau. Es spielt mit nachvollziehbaren Vorteilen für die Dorfbewohner, zeigt aber ebenso die Skepsis und negativen Aspekte des Fracking-Prozesses, der damit verbundenen Landaufgabe der Dorfgemeinschaft auf. So fühlt man sich anfangs noch hin und hergerissen zwischen der vermutlich vernünftigen Abgabe des Landguts, da dieses ohnehin als totes Kapital angesehen werden muss, versteht aber auch das traditionsbewusste, emotionsgeleitete Festhalten am eigenen Eigentum, aus reiner Familien- und Landverbundenheit. Auch Matt Damon nimmt zunächst keine klare Haltung demgegenüber ein, propagiert zwar die Ansichten seiner Firma „Global“, bleibt aber im Grunde immer seiner eigenen Überzeugung treu, die eher auf der Seite der Dorfbewohner anzusiedeln ist. Frances McDormand, als Damons Kollegin unterwegs, formuliert den Satz, der vermutlich auch Damon selbst antreibt: „Ich habe Kinder, ich muss irgendwas arbeiten, hierfür gibt es gutes Geld.“. Man steht hinter dem Profit, hinter dem eigenen Überlebenswillen, nicht aber hinter dem Vorhaben. Hier ist es dann aber auch, wo der Film seine Grauzone verlässt und Stellung bezieht. Er differenziert ein diskutables Thema in Geld und Natur, was im Angesicht der Tragweite, denn Fracking kann tatsächlich große Mengen von Rohstoffen sichern, etwas oberflächlich erscheint.

Das merkt man dann auch an Mit-Drehbuchautor und Darsteller John Krasinski, der nach seiner liebenswerten Rolle des Jim Halpert in „The Office“ hier den widerlich-hartnäckigen Umweltaktivisten verkörpert, inszeniert als böser Gegenspieler, obwohl eigentlich der gute Retter der Umwelt. Mit ebenso oberflächlichen Argumentationen schafft er es die Dorfbewohner nun von Steve Butler loszusagen, holt sie auf seine Seite und stellt sich selbst damit als Antagonist hin, der Butler darüber hinaus auch noch auf persönlicher Ebene angreift, sich mit dessen Neubekanntschaft Alice (Rosemarie DeWitt) verabredet und hierdurch noch mehr zum „Bösen“ dieser Geschichte gemacht wird. Interessant ist dies, da beide Figuren nicht gänzlich einer Seite zuzuordnen sind. Erneut findet man sich in dieser Grauzone wieder, die aber auch mit der Figur des Umweltaktivisten, Krasinski spielt sie beeindruckend zwischen guter Mensch und unsympathisches Arschloch, am Ende fallen gelassen wird. Dennoch bleibt es faszinierend mit anzusehen, wie Krasinski seine Rolle auslegt, zum Showman avanciert, der mit kleinen Karaoke-Einlagen und extravaganten Chemie-Experimenten in der Schule zu beeindrucken weiß. Schnell kommt das Gefühl auf, dass man es hier mit einem altertümlichen Scharlatan zu tun hat.

John Krasinski

John Krasinski

Aber so sehr wie diese Öko-Verschwörung im Mittelpunkt stehen sollte, folgt das Drehbuch doch auch sehr stereotyp seiner Liebesgeschichte, gleich auf zweierlei Weise: Sowohl Matt Damon als auch Frances McDormand bekommen ihre Love Interests, werden zugleich beide als Menschen inszeniert, die der Hatz der Großstadt erlegen sind und sich mit der Ruhe des Landes anfreunden können, wo die Liebe wieder richtig aufblühen kann. Damit bekommt „Promised Land“ dann einen unnötig rührseligen Touch ab, der nicht mehr zeigt als dass der Film Angst davor hat, sich allein auf seine politische Mache zu verlassen. Allzu banal wirkt Matt Damon beim ländlichen Trinkspiel, bei dem das persönliche Band mit den Dorfbewohnern geknüpft werden soll, ähnlich wie der spätere Karaoke-Auftritt Krasinskis, dessen Bestreben allerdings weitaus berechnender wirkt. Dabei entfaltet es weitaus mehr Wirkung, wenn Matt Damon einfach nur im Auto sitzt, verträumt aus dem Fenster schaut, die Landschaft auf sich einwirken lässt. Hier merkt man ebenso, viel eher zum Film passend, wie sehr sich Damon diesem Umfeld verbunden fühlt. Hierfür bedarf es keiner Trinkspiel-Anbandelungen mit den Dörflern.

Und wenn Steve Butler immer und immer wieder von sich sagt, „I am not a bad guy“, dann ist das leider eine viel zu vorhersehbare Vorausschau auf den Ausgang des Films, der dann eben doch noch Stellung bezieht, obgleich man die Spannung hätte erhalten können, wäre man nicht zu früh der Grauzone entflohen. Hier hätte sich noch jeder Zuschauer selbst seine Meinung zurecht legen können, was nun der Film selbst übernimmt. So wirkt „Promised Land“, fernab von den guten darstellerischen Leistungen aller Beteiligten, doch nur wie eine eindeutige Stellungname gegen das Fracking.

 


Promised Land_Hauptplakat

“Promised Land“

Start: 13. Juni 2013 – Originaltitel: „Promised Land“ – USA 2012 – freigegeben ab 6 Jahren – 107 Minuten – Regie: Gus van Sant – Drehbuch: Matt Damon, John Krasinski – Darsteller: Matt Damon, John Krasinski, Frances McDormand, Rosemarie DeWitt, Titus Welliver, Hal Holbrook – Homepage: focusfeatures.com/promised_land


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