Filmkritik

Nach einer wahren Geschichte: “Argo” von Ben Affleck

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© Warner / Ben Affleck als Tony Mendez in seinem Film "Argo"

Ben Affleck hat als Regisseur ein Faible für starke Geschichten, angesiedelt im Milieu des Verbrechens. 2007 adaptierte er in seinem Regiedebüt „Gone Baby Gone“ den gleichnamigen Detektivroman des amerikanischen Schriftstellers Dennis Lehane, auf dessen Konto auch Vorlagen für die Filme „Mystic River“ (Clint Eastwood, 2003) und „Shutter Island“ (Martin Scorsese, 2010) gehen. Sein zweites Werk lehnte Affleck an den Roman „Prince of Thieves“ von Chuck Hogan an – der mit Regisseur Guillermo Del Toro die Trilogie „The Strain“, „The Fall“ und „The Night Eternal“ schrieb. Daraus wurde „The Town“. Am 8. November folgt nun mit “Argo” das dritte Werk von Ben Affleck als Regisseur, in dem er sich nicht an einem Buch als Vorlage orientiert, sondern an einem Artikel, der von dem US-Magazin „Wired“ publiziert wurde.

Im April 2007 berichtete das „Wired“-Magazin in dem Artikel „How the CIA used a fake Sci-Fi flick to rescue Americans from Tehran“ von Joshuah Bearman über eine Geheimaktion, mit der sechs Amerikaner am Rande der Geiselnahme von Teheran in Sicherheit gebracht werden sollten. Ein Umstand, der erst Jahre später bekannt gemacht wurde – die Geiselnahme um 66 Amerikaner, die 444 Tage festgehalten wurden, dauerte vom 4. November 1979 bis zum 20. Januar 1981 an. Bei der Rettung der fünf Diplomaten und dem Amerikaner aus Teheran, arbeitete die Central Intelligence Agency (CIA) der USA mit der kanadischen Regierung zusammen. Die Diplomaten entkamen einer Geiselhaft während der Übergriffe auf die Botschaft der Vereinigten Staaten am 4. November 1979, bei dem islamistische Studierende und Militante das Personal Gefangen nahmen. Die Diplomaten befanden sich gerade im Konsulat, ein separates Gebäude auf dem Gelände der Botschaft, als die Studierenden über die Mauern kletterten und ihren Angriff starteten. Gemeinsam mit einem Amerikaner, konnten die Diplomaten in Teherans Straßen flüchten. Als sich die sechs Männer der großen Menschenmasse gegenüber sahen, flüchteten sie zuerst in die Wohnung von Robert Anders, der zu den flüchtenden Männern gehörte. Von hier an begann eine Flucht von Haus zu Haus, die fünf Tage andauerte. Nach bereits drei Tagen fiel die Regierung von Mehdi Bazargan und es wurde klar, dass die Tortur nicht in ein paar Tagen vorüber gehen würde. Ohne Geld und Platz, wo die Sechs noch hätten hingehen können, kontaktierte Robert Anders seinen alten Freund, Tennispartner und kanadischen Beamten bei der Einwanderungsbehörde, John Sheardown. Er gewährte ihnen Unterschlupf in seinem Haus. Der kanadische Botschafter Ken Taylor kam hinzu und die Gruppe wurde aufgeteilt. Lee Schatz vom amerikanischen Landwirtschaftsministerium stieß zwei Wochen später zu Taylor und den anderen. Er hatte die Zeit bisher auf dem Fußboden der schwedischen Botschaft verbracht.

Ben Affleck und seine Männer

Botschafter Taylor kontaktierte die kanadische Außenministerin Flora MacDonald und Premierminister Joe Clark, die den Flüchtlingen Hilfe zusagten. Sie entschieden, dass die sechs Amerikaner mit einem internationalen Flug und kanadischen Pässen aus dem Iran geflogen werden sollten. Um dieses Vorhaben zu realisieren, versammelte sich das kanadische Parlament in ihrer ersten Geheimsitzung seit dem zweiten Weltkrieg. Es wurde der Ratsbeschluss erteilt, dass kanadische Pässe an die Amerikaner vergeben werden sollten. Diese, von der CIA gefälschten Visums, sollten zur Flucht aus dem Iran verhelfen. Die CIA beauftragte ihren Experten Tony Mendez, der einen entsprechenden Hintergrund für die Geschichte erschaffen sollte. Er fälschte Dokumente, beschaffte die passende Kleidung und das Material, um die sechs Amerikaner unerkannt aus dem Land schmuggeln zu können. Mendez arbeitete hierbei eng mit Angestellten der kanadischen Regierung aus Ottawa zusammen, denen er so viele Informationen als Diplomatenpost zukommen ließ, wie es ihm möglich war, bevor er mit einem Assistenten nach Teheran flog. Es gab viele verschiedene Pässe und Identitäten, die für viele unterschiedliche Szenarien einer Rettungsaktion ausgereicht hätten. Aber bei der Geschichte, die am Ende ausgewählt wurde, nahmen die sechs Amerikaner die Plätze einer Hollywood-Crew ein, die auf der Suche nach geeigneten Drehorten war. Der Film, für den diese Orte gefunden werden sollten, wurde „Argo“ betitelt.

1981 entstand unter der Regie von Lamont Johnson der Fernsehfilm „Escape from Iran: The Canadian Caper“, eine erste Aufarbeitung der Geschichte, bei der Key Taylor und John Sheardown von Gordon Pinsent und Chris Wiggins gespielt wurden. Die in Deutschland geborene und in Ottawa aufgewachsene Schriftstellerin Laura Scandiffio schrieb 2003 beruhend auf den Ereignissen die Kurzgeschichte „Fugitives in Iran“. 2007, noch im selben Jahr wie der „Wired“-Artikel erschien, planten George Clooney, Grant Heslov und David Klawans als Produzenten ein entsprechendes Filmprojekt. Im Februar 2011 wurde dann bekannt gegeben, dass „Argo“ unter der Regie von Ben Affleck entstehen würde. Der erste Schauspieler, der für den Film verpflichtet werden konnte, war Alan Arkin. Er ist in der Rolle des Hollywood-Produzenten Lester Siegel zu sehen, der die „Argo“-Operation mit seiner Produktionsfirma deckt. Für weitere Rollen wurden Bryan Cranston, John Goodman, Kyle Chandler, Taylor Schilling, Victor Garber, Clea DuVall, Chris Messina und Tom Lenk engagiert. Ben Affleck selbst ist in der Rolle des Tony Mendez zu sehen. Nachdem die Besetzung komplett war, begannen die Dreharbeiten in Los Angeles, Istanbul und vor Ort in Washington bei der CIA und dem Außenministerium.

Der Film befand sich auf der “Black List 2010”, wo die besten, nicht produzierten Drehbücher eines Jahres gelistet werden. Was Ben Affleck aus dem Material herausholen kann, ist ab dem 8. November 2012 in den deutschen Kinos zu sehen.

Link zum Artikel im “Wired”-Magazin

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